Aktualisiert 06.04.2020 10:18

Duffy spricht über Entführung

«Ich dachte, er wird mich umbringen»

Vor einigen Wochen machte die walisische Sängerin Duffy publik, dass sie entführt und vergewaltigt worden ist. Jetzt schildert sie, wie die Gewalttaten abgelaufen sind.

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fim
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Vor zehn Jahren hat sich die walisische Sängerin Duffy trotz grossem internationalem Erfolg unerwartet zurückgezogen.

Vor zehn Jahren hat sich die walisische Sängerin Duffy trotz grossem internationalem Erfolg unerwartet zurückgezogen.

Instagram/duffy
Im Februar verriet sie den tragischen Grund dafür.

Im Februar verriet sie den tragischen Grund dafür.

Instagram/duffy
«Ich wurde betäubt, vergewaltigt und mehrere Tage lang fest gehalten», schrieb die 35-Jährige auf ihrem neu erstellten Instagram-Account.

«Ich wurde betäubt, vergewaltigt und mehrere Tage lang fest gehalten», schrieb die 35-Jährige auf ihrem neu erstellten Instagram-Account.

AP/Jack Plunkett

Am Sonntagabend hat die walisische Musikerin Duffy ein Schwarz-Weiss-Foto auf ihrem Instagram-Account gepostet. Zum Bild schreibt sie nur zwei Worte: «mit Liebe». Und setzt den Link zu einer neuen Website dazu.

Die Vorgeschichte

Ende Februar meldete sich Duffy erstmals auf der Plattform, nachdem sie sich zuvor zehn Jahre lang komplett von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Mit einer schockierenden Geschichte: Sie sei betäubt, entführt, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden.

Am Geburtstag betäubt

Auf der Website schildert die 35-Jährige nun schockierende Details von der Entführung und der Vergewaltigung. Sieben Seiten lang ist der Text, den sie mit «Das fünfte Haus» betitelt hat, 20 Zeilen beschreiben das Verbrechen.

Es sei an ihrem Geburtstag passiert – das Jahr behält Duffy für sich. «Ich bin in einem Restaurant betäubt worden. Und danach bin ich vier Wochen lang immer wieder betäubt und in ein fremdes Land gebracht worden.» Für den grössten Teil der Zeit wurde sie in ihrem eigenen Haus festgehalten.

Die Tage im Ausland

Sie erinnere sich nicht mehr daran, in ein Flugzeug gestiegen zu sein. «Ich wurde in ein Hotelzimmer gebracht, der Täter kam zurück und vergewaltigte mich. Ich erinnere mich an den Schmerz und wie ich versuchte, bei Bewusstsein zu bleiben.»

Wenn der Entführer und Vergewaltiger geschlafen habe, habe sie sich überlegt, abzuhauen. Doch sie habe Angst gehabt, dass danach alles nur schlimmer werden würde – dass die örtliche Polizei sie suchen oder ihr Peiniger sie finden würde. «Ich weiss nicht, wie ich diese Tage durchgestanden habe.»

Die Flucht

Nach ein paar Tagen fliegt sie mit dem Entführer zurück nach Hause. «Ich verhielt mich so ruhig und normal, wie das möglich war in der Situation.» Duffy fühlt sich wie «ein Zombie», steht Todesängste aus. «Er hatte angedeutet, mich umbringen zu wollen.»

Mit dem «Bisschen Kraft», das sie noch hatte, entschied sich Duffy dann wegzulaufen. «Zu rennen und mich irgendwo zu verstecken, wo er mich nicht finden kann.» Sie erinnere sich nicht mehr daran, wie sie nach Hause gekommen sei.

Die Jahre danach

Duffy traut sich lange nicht zur Polizei zu gehen. «Ich dachte, wenn etwas schiefgeht, dann bin ich tot, dann wird er mich umbringen.»

Kontakt mit Menschen mied sie in den vergangenen Jahren fast komplett. «Niemand, absolut niemand» habe davon gewusst, was ihr widerfahren sei. Duffy ist in der Zeit gelähmt von Angst, starrt tagelang an die Decke, hat Suizidgedanken, überlegt, sich eine neue Identität zuzulegen und in einem anderen Land neu anzufangen, «als Blumenverkäuferin vielleicht».

Die erste Person, der sie sich mit ihrer Geschichte anvertraut, ist eine Psychologin, «Monate später». «Ich bin so glücklich, dass ich sie gefunden habe.»

Was mit dem Schreiben klar wird: Duffy scheint ihren Entführer und Vergewaltiger gekannt zu haben. «Seine Identität bleibt zwischen der Polizei und mir.»

Nicht mal ihre Familie konnte ihr helfen in dieser Zeit. «Sie war zu weit weg», schreibt Duffy. Sie hätte sich so stark zurückgezogen, dass sie sich auch von ihren Verwandten entfremdet habe.

Der Blick nach vorn

Es seien schwierige Zeiten, in denen wir uns aktuell befinden würden. Den richtigen Moment, um ihre Geschichte zu teilen, gebe es wohl nicht. Aber sie habe das Erlebte aufschreiben und veröffentlichen müssen, weil sie sich sonst nie mehr hätte frei fühlen können. «Jetzt bin ich frei», schreibt Duffy.

Die Vergewaltigung habe ihr einen Drittel ihres Lebens gestohlen. Sie werde sich jetzt nicht mehr weiter dazu äussern und sich wieder zurückziehen. Ihre Geschichte werde nicht verschwinden: «Sie bleibt online.»

Sie hoffe, dass sie anderen damit «Ablenkung und vielleicht sogar Trost» spenden könne. «Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir über den Wirkung nachdenken, die wir auf andere haben.»

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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