Strafgericht BL – Er flog ohne Bodenkontakt über die Strasse – verurteilt
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Strafgericht BL Er flog ohne Bodenkontakt über die Strasse – verurteilt

Ein 24-Jähriger musste sich am Donnerstag vor dem Strafgericht verantworten. Er hatte 2019 in Muttenz einen Autounfall verursacht und dabei mehrere andere Autofahrende gefährdet. Das Gericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

von
Seline Bietenhard
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Ein heute 24-Jähriger musste sich vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten.

Ein heute 24-Jähriger musste sich vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten.

Polizei BL
Er hatte 2019 einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem er verbotenerweise ein Auto bei der Ausfahrt Muttenz Süd rechts überholte.

Er hatte 2019 einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem er verbotenerweise ein Auto bei der Ausfahrt Muttenz Süd rechts überholte.

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Auch überfuhr er ein Rotlicht und überquerte die Münchensteinerstrasse mit 114 Stundenkilometern.

Auch überfuhr er ein Rotlicht und überquerte die Münchensteinerstrasse mit 114 Stundenkilometern.

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Darum gehts

  • Ein heute 24-Jähriger musste sich vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten.

  • Er hatte 2019 einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem er verbotenerweise ein Auto überholte und ein Rotlicht überfuhr.

  • Das Gericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren.

Ein heute 24-jähriger türkischer Staatsangehöriger musste sich am Donnerstag vor dem Strafgericht Baselland verantworten. Er hatte 2019 einen Autounfall verursacht und wurde wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln und Gefährdung des Lebens angeklagt. Damals war der Beschuldigte nachts auf der Autobahn A18 unterwegs. Kurz vor der Ausfahrt Muttenz Süd überholte er ein Auto von rechts auf dem Streifen zwischen Fahrbahn und Stützmauer.

Danach fuhr er in die Ausfahrt in Richtung der Ampeln bei der Verzweigung Münchensteinerstrasse. Dort überfuhr er ein Rotlicht und überquerte die Kreuzung mit 114 Kilometern pro Stunde, wobei er ein anderes Auto knapp verfehlte. Der Beschuldigte verlor die Kontrolle über sein Auto, sodass es bei der Ampel abhob und ohne Bodenkontakt über die Strasse flog. Er prallte in einen Ampelmasten und fuhr weiter in die Einfahrtsspur der A18, wo er dann mit der Stützmauer kollidierte. Dabei wurde das Fahrzeug zurückgeschleudert und kam bei einem Zaun zum Stillstand. Der Mann wurde bei dem Unfall verletzt und sein Fahrzeug erlitt Totalschaden. Dieser Sachverhalt ist unbestritten.

«Ich kann mir den Unfall nicht erklären»

Der Beschuldigte leidet an Epilepsie, welche er mit Medikamenten behandle und «im Griff» habe. Trotzdem könne es spontan zu einem Anfall kommen. An den Unfall selber könne er sich nicht mehr erinnern. «Ich bin halt sehr vergesslich», so der Beschuldigte am Donnerstag. Er wisse nur noch, dass ihm nach dem Unfall ein Mann aus dem Auto half. Er habe nicht glauben können, dass er diesen Unfall verursacht hatte. «Nach dem Unfall habe ich Tag und Nacht geheult», sagte der 24-Jährige. Er wisse nicht mehr, ob er damals vor dem Unfall einen epileptischen Anfall erlitt.

Führte ein epileptischer Anfall zum Unfall?

Laut dem Staatsanwalt sei der Unfall nicht durch einen epileptischen Anfall verursacht worden. Nach dem Unfall wurde ein Gutachten erstellt, welches einen Anfall als gering einschätzte. «Er war unmittelbar danach ansprechbar», so der Staatsanwalt. Es sei komisch, dass er sich an den Mann erinnern könne, der ihm aus dem Auto half, aber nicht an den Unfall. Der Beschuldigte habe mit seinem Verhalten auf skrupellose Weise Verletzte oder Tote in Kauf genommen. Die Staatsanwaltschaft verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren. Auf einen Landesverweis sei zu verzichten.

Der Verteidiger zweifelte daran, dass sein Mandant bei dem Unfall bewusst handelte. «Dass er einen Anfall erlitt, ist sehr wahrscheinlich», sagte der Verteidiger. Epileptikerinnen und Epileptiker könnten auch bei einem Anfall weiterfahren, da sich die Muskeln verkrampften. Der 24-Jährige sei nach dem Unfall ansprechbar, aber verwirrt gewesen. «Er war nicht in der Lage, konkrete Angaben zu machen», so der Verteidiger. Der Beschuldigte sei weder alkoholisiert noch berauscht unterwegs gewesen. Er beantragte einen Freispruch.

«Ein Auto beschleunigt sich nicht von alleine so»

Das Gericht sprach den Beschuldigten schuldig wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. Der 24-Jährige wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Das Gericht sah von einem Landesverweis ab, da der 24-Jährige kaum Bezug zu seinem Heimatland habe. Gemäss dem Gericht kam es mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht zu einem epileptischen Anfall. Die grobe Verletzung der Verkehrsregeln war für das Gericht klar erfüllt, da es zur verbotenen Rechtsüberholung, der erhöhten Geschwindigkeit und dem Überfahren des Rotlichts kam. Der Beschuldigte wurde jedoch vom Sachverhalt der Gefährdung des Lebens freigesprochen, da es laut Gericht keinen skrupellosen Beweggrund gegeben habe.

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