SBB-Ticketpreise: Entscheid über abgestufte Preise noch in weiter Ferne
Aktualisiert

SBB-TicketpreiseEntscheid über abgestufte Preise noch in weiter Ferne

Spekulationen haben in den letzten Wochen die Diskussion über nach Tageszeit abgestufte Preise für Bahntickets belebt. Bis konkrete Entscheide fallen, dauert es indes noch lange.

Eine Arbeitsgruppe befasst sich erst mit Ideen dazu. Ein Ausschuss im Verband öffentlicher Verkehr (VöV) diskutiere ein neues Preissystem, sagte VöV-Sprecher Roman Weissen am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Grundsätzliche Entscheide für oder gegen ein bestimmtes System sind allerdings noch nicht gefallen.» Für diese Entscheide gebe es auch keinen Zeitrahmen.

Der Ausschuss bestehe aus Fachleuten aus der Verkehrsbranche, sagte Weissen. «Er muss ein intelligentes Preissystem erarbeiten, das die Interessen der Betriebe des öffentlichen Verkehrs abdeckt.» Andererseits müsse das System auch die Bedürfnisse der Kunden erfüllen. Es gehe nicht darum, den Berufs- und Freizeitverkehr gegeneinander auszuspielen.

Abgestufte Tarife

Ihr Ziel für ein neues System skizzierte die SBB schon mehrmals: Sie prüft intensiv eine Abstufung der Ticketpreise nach Tageszeit, um damit die Auslastung der Züge zu verbessern. «Pro Tag sind insgesamt 70 Prozent der Sitzplätze frei - allerdings vor allem während der Randzeiten,» sagte SBB-Sprecher Roland Binz. Pendler treffen dagegen zu Spitzenzeiten überfüllte Züge an.

Obwohl noch keine Entscheide fielen, befürchteten viele Pendlerinnen und Pendler in den letzten Wochen aufgrund der Überlegungen der SBB stark steigende Preise für Bahntickets und- abonnemente. Auch der Preisüberwacher schaltete sich ein. Allerdings sind auch andere Varianten zur Abstufung möglich.

Es seien etwa «durchaus Tarifmodelle denkbar, die die Pendler überhaupt nicht belasten», sagte der Tourismusexperte Christian Laesser in einem Interview, das am Freitag in der bernischen Zeitung «Der Bund» erschien. Laesser ist Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen.

So könnten etwa während Spitzenzeiten General- und Streckenabonnemente für obligatorisch erklärt werden. Die meisten Pendler benützten diese Abos schon. «Wer trotzdem mit Einzelticket fährt, müsste mehr bezahlen», sagte Laesser. Der Freizeitverkehr könnte mit diesem System effektiv auf Randzeiten gelenkt werden.

Froh über Diskussion

Zu diesem konkreten Modell wollte sich SBB-Sprecher Binz auf Anfrage nicht äussern. Die SBB sei aber bestrebt, die Randzeiten über Zusatzangebote attraktiver zu machen, ohne die Pendler neu zu belasten. «Mit der neu eingeführten Tageskarte ab neun Uhr machten wir bereits gute Erfahrungen.»

«In der momentanen Phase sind wir froh über die Diskussion, die in den Medien stattfindet», sagte Binz. Diese Ideen würden in die Diskussionen der Arbeitsgruppe im VöV einfliessen. Die Arbeitsgruppe, in der die SBB vertreten sei, prüfe die Machbarkeit von Ideen und analysiere deren Wirkung auf den Markt.

Eine Preiserhöhung erwartet die Kunden aber auch ohne neues Preissystem voraussichtlich im kommenden Jahr. Die Teuerung sowie steigende Energie- und Materialkosten sorgen laut Binz für Mehrausgaben. «Diese Erhöhung der Preise wäre aber losgelöst von einem neuen Preissystem.» Entscheide seien aber auch dazu noch nicht gefallen. (sda)

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