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Spital verwechselt SäureEntstellter Patient fordert 6 Millionen Franken

Weil eine Genfer Klinik eine Lösung verwechselte, verbrannten die Ärzte einem Patienten den Hals. Nun will das Opfer Genugtuung in Millionenhöhe.

von
ehs
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In der Genfer Klinik Générale-Beaulieu wurde bei einer Operation im Jahr 2011 eine Lösung verwechselt. Dadurch verbrannte sich ein Patient den Hals und wurde arbeitsunfähig.

In der Genfer Klinik Générale-Beaulieu wurde bei einer Operation im Jahr 2011 eine Lösung verwechselt. Dadurch verbrannte sich ein Patient den Hals und wurde arbeitsunfähig.

beaulieu.ch
Nun fordert der 60-Jährige von der Klinik sechs Millionen Franken, berichtet die «Tribune de Genève». Die Privatklinik, die mit modernster Medizin wirbt (im Bild ihr Chirurgie-Roboter «Da Vinci»), weist die Verantwortung von sich.

Nun fordert der 60-Jährige von der Klinik sechs Millionen Franken, berichtet die «Tribune de Genève». Die Privatklinik, die mit modernster Medizin wirbt (im Bild ihr Chirurgie-Roboter «Da Vinci»), weist die Verantwortung von sich.

Keystone/Martial Trezzini

Bei einer Operation in der Genfer Klinik Générale-Beaulieu im Jahr 2011 kam es zu einer fatalen Verwechslung: Statt einer Essigsäure in einer dreiprozentigen Konzentration nahmen die Ärzte eine Lösung mit einer Konzentration von 98 Prozent. Der heute 60-jährige Patient verbrannte sich dadurch den Hals und ist seither arbeitsunfähig.

Für den Unfall fordert er nun in einem Prozess, der am Mittwoch in Genf begann, sechs Millionen Franken von der Klinik. Der Betrag soll in monatlichen Raten von 26'700 Franken ausbezahlt werden. Der Patient begründet seine Ansprüche mit jahrelangem Verdienstausfall, seinen Anwaltskosten und seinen moralischen Verletzungen, berichtet die «Tribune de Genève» (Bezahlartikel). Vor seinem Unfall habe er 400'000 Franken im Jahr verdient.

Bereits 1,5 Millionen Franken erhalten

Werde der Mann nicht entschädigt, müsse er ein Zivilverfahren anstrengen, das wieder etwa zehn Jahre daure, sagte sein Anwalt vor Gericht. Dann werde er zum Sozialfall und müsse im Alter auf Kosten des Staates leben.

Der Patient hatte bereits früher eine Vereinbarung mit der Klinik getroffen, die ihm 1,5 Millionen Franken zusicherte, sofern er keine Beschwerde einlegte. Da sich der Mann nun aber belogen fühlt und das Gefühl hat, die Beteiligten wollten den Fall herunterspielen, ist er vor Gericht gelangt.

Klinik sieht sich nicht in der Verantwortung

Weshalb es zu der Verwechslung kam, wurde bisher nicht restlos geklärt. Der Anwalt des beim Spital verantwortlichen Apothekers sagte vor Gericht, sein Mandant habe die besagte Flasche nie gesehen. Der Anwalt des Chirurgen wiederum sagte, es sei nicht Aufgabe der Ärzte im Operationssaal, jede Flasche auf ihre Korrektheit zu überprüfen. Dass die 98-Prozent-Lösung im Saal gestanden sei, sei aussergewöhnlich. Der Chirurg sei nicht dafür zuständig, das Unvorhersehbare zu planen.

Auch der Klinikchef sieht sich nicht in der Pflicht. Nach dem Gesetz könne sein Unternehmen nicht verfolgt werden, wenn der Täter nicht identifiziert werden kann. Dass sein Unternehmen dem Mann bereits 1,5 Millionen Franken geboten habe, sei allein eine ethische Handlung und nicht aus rechtlichen Gründen erfolgt, so der Rechtsvertreter der Klinik vor Gericht. Das Urteil folgt später.

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