25.08.2020 03:06

Kartonsammlung gestrichen«Entscheid des Stadtrats kostet Jugendvereine 200’000 Franken»

In der Stadt Luzern haben die Jugendverbände Jubla und Pfadi bisher die Kartonsammlungen durchführen dürfen. Nachdem die Stadt dies plötzlich nicht mehr erlaubt, wehren sie die Jugendverbände. Und sie erhalten Support von vielen Parteien.

von
Martin Messmer
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Bisher durften Jugendvereine in der Stadt Luzern Karton sammeln und so Geld für ihre Kassen verdienen.

Bisher durften Jugendvereine in der Stadt Luzern Karton sammeln und so Geld für ihre Kassen verdienen.

www.dsjo.ch
Doch nun hat die Stadt Luzern dies wegen Sicherheitsbedenken verboten.

Doch nun hat die Stadt Luzern dies wegen Sicherheitsbedenken verboten.

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Nun sammelt das Strasseninspektorat in Luzern den Karton ein.

Nun sammelt das Strasseninspektorat in Luzern den Karton ein.

KEYSTONE

Darum geht es

  • Bisher konnten Jugendverbände in der Stadt Luzern pro Jahr 40 Kartonsammlungen durchführen.
  • Damit verdienten sie total 200’000 Franken, was für sie 50 bis 80 Prozent ihrer Einnahmen bedeutet.
  • Der Stadtrat argumentiert mit Sicherheitsbedenken – die Kartonsammlung macht jetzt das Strasseninspektorat.
  • Der Dachverband der städtischen Jugendorganisationen kämpft jetzt für neue Einnahmequellen.

Die Jugendverbände dürfen in der Stadt Luzern keine Kartonsammlungen mehr durchführen: Wegen juristischer sowie Sicherheitsbedenken lässt die Stadtregierung dies künftig durch das Strasseninspektorat erledigen. Laut einer Mitteilung des Dachverbandes der städtischen Jugendorganisationen vom Wochenende betrifft dies rund 40 Sammlungen pro Jahr, die etwa 200’000 Franken in die Vereinskassen gebracht hätten, was je nach Verein 50 bis 80 Prozent der Einnahmen bedeute, die jetzt wegfallen würden.

Sicherheit sei stets verbessert worden

Zwar räumt der Verband in einer Mitteilung ein, dass bei Kartonsammlungen auf den Strassen gefährliche Situationen entstehen können. Dem werde aber Rechnung getragen: «Da uns die Risiken bereits in der Vergangenheit stets bewusst waren, entwickelte sich der Dachverband in Sicherheitsthemen stetig weiter.» Etliche Massnahmen seien umgesetzt worden, so hätten in der Regel Jugendliche und junge Erwachsene die Sammlungen durchgeführt und nicht mehr wie früher auch jüngere Kinder. Oder es wurden auch bauliche Massnahmen beim Werkhof umgesetzt, so der Verband.

Der Verband ist nun von der Stadt enttäuscht, da er vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. «Anstatt der plötzlichen Sistierung unserer Zusammenarbeit hätte sich der Verband einen konstruktiven Dialog gewünscht», heisst es in der Mitteilung. Denn der Verband ist überzeugt: «Wir denken, dass es durchaus möglich ist, Papier- oder Kartonsammlungen durchzuführen, bei denen die Sicherheit gewährleistet ist.» In anderen Gemeinden werde das weiterhin gemacht.

Jetzt wollen Jugendvereine alternative Aufträge

Nun hofft die Dachorganisation, dass sie neue Aufträge bekommen, um neue Einnahmen zu generieren. «Nun geht es darum, Alternativen zu prüfen und sie anschliessend der Stadt zu unterbreiten. Der Verband hofft, dass die Stadt offen ist für unsere Vorschläge und die Jugendvereine zukünftig wieder in einer Form finanzielle
Unterstützung erhalten, welche dringend notwendig ist, um die Angebote in der heutigen Form weiterzuführen.»

Verbandspräsident Patrick Maire sagte gegenüber 20 Minuten, es gebe zum Beispiel im Bereich Naturschutz oder Grossveranstaltungen alternative Tätigkeiten für die Jugendvereine, in denen sie von der Stadt eingesetzt werden könnten. Aber man sei auch bereit, neue Sicherheitsmassnahmen umzusetzen, um doch wieder Karton zu sammeln. Er hofft nun auf die Behörden.

Jugendvereine erhalten parteiübergreifend Unterstützung

Politisch erhalten die Jugendverbände viel Support: «Wir bitten den Stadtrat, aufzuzeigen, welche Tätigkeiten von den Jugendorganisationen anstelle der Kartonsammlung ausgeführt werden können, die eine vergleichbare finanzielle Entschädigung bei vergleichbarem zeitlichem Aufwand gewährleisten», heisst es in einer dringlichen Motion, welche die FDP eingereicht hat.

Und für einmal spannen alle Jungparteien zusammen. Sie verlangen in einer gemeinsamen Mitteilung ebenfalls, dass Alternativen zum Kartonsammeln aufgezeigt werden. Oder aber, dass zu prüfen sei, «wie die Sicherheit bei den Kartonsammlungen so erhöht werden kann, dass diese wieder von den Jugendorganisationen durchgeführt werden können».

Am Montag reichten auch die Fraktionen der Grünen, SP und CVP ein Postulat bei der Stadt ein, um die Unterstützung der städtischen Jugendorganisationen sicherzustellen. Sie zeigen kein Verständnis dafür, dass die 20-jährige Zusammenarbeit mit den 15 Pfadiabteilungen und Jublascharen eingestellt werden soll und so die einzige städtische Förderung der Jugendorganisationen wegfallen soll. Die Fraktionen fordern nun vom Stadtrat, dass die Vereine unabhängig von einer bereits feststehenden konkreten Leistung für die Allgemeinheit in einem ähnlichen finanziellen Rahmen nahtlos weiter unterstützt werden sollen. Eine Förderung von Jubla und Pfadi sei mit deren ehrenamtlichen Leistungen für die Allgemeinheit ohnehin schon gerechtfertigt, steht im Postulat.

«Als Mutter von vier Kindern hoffe ich auf eine Lösung»

Auch CVP-Ständerätin Andrea Gmür bedauert die Haltung der Stadt: «Als Ständerätin möchte ich mich nicht in die städtische Politik einmischen. Als Mutter von vier Kindern, die alle in Jugendorganisationen tätig sind, hoffe ich aber, dass die Stadt und die Vereine eine gemeinsame Lösung finden werden», sagt sie auf Anfrage von 20 Minuten.

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