Bezirksgericht Hinwil: Er bedrohte und erpresste Ex-Freundin – «dis Todesurteil hesch gschribe»

Publiziert

Bezirksgericht HinwilEr bedrohte und erpresste Ex-Freundin – «dis Todesurteil hesch gschribe»

Nachdem eine junge Frau mit ihrem Freund Schluss gemacht hatte, bedrohte er sie mit dem Tod und erpresste sie mit Nacktfotos und Sex-Videos.

von
Stefan Hohler
1 / 3
Das Bezirksgericht Hinwil hat den jungen Mann zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. 

Das Bezirksgericht Hinwil hat den jungen Mann zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. 

20min/hoh
Der Mann forderte, dass seine Ex-Freundin bis 27 enthaltsam leben muss. 

Der Mann forderte, dass seine Ex-Freundin bis 27 enthaltsam leben muss. 

Privat
Zudem bedrohte er sie mit dem Tod.

Zudem bedrohte er sie mit dem Tod.

Privat

Darum gehts

  • Ein junger Mann hat seine Freundin mit dem Tod bedroht, als sie Schluss machte. 

  • Zudem verlangte er Geld, ansonsten würde er Nacktfotos und -filme ihrem Vater zeigen. 

  • Er hat auch Raserfahrten im Zürcher Oberland gemacht und sich dabei gefilmt. 

  • Der Mann wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt, ein Jahr muss er absitzen. 

Der heute 24-jährige Automechaniker konnte die Trennung von seiner Freundin im Juli 2019 nicht akzeptieren. Er schrieb ihr in Nachrichten, sie solle ihm einen Grund nennen, warum er sie nicht töten solle. Und ganz konkret heisst es in einer Nachricht: «Ich töte dich» und in einer anderen «dis Todesurteil hesch gschribe». Weiter verlangte er von ihr, dass sie keinen neuen Freund haben dürfe, bis sie 27 Jahre alt sei. Zudem betitelte er sie als ein Stück Sch*****, Drecksschl**** und bedeckte sie mit weiteren Schimpfworten.

Der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln drohte damit, ihrem ebenfalls kosovarischen Vater Nackfotos und Sex-Videos von seiner Tochter zukommen zu lassen. Er verlangte auch Geld, ansonsten würden die Nacktbilder zum Gesprächsstoff in ihrer Familie. Er könne sich das Geld auf die «gute Tour» holen oder auf die «ganz grusigi primitivi». Die Familie werde «de gröst shämer sii». Aus Angst gab sie ihm 1500 Franken. Als er weitere 3500 Franken verlangte, weigerte sie sich und zeigte ihn im Dezember 2020 an. Die Polizei verhaftete ihn und er sass zwei Monate in Untersuchungshaft.

«Sie war meine grosse Liebe»

Am Dienstag stand der junge Mann vor dem Bezirksgericht Hinwil, angeklagt wegen Erpressung, Drohung, Nötigung und weiterer Delikte. Er ist geständig und begründete die Taten damit, dass er einen grossen Hass auf die Freundin hatte, als sie von einem Tag auf den anderen Schluss machte. «Sie war meine grosse Liebe.» Es sei krank gewesen, was er gemacht habe, sagte er zur Richterin rückblickend. «Live habe ich sie aber nie bedroht, nur über das Handy. Es war eine Verzweiflungstat.»

Es habe sich in ihm ein Hass gebildet, der immer stärker wurde. Sie seien drei Jahre lang ein Paar gewesen. «Damals war das Leben perfekt. Ich hatte die Lehre abgeschlossen, das Militär gemacht, keine Schulden und nahm keine Drogen.» Er war nach der Untersuchungshaft Anfang 2021 in psychologischer Behandlung und hat eine Drogentherapie gemacht. Jetzt sei er in einer neuen Beziehung, wolle eine Familie gründen und sei «auf gutem Weg», wie er sagte. Er sei arbeitslos und suche eine Stelle – was aber schwierig sei, weil er nämlich seinen Führerschein demnächst abgeben müsse.

Raserfahrten mit Handy selbst gefilmt 

Denn neben Drohung, Nötigung und Erpressung muss sich der junge Mann noch wegen Strassenverkehrsdelikten verantworten. Er hat in den Jahren 2017/18 zehn Raserfahrten durch das Zürcher Oberland selbst gefilmt und die Filme an Kollegen weitergeschickt. Die Polizei fand die Videos auf seinem Handy. «Es war jugendlicher Leichtsinn», begründete er die Taten. Er habe sich damals in der Autoszene aufgehalten und fand die Raserfahrten «cool». Aus diesen Gründen wird ihm das kantonale Strassenverkehrsamt den Führerausweis entziehen, sobald das Urteil nach dem Prozess rechtskräftig wird.

Die Verhandlung wurde nämlich im abgekürzten Verfahren durchgeführt und das Gericht hat den Urteilsvorschlag des Staatsanwaltes abgesegnet: Eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten – wovon der Beschuldigte zwölf Monate absitzen muss – sowie eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken. Hinzu kommen Gerichts- und Untersuchungskosten, zudem muss er seiner Ex-Freundin Entschädigung und Genugtuung in der Höhe von 5000 Franken bezahlen. Im Weiteren darf er während vier Jahren keinen Kontakt mit ihr aufnehmen und muss einen Abstand von 100 Metern zu ihr einhalten.

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung