Aktualisiert 22.12.2012 07:59

Geiselnehmer in BerlinEr hat eine Bombe – und will eine Million Euro

Seit Freitagnachmittag hält ein Mann einen Angestellten einer Berliner Bank als Geisel. Er fordert eine Million Euro – und soll im Besitz einer Bombe sein. 300 Polizisten sind im Einsatz.

Die Geiselnahme in einer Bank im Berliner Bezirk Zehlendorf wird zum Geduldsspiel: Knapp sieben Stunden nach dem Überfall hat der Täter einen 40-jährigen Bankangestellten weiter in seiner Gewalt. Die Polizei hat den Tatort an der Potsdamer Strasse weiträumig abgesperrt. Die Beamten stehen in Kontakt mit dem Bankräuber und wollen ihn zum Aufgeben bewegen. Unklar blieb zunächst, ob der Mann bewaffnet und im Besitz einer Bombe war.

Die Absperrung rund um den Tatort sei auf einen Radius von rund 500 Metern erweitert worden, sagte ein Polizeisprecher am Freitagabend auf dapd-Anfrage. Die Polizei steht in Kontakt mit dem Geiselnehmer, der einen grösseren Geldbetrag und freies Geleit fordert. Es werde eine «konfliktfreie Lösung» angestrebt, fügte der Sprecher hinzu. Die Polizei ist mit rund 300 Einsatzkräften vor Ort. Nach sechs Stunden wurden die Beamten der Bereitschaftspolizei von neuen Kräften abgelöst.

Hintergründe der Tat weiter unklar

Der Täter war gegen 16.00 Uhr in die Filiale eingedrungen. 20 weitere Mitarbeiter der Bank konnten über einen Notausgang fliehen, wie der Sprecher sagte. Es sei derzeit noch unklar, ob es eine von langer Hand geplante Tat war. Möglicherweise habe der Mann auch nicht von vornherein beabsichtigt, Geiseln zu nehmen. Einem Bericht der «Berliner Morgenpost» zufolge soll der Bankräuber im Besitz einer Bombe sein und gedroht haben, das Gebäude in die Luft zu sprengen. Die Polizei wollte dies unter Verweis auf den laufenden Einsatz vorerst nicht kommentieren.

Nach Informationen der «Bild»-Zeitung soll es sich bei dem Täter um einen Deutschen handeln. Er wird als Ende zwanzig und von kräftiger Statur beschrieben. Er soll eine Million Euro fordern, erfuhr die Zeitung.

Viel befahrene Strasse grossräumig abgesperrt

Spezialeinheiten hatten am frühen Abend die Umgebung gesichert. Auch Hunde waren im Einsatz. Die sonst viel befahrene Strasse wurde weiträumig abgesperrt. Es entstand ein Stau. Die Betreiber zweier Tankstellen in der Umgebung des Tatortes wurden aufgefordert, wegen der Gefahr einer Explosion ihre grossen Treibstofftanks abzusperren.

Zuletzt hatte in Berlin im April 2003 ein Geiselnehmer einen Linienbus nach einem Banküberfall im Stadtteil Schöneberg in seine Gewalt gebracht. Ein zweiter Bankräuber konnte zunächst entkommen. Von ursprünglich 20 Geiseln wurden im Verlauf einer mehrstündigen Irrfahrt durch die Stadt alle bis auf zwei freigelassen. Nach viereinhalbstündiger Geiselnahme stürmte ein Spezialeinsatzkommando den entführten Bus, befreite die letzten beiden Geiseln unverletzt und nahm den 46-jährigen Entführer fest.

Im Juni 1995 hatten sechs Männer eine Commerzbank, ebenfalls in Zehlendorf, überfallen und 16 Geiseln genommen. Als die Polizei nach 18 Stunden die Bank stürmte, waren die Täter mit einer Beute von knapp 16 Millionen D-Mark, darunter Lösegeld aber auch Goldbarren und Schmuck aus den Safes, durch einen selbst gegrabenen Tunnel entkommen. Sie wurden aber später gefasst und verurteilt. (dapd)

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