Aktualisiert 29.09.2009 15:32

Über 150 Tote

Entsetzen über Gewalt in Guinea

Bei der gewaltsamen Auflösung einer Oppositionskundgebung im westafrikanischen Guinea sind laut Menschenrechtlern 157 Menschen getötet worden, was weltweite Entrüstung ausgelöst hat. Frankreich setzte die militärische Kooperation aus.

Bei der Niederschlagung der Proteste wurden auch mehr als 1250 Menschen wurden verletzt. Sicherheitskräfte stürmten ein Stadion in der Hauptstadt Conakry. Dort hatten sich am Montag zehntausende Oppositionsanhänger versammelt, um gegen die Militärregierung zu protestieren. Laut der Menschenrechtsorganisation RADDHO kam es auch zu zahlreichen Vergewaltigungen. Von mehreren Seiten wurde die Vermutung geäussert, die Junta wolle das Ausmass der Gewalt vertuschen.

Die oppositionelle Union Republikanischer Kräfte warf der Militärregierung vor, Leichen verschwinden zu lassen. Nach Angaben eines Rotkreuz-Mitarbeiters sollen die Kommandanten verfügt haben, alle Leichen in das Militärlager Alpha Yaya Diallo, den Sitz der Junta, zu bringen und nicht in Leichenschauhäuser.

Auch zwei Oppositionsführer, die früheren Premierminister Cellou Dalein Diallo und Sidya Touré, wurden nach Angaben der Ehefrau Diallos bei dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte verletzt und anschliessend festgenommen. Die Häuser der Politiker wurden gemäss Nachbarn von Soldaten geplündert.

Die Demonstranten protestierten gegen die Pläne von Junta-Chef Moussa Dadis Camara, bei den für Januar geplanten Präsidentenwahlen selbst anzutreten. Auch die internationale Staatengemeinschaft übt Druck auf die Junta aus, bei den Wahlen die Macht wie zuvor versprochen wieder an Zivilisten abzugeben.

Frankreich setzt militärische Kooperation aus

Die einstige Kolonialmacht Frankreich setzt die militärische Zusammenarbeit mit dem westafrikanischen Staat aus. Sein Land werde auch die bilaterale Hilfe für Guinea auf den Prüfstand stellen, erklärte der französische Aussenminister Bernard Kouchner am Dienstag. Er kündigte zugleich an, dass die Europäische Union am Mittwoch in Brüssel über weitere Massnahmen gegen die Junta in Guinea beraten werde.

Camara äussert Bedauern

Das Militär hatte am 23. Dezember 2008 nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Lansana Conté in einem unblutigen Putsch die Macht ergriffen. Zu den Vorkomnissen vom Montag sagte Camara in einem Interview mit dem Fernsehsender RFI: «Es tut mir sehr leid.»

Vereinzelt hätten Sicherheitskräfte bei dem Einsatz die Kontrolle über das Geschehen verloren. Camara bestritt jedoch, dass es zu Vergewaltigungen gekommen sei.

Kritik von UNO, EU, AU

Das Ausmass der Gewalt wurde am Dienstag bekannt und löste internationale Proteste aus. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich «schockiert» angesichts der vielen Toten und Verletzten. Auch EU-Chefdiplomat Javier Solana verurteilte das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte. Er rief die Regierung zur Zurückhaltung und zur Freilassung der festgenommenen Oppositionellen auf.

Die Kommission der Afrikanischen Union (AU) forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. In einer Stellungnahme verurteilte die Organisation die Gewalt «gegen unbewaffnete Zivilisten». (sda/dapd)

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