Aktualisiert 04.06.2015 06:43

Rorschach SG

Entsorgte Gammel-Sofas ekeln Stadtbewohner an

In Rorschach stehen ständig Sofas am Strassenrand, manchmal monatelang. Bei der Stadt will man aber nichts von einem «Sofa-Problem» wissen.

von
qll
1 / 11
Das blaue Sofa steht angeblich seit Dezember an der Dufourstrasse.

Das blaue Sofa steht angeblich seit Dezember an der Dufourstrasse.

Res Lerch
Den Steh-Rekord hälts aber dieses Sofa.

Den Steh-Rekord hälts aber dieses Sofa.

Res Lerch
Seit Herbst stand es an der Reitbahnstrasse.

Seit Herbst stand es an der Reitbahnstrasse.

Res Lerch

«Diese herumstehenden Sofas stören das Stadtbild», sagt der Rorschacher Blogger Res Lerch. «Diesen Gammel-Look können Aussenstehende schnell auf die Stadt beziehen.» Dass Rorschach nicht der einzige Ort ist, wo herrenlose Möbel – vielfach mit dem Vermerk «Gratis» – abgestellt werden, macht es für ihn nicht besser. «Ich finde es spätestens dann störend, wenn diese abgestellten Sachen stehen bleiben und sich niemand mehr darum kümmern will», so Lerch. Natürlich ist auch ihm klar, dass oft geklärt werden muss, ob diese Möbel auf öffentlichem oder privatem Grund stehen. «Aber optisch sind diese Sofas nun wirklich keine Augenweide», so Lerch.

So sei beispielsweise das Sofa an der Reitbahnstrasse seit Herbst bei Wind und Wetter draussen gestanden. «Deshalb habe ich dieses Sofa sicher drei Mal in meinem Blog erwähnt», bemerkt Lerch. Wie von Geisterhand sei dieses Sofa dann am letzten Montag weggewesen. «Zwar weiss ich nicht, wer es letztlich entsorgt hat, aber weg ist weg», so Lerch.

Rorschach hat aktuell noch weitere herrenlose Sofas. Eines steht an der Dufourstrasse, ein anderes an der Scholastikastrasse. Jenes an der Dufourstrasse steht wahrscheinlich auf privatem Grund – schön anzuschauen ist es auch dort nicht.

Besitzer sollten sich darum kümmern

Bei der Stadt will von einer Entsorgungs-Misere, wie Lerch sie schildert, nichts wissen: «Wir haben kein Sofa-Problem», sagt Bruno Seelos, Stadtschreiber von Rorschach. «Bei über 4000 Haushalten verzeichnet die Stadt monatlich ein bis zwei Sofas, die nicht korrekt entsorgt werden.» Mehrere Faktoren hätten dazu geführt, dass die verwaisten Sofas nicht von der Abfuhr mitgenommen wurden: «Entweder standen sie auf privaten Grund, wo der Eigentümer verantwortlich ist», so Seelos. Oder die Sofas statt mit Gebührenmarken mit einem «Gratis zum Mitnehmen»-Schild versehen worden.

Die Gratis-zum-Mitnehmen-Masche, mit der illegal sperrige Möbel entsorgt werden, ist laut Seelos nicht nur in Rorschach, sondern auch in anderen Gemeinden zu beobachten.

Aus den Augen, aus dem Sinn

«Die Besitzer zählen darauf, dass sich die Allgemeinheit um den privaten Abfall kümmert», ärgert sich Seelos. Was viele nicht wissen: Die Stadt erstattet Strafanzeige, wenn sie den Besitzer ausfindig machen kann.

Wer das eigene Sofa nicht wegschmeissen möchte, dem rät Seelos, die Möbelstücke in eine Brockenstube zu geben oder auf Plattformen wie Ricardo zu versteigern. Wer keinen Abnehmer findet, sollte die Möbelstücke korrekt – mit Marken versehen – entsorgen.

«Das hält man ja nicht aus»

Die Gammel-Sofas kommen bei den Rorschacher Bürgern unterschiedlich an. Während einige es mit Humor nehmen und Kommentare wie «Ich dachte immer, all diese Sofas in Rorschach seien eine Kunst-Installation» oder «Das neue Rorschacherspiel: Stell dein Sofa raus. Spielregeln müssen noch festgelegt werden» auf Res Lerchs Facebook-Seite schreiben, können einige die Sofas einfach nicht mehr sehen: «Das hält man ja nicht aus», schreibt ein Leser.

Andere sehen die Vorteile, die ein solches Sofa bietet: «Rorschach, die gastliche Hafenstadt, bietet bequeme Sitzgelegenheiten an – nicht nur harte Bänkli. Vielleicht sollte man noch einen Aschenbecher dazustellen?»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.