Bewerbung in Bäckerei: Er erhielt Job-Absage, weil er ein «temparamentvoller Südländer» sei
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Bewerbung in BäckereiEr erhielt Job-Absage, weil er ein «temparamentvoller Südländer» sei

Fatlum Dauti (31) erhielt auf seine Bewerbung als Bäcker-Konditor eine Absage. Es war alles andere als eine Standard-Absage.

von
Nadine Wechsler
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Fatlum Dauti (31) war sehr erstaunt über die Art der Absage.
Fatlum Dauti (31) war sehr erstaunt über die Art der Absage.zVg
Diese Mail erhielt Fatlum Dauti als Antwort auf seine Bewerbung in der Bäckerei.
Diese Mail erhielt Fatlum Dauti als Antwort auf seine Bewerbung in der Bäckerei.zVg

Darum geht es

  • Eine Bäckerei aus der Innerschweiz sagt einem Bewerber aufgrund seines «Temperaments» ab .
  • Fatlum Dauti kann die Absage nicht nachvollziehen.
  • Die Bäckerei gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben.

«Der Inhaber der Bäckerei erteilt trotz dringendem Bedarf eine Absage. Da er selbst schon sehr viel Temperament hat, sieht er keine Chance für sich und einen temperamentvollen Südländer»: Mit diesen Worten erteilte eine Bäckerei aus der Zentralschweiz Fatlum Dauti eine Absage, der sich dort für einen Job beworben hat. «Das war schon heavy», sagt Dauti. Der gebürtige Albaner kam 1999 in die Schweiz, hat im Alter von 15 Jahren eine Berufslehre zum Bäcker absolviert und seither 15 Jahre Berufserfahrung gesammelt.

So eine Absage habe der 31-jährige bisher noch nie erhalten. «Es hat mich schon geärgert, als ich das las. Ich verstehe die Begründung nicht. Die Personen haben mich gar nicht kennengelernt.» Natürlich habe er sich daher auch gefragt, was das für ein Chef sei in dieser Bäckerei. Mehrheitlich sei er in der Schweiz aufgewachsen, «daher würde ich schon sagen, dass meine Kultur eher schweizerisch ist», betont Dauti. Er sei ein zuverlässiger Arbeiter. «Ich arbeite immer in hohem Tempo.»

Bäckerei sieht Fehler ein

Auf Anfrage von 20 Minuten räumt die Sekretärin der Bäckerei, die anonym bleiben möchte, ein, die Absage falsch formuliert zu haben. Die Verfasserin des Mails gibt zu, nicht darüber nachgedacht zu haben, dass die Aussage negativ aufgefasst werden kann. Rassistisch sei man in der Bäckerei keinesfall. «Wir schliessen keine Nationalitäten aus», so die Sekretärin.

Auch der Inhaber der Bäckerei nimmt zum Vorfall Stellung. «In meinem Betrieb sind Personen aus verschiedensten Nationen angestellt. Jeder ist, wie er ist. Ich bin kein Rassist.» Er habe Dauti nicht aus dem im Mail erwähnten Grund nicht angestellt.

Der 31-Jährige, der in Zürich wohnt, steckt seinen Kopf dennoch nicht in den Sand. Momentan sei er nach wie vor auf Stellensuche. «Möglicherweise ergibt sich nun eine neue Chance für mich», hofft Dauti. Er gibt an, sogar an einem Angebot aus besagter Bäckerei nicht abgeneigt zu sein.

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