Aktualisiert

Entwischte Marienkäfer erobern die Schweiz

Der Asiatische Marienkäfer breitet sich in ganz Mitteleuropa - auch in der Schweiz - explosionsartig aus. Er entwischte offenbar Gewächshäusern, in denen er zur biologischen Schädlingsbekämpfung ausgesetzt wurde.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschafter der Abteilung Biosicherheit der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) und der CABI Europe-Switzerland in Delsberg JU, wie es in einer ART-Mitteilung vom Freitag heisst.

In der Schweiz kommt der Käfer bereits in zehn Kantonen vor: ZH, BS, BL, BE, LU, SG, AG, TG, SH, SO. Besonders häufig wurde er in Basel und den angrenzenden Regionen festgestellt.

Seit den 80er-Jahren wird der Asiatische Marienkäfer in mehreren europäischen Ländern zur biologischen Schädlingsbekämpfung vor allem in Gewächshäusern eingesetzt. In der Schweiz wurde ein entsprechendes Gesuch Mitte der 90-er-Jahre abgelehnt, wie Dirk Babendreier von der ART auf Anfrage sagte.

Auch Nützlinge auf Speiseplan

Der ursprünglich in Japan und China beheimatete Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) hat das Potenzial, einheimische Arten zu verdrängen und zu einer Landplage zu werden. Auf seinem Speiseplan stehen nämlich nicht nur Blattläuse, sondern auch Schmetterlingseier und andere Insekten, darunter auch Nützlinge und die Larven einheimischer Marienkäfer.

Die ersten freilebenden Exemplare wurden 1999 und 2000 in Deutschland und Belgien entdeckt. Das Verbreitungsgebiet vergrösserte sich stetig. 2004 war die Ausbreitungsfront weniger als 100 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt.

Im Rahmen eines vom Bundesamt für Umwelt finanzierten Projekts begannen die Schweizer Forscher 2005 damit, entlang der Grenze zu Deutschland die Marienkäferfauna systematisch zu erfassen. Ziel war es, die Ankunft des Asiatischen Marienkäfers in der Schweiz und seine Auswirkungen zu dokumentieren.

Die Wissenschafter hatten ihre Arbeit gerade noch rechtzeitig begonnen: Während 2005 nur einheimische Marienkäferarten ins Netz oder in die Falle gingen, konnte die asiatische Art letztes Jahr bereits in den zehn erwähnten Kantonen nachgewiesen werden.

Der gegen Pestizide relativ resistente Einwanderer zeigt bei variabler Färbung meist 19 schwarze Punkte auf. Die einheimischen Marienkäfer haben 7 Punkte. Beide sind etwa gleich gross.

Nicht mehr aufzuhalten

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Invasion der Schweiz gerade erst begonnen hat. Aufzuhalten sei die Invasion nicht mehr. Vielmehr müsse davon ausgegangen werden, dass die Art zu einem dauerhaften Bestandteil der Schweizer Insektenwelt werden wird.

Zu einem ernsthaften Problem könnte sich der Käfer für die Obst- und Weinbauern entwickeln, weil die ungeniessbaren Käfer sich zwischen den Früchten und Beeren sammeln und mitgeerntet werden, was bei der Verarbeitung zu Saft oder Wein zu massiven Geschmacksbeeinträchtigungen führt.

Zu einer Plage könnten die Tiere auch für Hausbesitzer werden, denn die Käfer haben die unangenehme Angewohnheit, sich im Herbst zu Tausenden an Hauswänden zu sammeln, um nach einem Überwinterungsplatz in Ritzen und Lücken zu suchen.

(sda)

Deine Meinung