Prozess in Lichtensteig: Mann (24) gab sich als Minderjährige aus und forderte Pädo-Bilder

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Kreisgericht ToggenburgEr gab sich als Minderjährige aus und forderte Nacktbilder – Mann (24) droht Gefängnisstrafe

Am Donnerstag steht ein 24-Jähriger in Lichtensteig vor Gericht. Er soll pädokriminelles Material angefordert und weiterverschickt haben. Zudem soll er ein Treffen mit zwei Minderjährigen geplant haben.

von
Seline Bietenhard
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Ein heute 24-Jähriger steht wegen mehrfacher harter Pornografie und versuchten sexuellen Handlungen am Donnerstag vor Gericht in Lichtensteig.

Ein heute 24-Jähriger steht wegen mehrfacher harter Pornografie und versuchten sexuellen Handlungen am Donnerstag vor Gericht in Lichtensteig.

20min/Jeremias Büchel
Er gab sich auf diversen Internetforen und in Messenger-Diensten als minderjähriges Mädchen aus und nahm Kontakt mit Minderjährigen sowie gleichgesinnten Personen auf.

Er gab sich auf diversen Internetforen und in Messenger-Diensten als minderjähriges Mädchen aus und nahm Kontakt mit Minderjährigen sowie gleichgesinnten Personen auf.

20min/Jeremias Büchel
Auch lud er regelmässig Dateien aus dem Darknet herunter und speicherte diese auf seinem Handy und seinem PC.

Auch lud er regelmässig Dateien aus dem Darknet herunter und speicherte diese auf seinem Handy und seinem PC.

20min/Jeremias Büchel

Darum gehts

  • Ein Mann (24) steht am Donnerstag vor Gericht.

  • Er soll von 2019 bis 2021 über tausend Dateien mit pädokriminellem Inhalt heruntergeladen und weiterverbreitet haben.

  • Der Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe sowie eine ambulante Therapie für den 24-Jährigen.

Ein heute 24-jähriger Luzerner muss er sich am Donnerstag wegen mehrfacher harter Pornografie und versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern vor dem Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig SG in einem abgekürzten Verfahren verantworten.

Der Mann hatte im Zeitraum vom Februar 2019 bis November 2021 mehrfach Bilder von sexualisierter Gewalt an Kindern konsumiert und verbreitet. Dazu ging er stets nach demselben Schema vor. Er gab sich auf diversen Internetforen und in Messenger-Diensten als minderjähriges Mädchen aus und nahm Kontakt mit Minderjährigen sowie gleichgesinnten Personen auf. Auch lud er regelmässig Dateien aus dem Darknet herunter und speicherte diese auf seinem Handy und seinem PC.

2500 Euro für pädokriminelle Inhalte bezahlt

«Das Vorgehen des Beschuldigten war dabei immer gleich. Er fragte zu Beginn der Unterhaltung jeweils nach dem Alter des Gegenübers und gab anschliessend sein eigenes Alter preis. Bei minderjährigen Personen fragte er nach freizügigen Fotos und Videos der Betroffenen, sowie nach allgemeinen kinderpornografischen Dateien», so die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. Umgekehrt stellte der 24-Jährige selber jeweils Fotos seines Geschlechtsteils sowie Gewaltbilder zu. 

Um an weitere Dateien zu gelangen, soll der Luzerner zudem insgesamt 2500 Euro an fünf Personen bezahlt haben. «Darunter überwies er einem 14-jährigen deutschen Jugendlichen 1885 Euro, mit dem Auftrag ihm ‹echte› Bilder zu beschaffen», heisst es in der Anklageschrift.

24-Jähriger wollte Minderjährige für geplantes Treffen in die Schweiz bringen

Zusätzlich soll der 24-Jährige 2020 ein Treffen mit dem 14-Jährigen geplant haben, zu welchem der Jugendliche eine neunjährige Kollegin, in die der Beschuldigte «verliebt» war, hätte mitnehmen sollen. Der Beschuldigte überwies dem 14-Jährigen für die Reisekosten im Voraus 150 Euro.

«Bei diesem Treffen hätte es zwischen dem Beschuldigten sowie den beiden Minderjährigen zu im Voraus nicht näher bestimmten gegenseitigen sexuellen Handlungen kommen sollen», so die Staatsanwaltschaft. Das Treffen kam am Ende nicht zustande, da die Schweizer Grenzen wegen des Coronavirus geschlossen waren.

Staatsanwaltschaft fordert 18 Monate unbedingt

Insgesamt wurden laut Anklageschrift 1800 Dateien mit pädokriminellem Material gefunden. Drei Smartphones wurden zudem beschlagnahmt und sollen nach einer allfälligen Verurteilung vernichtet werden.

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen mehrfacher harter Pornografie und versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern einen Schuldspruch. Der Schweizer soll zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt werden. Ebenfalls soll er sich einer ambulanten Behandlung unterziehen. Zudem soll ein lebenslanges Verbot von Tätigkeiten, die regelmässigen Kontakt mit Minderjährigen umfassen, ausgesprochen werden.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

Was ist ein abgekürztes Verfahren?

Ein abgekürztes Verfahren kommt dann zum Zug, wenn die beschuldigte Person ihre Taten zugibt und ein entsprechendes Gesuch an die Staatsanwaltschaft stellt. Diese entscheidet über die Durchführung des Verfahrens und teilt den Entscheid den Parteien mit. Weiter setzt sie den Privatklägern eine Frist von zehn Tagen, um Zivilansprüche sowie Forderungen für Entschädigungen anzumelden.

Die Verhandlung selbst findet ohne Beweisverfahren statt.

Das abgekürzte Verfahren wird abgelehnt, falls die Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe von mehr als fünf Jahren fordert.  

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.

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