13.08.2020 14:41

Erster Schultag
Er gibt nach dem Corona-Koma wieder Schule

Der Primarlehrer Marc Halter steht diese Woche nach seiner schweren Covid-Erkrankung erstmals wieder vor seiner Klasse. In der Schule müsse man wachsam sein, fordert er.

von
Bettina Zanni
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«Ich schütze mich gut, indem ich eine Maske trage», sagt Marc Halter.

«Ich schütze mich gut, indem ich eine Maske trage», sagt Marc Halter.

Privat
«Ich bin recht schnell ermüdet und habe noch immer keine wahnsinnig lange Konzentrationsspanne», sagt Marc Halter. Deshalb sei er mit einem Mini-Pensum von 20 Prozent gestartet.

«Ich bin recht schnell ermüdet und habe noch immer keine wahnsinnig lange Konzentrationsspanne», sagt Marc Halter. Deshalb sei er mit einem Mini-Pensum von 20 Prozent gestartet.

 blog.ksb.ch 
«Die Massnahmen sind zumindest an meiner Schule vorbildlich, und ich stelle auch fest, dass sich die Schüler extrem Mühe geben. Aber wir müssen alle wachsam sein.»

«Die Massnahmen sind zumindest an meiner Schule vorbildlich, und ich stelle auch fest, dass sich die Schüler extrem Mühe geben. Aber wir müssen alle wachsam sein.»

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Darum gehts

  • Das Coronavirus zwang den Aargauer Primarlehrer Marc Halter im März acht Tage ins Koma.
  • Am Mittwoch kehrte er erstmals wieder in die Schule zurück.
  • Vor den Ferien sei er unsicher gewesen, ob er es schaffen würde, so der 48-Jährige.

Der erste Schultag nach den Sommerferien war für den Aargauer Primarlehrer Marc Halter dieses Jahr besonders speziell: Vier Monate hatte er nicht mehr vor seiner Klasse gestanden. Dazu kam es, weil ihn das Coronavirus im März mit voller Wucht erwischte. Angeschlossen an einem Beatmungsgerät, lag der 48-jährige Familienvater acht Tage lang im Koma (siehe Video unten).

Herr Halter, am Mittwoch kehrten Sie erstmals wieder in die Schule zurück. Wie war Ihr erster Schultag nach Ihrer Genesung?

Ich freute mich extrem, wieder in die Schule zu kommen. Von meinem Team hatte ich während meiner Abwesenheit sehr viel positive Unterstützung erfahren. Dennoch war ich vor den Ferien noch etwas unsicher, ob ich es schaffen würde, wieder zu unterrichten.

Warum hatten Sie solch grossen Respekt vor der Rückkehr?

Ich bin recht schnell ermüdet und haben noch immer keine wahnsinnig lange Konzentrationsspanne. Deshalb bin ich mit einem Mini-Pensum von 20 Prozent gestartet. Nach meinem Einsatz am Mittwochmorgen spürte ich zwei Dinge in mir: eine Batterie, die nach den drei Stunden komplett leer, und ein Herz, das noch komplett voll war.

Wie erklären Sie sich die schnelle Erschöpfung?

Ich lag ja acht Tage im Koma, was relativ lange ist. Für jeden im Koma gelegenen Tag braucht es gemäss der Aussage eines Arztes unter Umständen einen Monat Rekonvaleszenz.

Ob Menschen, die das Coronavirus hatten, immun dagegen sind, ist noch nicht geklärt. Haben Sie Angst, sich in der Schule anzustecken?

Ich schütze mich gut, indem ich eine Maske trage. Die Sitzordnung im Klassenzimmer haben wir in Form von Sechser-Inseln angepasst. Wo die Abstände nicht eingehalten werden können, sind Plexiglasscheiben im Einsatz. Ein pensioniertes Lehrerpaar übernimmt meine Stellvertretung für die restlichen Stellenprozente. Da das Paar zur Risikogruppe gehört, ist das Lehrerpult ebenfalls mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet. Davon abgesehen, halte ich natürlich immer genügend Abstand.

Schaffen Sie es wirklich immer, den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten?

Ja. Den Lockdown habe ich im Koma «verschlafen». Als ich das erste Mal einkaufen ging, wurde mir gleich bewusst, dass jetzt alles anders ist. Das Abstandhalten habe ich seither absolut intus. Wenn mir jemand zu nahe kommt, trete ich automatisch einen Schritt zurück. Eine andere Person und ich sind wie zwei Magnete, die sich abstossen. (lacht)

Die Zahl der positiv getesteten Fälle steigt in der Schweiz weiter an. Genügen die Schutzkonzepte der Schulen?

Die Massnahmen sind zumindest an meiner Schule vorbildlich, und ich stelle auch fest, dass sich die Schüler extrem Mühe geben. Aber wir müssen alle wachsam sein. Alle Schulen müssen damit rechnen, dass es Schüler gibt, die trotz Ferien in einem Risikoland direkt in die Schule anstatt in Quarantäne gehen. Als ich kürzlich in den Sommerferien in einem Hotel in der Schweiz an einem Nebentisch ein Gespräch aufschnappte, wurde mir klar, dass doch nicht alle Menschen gleich vorsichtig sind.

Was schnappten Sie auf?

Die Grossmutter wollte von der Enkelin wissen, welche Hygienemassnahmen sie in der Schule hätten. Da erzählte diese stolz: «Wir müssen zwar immer die Hände waschen. Ich gehe dann halt einfach aufs Klo und wasche die Hände nicht.» Das sehe ja niemand, meinte sie. Inzwischen wurden Studien, wonach Kinder das Virus nicht verbreiten können, widerlegt. Schulen sollten deshalb speziell darauf achten, dass alle nötigen Vorkehrungen getroffen wurden und die Schüler die Massnahmen einhalten. Ich hoffe, dass die Menschen von jung bis alt Solidarität zeigen.

Hygienekonzepte in Schulen

Die Schulen starten das Jahr wieder mit dem Unterricht im Vollbetrieb. Solange nicht eine ganze Klasse in Quarantäne geschickt werden muss, ist kein Homeschooling vorgesehen. Das A und O sind die Hygieneregeln: Hände mit Seife waschen, in die Armbeuge husten oder niesen, den Znüni nicht teilen, niemandem die Hand geben, Abstand halten. An den Volksschulen besteht keine Maskenpflicht, in einigen Kantonen müssen Schüler auf der nachobligatorischen Stufe eine Maske tragen, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

Im April berichtete Marc Halter, wie stark ihn das Virus getroffen hatte.

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