UNO-Untersuchung – Entnimmt China Organe bei uigurischen Häftlingen?
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Herzen, Nieren und AugenhornhäuteEntnimmt China uigurischen Häftlingen systematisch Organe?

Eine UNO-Untersuchung kommt zum Schluss, dass China Organraub an ethnischen Minderheiten begeht. Die Volksrepublik widerspricht.

China begeht einen Ethnozid an der Minderheit der Uighuren.

China begeht einen Ethnozid an der Minderheit der Uighuren.

Wikipedia

Darum gehts

  • UNO-Fachleute haben Hinweise auf systematischen Organraub in China gefunden.

  • Betroffene sollen vor allem ethnische Minderheiten sein.

  • Ein Sprecher der Volksrepublik weist die Vorwürfe zurück.

In China gibt es UNO-Fachleuten zufolge Hinweise auf Organraub an Häftlingen, die einer Minderheit angehören. Sie hätten diesbezüglich «glaubwürdige Informationen» erhalten, teilten die zwölf unabhängigen Experten am Montag mit. «Die erzwungene Organentnahme in China scheint auf Angehörige bestimmter ethnischer, sprachlicher oder religiöser Minderheiten abzuzielen, die an verschiedenen Orten inhaftiert sind, oft ohne dass ihnen die Gründe für die Verhaftung erläutert werden oder Haftbefehle vorliegen.»

Die Vorwürfe seien «extrem alarmierend», erklärten die UN-Sonderberichterstatter sowie die UN-Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen. Demnach werden die Häftlinge offenbar zu Bluttests und Ultraschall- sowie Röntgenaufnahmen gezwungen. Die Untersuchungsergebnisse würden dann in einer Transplantationsdatenbank registriert.

Ethnische Minderheiten im Visier

Herzen, Nieren, Lebern und Augenhornhäute seien offenbar die am häufigsten entnommenen Organe. Betroffen seien den Berichten zufolge neben Mitgliedern der verbotenen spirituellen Bewegung Falun Gong auch Uiguren, Tibeter, Muslime und Christen.

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Die uighurische Lehrerin Qelbinur Sidik gibt an, in einem Spital in China zwangssterilisiert worden zu sein.

Die uighurische Lehrerin Qelbinur Sidik gibt an, in einem Spital in China zwangssterilisiert worden zu sein.

(Photo by Tolga Akmen / AFP)
Auch tibetische Häftlinge sollen betroffen sein.

Auch tibetische Häftlinge sollen betroffen sein.

AFP

Ein Sprecher der chinesischen Vertretung in Genf warf den UN-Experten vor, China zu «verleumden». Peking «wehrt sich entschieden gegen diese Anschuldigungen und weist sie kategorisch zurück», erklärte er. Den UN-Experten mangele es an «rudimentärem Denk- und Urteilsvermögen». Sie seien auf die «Desinformation antichinesischer separatistischer Kräfte» und der Falun-Gong-Bewegung hereingefallen.

China sieht sich immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, Häftlingen zwangsweise Organe zu entnehmen. Peking hat die Anschuldigungen stets bestritten. Nach Angaben der UN-Experten kritisierte die UNO bereits 2006 und 2007 gegenüber der chinesischen Regierung den mutmasslichen Organraub. Peking habe damals jedoch keine ausreichenden Daten über die Herkunft von Transplantationsorganen geliefert.

Nato sieht China als «systemische Herausforderung»

Legt sich mit dem «Reich der Mitte» an: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Legt sich mit dem «Reich der Mitte» an: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

AFP

China stellt nach Ansicht der Nato-Staaten eine dauerhafte Herausforderung für die Sicherheit dar. Zudem arbeite Peking daran, das regelbasierte System der internationalen Ordnung zu untergraben, hiess es in einer Erklärung des Nato-Gipfels am Montag in Brüssel. Die Nato sei besorgt darüber, wie schnell China Atomraketen entwickele, hiess es weiter.

Die Ziele Chinas und dessen bestimmtes Auftreten stellten «systemische Herausforderungen» für Bereiche dar, die für die Sicherheit des Bündnisses relevant seien. Die 30 Staats- und Regierungschefs vermieden es zwar, China als Rivalen zu benennen, sie äusserten sich aber besorgt über dessen «Zwangspolitik», undurchsichtiges Vorgehen bei der Modernisierung seiner Streitkräfte und die Nutzung von Desinformation.

China reagiert empört

Die Nato rief Peking in der Gipfelerklärung auf, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten und sich im internationalen System verantwortlich zu verhalten, wie es einer Grossmacht zukomme. Die Staats- und Regierungschefs begrüssten zugleich Möglichkeiten, sich auf Feldern wie dem Klimawandel mit China zu engagieren.

Die Erklärung legt erstmals die Haltung des Militärbündnisses zu China dar. Diplomaten zufolge zählte die Formulierung dieses Abschnitts zum schwierigsten Teil der Erklärung.

Die Antwort der Volksrepublik liess nicht lange auf sich warten. Die Nato übertreibe die von China ausgehende Bedrohung und schaffe damit Konfrontation, erklärte die chinesische Vertretung bei der EU am Dienstag. Sie forderte die Nato auf, «Chinas Entwicklung rational zu betrachten», nicht länger «verschiedene übertriebene Formen» einer «Bedrohungstheorie» zu verbreiten und Chinas «legitime Interessen und Rechte» nicht länger als Vorwand für Manipulation und die «künstliche» Schaffung von Konfrontation zu nutzen.

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(afp/nsa)

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