Urteil Gustav G.: «Er bringt Kinder um, da muss er verwahrt werden»
Aktualisiert

Urteil Gustav G.«Er bringt Kinder um, da muss er verwahrt werden»

Gustav G., der seinen Sohn Florian tötete, wird nicht verwahrt. Das sorgt unter Befürwortern der Verwahrungsinitiative für Empörung. Ein Forensiker hält ihn für bedingt gefährlich.

von
ann

18 Jahre muss der Mörder des 5-jährigen Florian - sein eigener Vater - ins Gefängnis. Verwahrt wird Gustav G. aber nicht, obwohl er schon zum zweiten Mal ein eigenes Kind angegriffen und diesmal auch umgebracht hat.

Das Gericht stützte sich bei seinem Entscheid auf zwei psychiatrische Gutachten. Der eine Forensiker empfahl, G. zu verwahren oder sicherzustellen, dass es nicht mehr zu einer ähnlichen familiären Konstellation kommt. Das zweite Gutachten sprach sich gegen eine Verwahrung aus, weil die Wahrscheinlichkeit gering sei, dass Gustav G. wieder in eine ähnliche familiäre Situation komme.

In speziellen Situationen für spezifische Personen gefährlich

Anita Chabaan, Mitinitiantin der Verwahrungsinitiative kann diesen Entscheid nicht verstehen. Für sie ist entscheidend, dass ein Gutachter sich für eine Verwahrung ausspricht. «Er gilt als nicht therapierbar und bringt Kinder um, da muss er verwahrt werden», sagt sie. Der Entscheid des Gerichts entspreche nicht dem Volkswillen, ist Chabaan überzeugt.

Forensiker Thomas Knecht vom Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden äussert sich zurückhaltender: Das Urteil sei nachvollziehbar, weil Gustav G. nicht «gemeingefährlich» sei. Er könne in speziellen Konstellationen für ganz spezifische Personen gefährlich werden. Darum müsse man sich fragen, wie gross die Wahrscheinlichkeit sei, dass so ein Szenario wieder eintrete.

«Konflikte können die Gefährlichkeit eines Täters ansteigen lassen»

Wichtig für den Entscheid wäre für Knecht die Frage, ob die Kindstötung eine gezielte Grausamkeit gegen die Partnerin von Gustav G. war. «Falls dies zutrifft, würde ich den Fall strenger beurteilen», sagt er.

Zudem nimmt die Gefährlichkeit eines Täters mit dem Alter ab, wie Knecht bestätigt. Gustav G. wird über 70 sein, wenn er aus der Haft entlassen wird nach Verbüssen von zwei Dritteln der Strafe. «Trotzdem können Konflikte oder psychische Erkrankungen die Gefährlichkeit einer Person wieder ansteigen lassen», so Knecht.

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