Aktualisiert 14.03.2011 22:37

Fuchsräude

Epidemie bedroht auch Hunde und Menschen

Eine eklige Hautkrankheit rafft
zurzeit Hunderte Füchse dahin. Doch die Räude-Milben bohren sich auch in die Haut von Hunden und Menschen.

von
Zora Schaad
Füchse sind besonders betroffen (Haarausfall und dunkle Verfärbung am Rücken). (Foto: M.-P. Ryser-Degiorgis)

Füchse sind besonders betroffen (Haarausfall und dunkle Verfärbung am Rücken). (Foto: M.-P. Ryser-Degiorgis)

In den Wäldern der Schweiz wütet die Fuchsräude. Aus fast allen Kantonen treffen Meldungen ein, die das Auftreten der Milbe bestätigen und von einem Massensterben in der Fuchspopulation berichten.

«Die Füchse kratzen sich nur noch und verenden qualvoll», so der Berner Wildhüter Romeo de Monaco. Da keine Meldepflicht besteht, ist das genaue Ausmass der Räude nicht bekannt. Klar ist: «Die Fuchsräude ist zu einem sehr grossen Problem geworden», bestätigt der Berner Parasitologe Prof. Bruno Gottstein von der Uni Bern einen Bericht der «Aargauer Zeitung». Und auch Dr. Marie-Pierre Ryser, die das Phänomen im Auftrag des Bundes untersucht, spricht von einer signifikanten Zunahme in den letzten fünf bis zehn Jahren.

Auch Hunde sind vor der Milbe nicht sicher: «Jeder Kontakt zwischen Hund und Fuchs ist eine potenzielle Risikosituation», warnt Dr. Ryser. Dr. Petra Roosje von der Uni Bern behandelt regelmässig Hunde gegen die Räude. «Doch wir sehen nur die Spitze des Eisberges», so die Tierärztin. Ihre Kollegin, Dr. Sylvia Wilhelm vom Tierspital Zürich, ergänzt: «In den letzten Jahren ist die Anzahl räudiger Hunde deutlich angestiegen. In der Regel kann die potenziell tödliche Krankheit aber gut behandelt werden.» Selbst Menschen können befallen werden (siehe Box). Wilhelm befragt deshalb standardmässig auch Herrchen und Frauchen, ob es sie juckt.

«Wir mussten die Wohnung desinfizieren»

Herr H., Ihr Hund ist an Räude gestorben. Was ist passiert?

N.H.*: Der Hund hatte Ausschlag und Haarausfall, was wir dem Tierarzt zeigten. Dieser sagte, es handle sich um eine Allergie. Der Hund erhielt ein Medikament und Spezialfutter.

Und das half nicht?

Nein. Dem Hund ging es immer schlechter, er wurde apathisch. Ein anderer Tierarzt stellte schliesslich die Diagnose Räude. Doch da war es schon zu spät. Trotz vierwöchigem Aufenthalt in der Tierklinik ist unser Hund gestorben.

Auch Sie wurden befallen. War das schlimm?

Ja, auch meine Familie bekam die Räude. Der Juckreiz war so stark, wir konnten nicht mehr schlafen. Ich hatte das Gefühl, die Viecher spazieren unter meiner Hautoberfläche. Zweimal mussten wir die Wohnung desinfizieren, täglich die Betten frisch beziehen. Eine Tablettenkur hat uns schliesslich geholfen.

Wie geht es Ihnen heute?

Meine Frau ist immer noch sehr traurig und weint häufig. Sie war die Hauptbezugsperson des Hundes. Wenn sie ging, hat er vor der Haustür auf sie gewartet. Es ist wirklich ein Schlag, unser Hund war noch jung.

* N.H. möchte anonym bleiben.

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