Internet-Apotheker: Er führt den Preiskrieg bei Medikamenten an
Aktualisiert

Internet-ApothekerEr führt den Preiskrieg bei Medikamenten an

Walter Oberhänsli sieht sich als Robin Hood im Apothekenmarkt. Der Schweizer kann mit seinem Versandhandel Zur Rose nun auch Deutschland angreifen.

von
Isabel Strassheim
Sieht sich als Robin Hood: Der Chef der Internet-Apotheke Zur Rose, Walter Oberhänsli.

Sieht sich als Robin Hood: Der Chef der Internet-Apotheke Zur Rose, Walter Oberhänsli.

Reto Oeschger

Der selbsternannte Robin Hood unter den Apothekern ist Jurist: Walter Oberhänsli studierte Jura, er gründete jedoch 1993 den Medikamenten-Grossisten Zur Rose mit. Denn in seinem Heimatdorf Steckborn bei Frauenfeld gab es keine Apotheke mehr. So begann sein Kampf in der Welt des Medikamentenhandels. Mit seinem Sieg vor dem höchsten europäischen Gerichtshof am Mittwoch kippte Oberhänsli nun die deutsche Medikamentenpreisbindung und kann Rabatte gewähren.

«Der Preis muss stimmen, er ist ein Hygienefaktor», sagt Oberhänsli zu 20 Minuten. Er ist inzwischen CEO von Europas grösster Versandapotheke Zur Rose. Für Oberhänsli gibt es keine speziellen, geschützten Apothekenpreise. Die kann der 58-Jährige nun in Deutschland für rezeptpflichtige Medikamente durchsetzen – dank seinem Klagezug durch sämtliche Gerichtsinstanzen.

Preiskrieg auf Kosten der Apothekenmarge

Wohlgemerkt: Die Pharmahersteller erhalten weiter denselben Preis für ihre Medikamente, nur die Handelsmarge der stationären Apotheker kann der Frauenfelder mit seinem Versandhandel unterbieten. Für die Konsumenten wird die Arznei unterm Strich so günstiger.

Auf die Schweiz hat der nun zu erwartende Preiskampf in Deutschland zunächst keinen Einfluss. Denn der Preisabstand zwischen der Schweiz und Deutschland bei Medikamenten ist schon jetzt zum Teil gravierend, eine weitere Ausweitung fällt nicht unbedingt stark ins Gewicht. Aber das EU-Urteil könnte Oberhänsli bei seinen Liberalisierungs-Feldzug auch in der Schweiz Auftrieb geben. «Ich habe mir auf die Fahnen geschrieben, einen Kampf für Patienten gegen den Protektionismus zu führen», sagt der Juristen-Apotheker.

Keine Preisbindung in der Schweiz

In der Schweiz gibt es für Apotheken schon jetzt keine Preisbindung mehr, sondern lediglich noch eine Obergrenze. Sie dürfen also auf Medikamente Rabatte gewähren und der Zur Rose-Versand ist hier mit seinen Boni schon längst im Markt.

Mit einem Umsatz von 830 Millionen Franken im Jahr 2015 ist Zur Rose zum Apotheken-Amazon in Europa emporgewachsen. Den Vorwurf, er gefährde die flächendeckende Grundversorgung und sei ein Apotheken-Killer weist Oberhänsli zurück: «Der Wettbewerb führt nachweislich nicht zum Apothekensterben.»

Am Ende entscheide der Patient, wo er seine Arzneimittel beziehe.

Preisbonus von 2,50 Euro

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes lanciert Oberhänsli nun eine Preisoffensive in Deutschland. Schon kurz nach der Gerichtsentscheid warb er auf seiner Versand-Website mit einem Rezeptbonus von 2,50 Euro sowie einem Extranachlass von 0,5 Prozent auf den festgesetzten Medikamentenpreis.

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