Vater von Drillingen an Neujahr: Er hat als erster Vater Papi-Urlaub
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Vater von Drillingen an NeujahrEr hat als erster Vater Papi-Urlaub

Xhem Aliaj wurde am 1. Januar Vater von drei Buben und tritt als einer der ersten Väter in der Schweiz den neuen Vaterschaftsurlaub an. An den Urlaub müsse er sich zuerst noch gewöhnen, sagt der 33-Jährige.

von
Bettina Zanni
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Xhem Aliaj und seine Frau sind bereits Eltern von Lion (links) und Ali. Die neugeborenen Drillinge sind noch im Brutkasten.

Xhem Aliaj und seine Frau sind bereits Eltern von Lion (links) und Ali. Die neugeborenen Drillinge sind noch im Brutkasten.

Privat
«Das wird eine Zeit voller Action sein. Ich werde meine Frau unterstützen, wo ich kann», sagt Aliaj.

«Das wird eine Zeit voller Action sein. Ich werde meine Frau unterstützen, wo ich kann», sagt Aliaj.

Privat
Er werde kochen, …

Er werde kochen, …

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Darum gehts

  • Seit dem 1. Januar 2021 erhalten frischgebackene Väter einen Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen.

  • Xhem Aliaj (33) wurde genau dann Vater von Drillingen.

  • «Der neue Vaterschaftsurlaub kommt für uns wie gerufen – er ist ein Geschenk für unsere Familie», sagt der frischgebackene Papi.

Herr Aliaj*, Sie wurden an Neujahr Vater und gehören damit zu den ersten Vätern, die in den Genuss des zehntägigen Vaterschaftsurlaubs kommen. Genügen Ihnen als frischgebackener Vater von Drillingen zehn Tage?

Auf jeden Fall. Da ich von meinem Arbeitgeber auch noch eine Woche Vaterschaftsurlaub bekomme, kann ich insgesamt sogar drei Wochen für meine Familie da sein. Daran muss ich mich erst gewöhnen.

Warum?

Als unser siebenjähriger Sohn Ali und unser fünfjähriger Sohn Lion zur Welt kamen und ich noch einen anderen Arbeitgeber hatte, bestand mein Anrecht nur auf einen Tag Vaterschaftsurlaub. Das war sehr stressig. Alleine die Geburten füllten den ganzen Tag aus. Es fiel mir schwer, schon am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen und den Rest der Familie zurückzulassen.

Was haben Sie in den drei Wochen Papi-Zeit vor?

Das wird eine Zeit voller Action sein. Ich werde meine Frau unterstützen, wo ich kann. Ich werde kochen, putzen und waschen. Auch kümmere ich mich um unsere beiden grösseren Kinder.

Die Gegner des Vaterschaftsurlaubs sind der Meinung, dass sich ein Mann in dieser Zeit gar nicht nützlich machen könne.

Da stimme ich nicht zu. Ich freue mich sehr, meiner Frau jetzt mehr helfen zu können. Eine Mutter kann nach der Geburt von ihrem Mann jede Unterstützung brauchen.

Rechneten Sie mit Drillingen?

Überhaupt nicht. Ich war richtig baff, als ich es erfuhr.

Welche Erinnerungen haben Sie davon?

Als meine Frau vor sieben Monaten beim Ultraschall war, spielte ich mit den Kindern draussen und wartete. Plötzlich kam sie mit Tränen in den Augen aus der Praxis. Das Zwillingsbrüderchen unseres ersten Sohnes starb im sechsten Monat. Ich dachte daher, dass wir wieder ein Kind verloren hätten. Weinen musste sie aber aus Freude und Verzweiflung zugleich. Wir freuten uns über die Drillinge, fragten uns aber auch, wie wir das packen sollen.

Was würden Sie machen, wenn Sie auch jetzt nur einen Tag Papi-Urlaub hätten?

Ich müsste zwangsweise bei der Arbeit reduzieren und damit weniger Lohn in Kauf nehmen. Der neue Vaterschaftsurlaub kommt für uns wie gerufen – er ist ein Geschenk für unsere Familie. Aber noch viel glücklicher macht mich, dass bei der Geburt alles so gut klappte und wir drei gesunde Babys haben.

*Xhem Aliaj (33) arbeitet als Logistiker und wohnt mit seiner Familie im Kanton Aargau.

Chefs üben Druck aus

Ab 1. Januar 2021 erhalten frischgebackene Väter einen Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen, was 14 Taggeldern entspricht. Innerhalb der ersten sechs Monate müssen sie den Urlaub beziehen. Die Arbeitnehmer erhalten 80 Prozent des durchschnittlichen Lohns, den sie vor der Geburt des Kindes erzielten. Pro Tag sind dies höchstens 196 Franken.

Im September 2020 stimmte das Volk dem gesetzlichen Vaterschaftsurlaub zu. Bis anhin hatten Väter nur Anspruch auf einen freien Tag bei der Geburt. Wie der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse in einer Medienmitteilung schreibt, ist die Arbeit damit aber noch nicht beendet. In den drei Monaten zwischen dem Abstimmungserfolg und der Inkraftsetzung des neuen Gesetzes seien mehr als hundert Anfragen von zukünftigen Vätern eingegangen. «Neben vielen offenen Fragen erhalten wir leider auch erste Meldungen von Arbeitnehmenden, auf die Druck ausgeübt wird, den Urlaub nicht oder nur teilweise zu beziehen», sagt Arno Kerst, Präsident der Gewerkschaft Syna.

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