Aktualisiert 11.08.2011 13:46

Schockierende Dreistigkeit

«Er dachte, London sei zivilisiert»

Er war verletzt und wurde von «Helfern» ausgeraubt. In einem Londoner Spital erholt sich der inzwischen berühmte malaysische Student von seinen Verletzungen und seiner Enttäuschung.

von
kri

Die Geschichte sticht heraus aus all der unfassbaren Gewalt, die England in den vergangenen Tagen erlebt hat: Ein Jugendlicher sitzt mit blutigem Gesicht an einer Brückenwand. Menschen um ihn herum machen zunächst den Eindruck, als wollen sie ihm helfen. Schliesslich nutzen sie seine Schwäche aus und bedienen sich schamlos aus seinem Rucksack. Selbst der britische Premierminister David Cameron sah sich genötigt, zu dem schockierenden Vorfall Stellung zu nehmen.

Inzwischen ist bekannt, wer der junge Mann ist: Er heisst Ashraf Haziq, ist 20 Jahre alt, kommt aus Malaysia und studiert seit einem Monat mit einem Stipendium in London Wirtschaft. Er ist Moslem und war mit seinem Fahrrad auf dem Weg zum abendlichen Fastenbrechen (Ramadan), als er von Jugendlichen mit Messern bedroht und schliesslich ins Gesicht geschlagen wurde.

«Damit hat er nicht gerechnet»

«Plötzlich kamen Leute und sagten, sie wollten mir helfen. Stattdessen stahlen sie Dinge aus meinem Rucksack. Ich lief auf die andere Strassenseite, wo mir zwei schwarze Frauen ein Taschentuch gaben», sagte Haziq im Krankenbett gegenüber dem Fernsehsender Al Jazeera. Sein gebrochener Kiefer wird derzeit im Royal London Hospital behandelt.

«Es ist schockierend für ihn, damit hat er nicht gerechnet - in London, einer sehr zivilisierten Stadt», sagte Dzuhair Hanafiah vom Verband malaysischer Studenten in London. Trotz der traumatischen Erlebnisse ist Haziq offenbar entschlossen, sein Studium in London fortzusetzen. «Was geschehen ist, ist geschehen», sagte er laut Hanafiah.

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