Lohweg in Basel: Kein Beweis für Vergewaltigung – 20-Jähriger kriegt 36’400 Fr. Entschädigung
Aktualisiert

Lohweg in BaselKein Beweis für Vergewaltigung – 20-Jähriger kriegt 36’400 Fr. Entschädigung

Ein 20-jähriger Afghane wurde beschuldigt, im Oktober 2021 eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Das Gericht folgte allerdings der Verteidigung.

von
Steve Last
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Die Tat soll sich am Lohweg in Basel ereignet haben. Der damals 19-Jährige wurde wenige Tage darauf als Tatverdächtiger festgenommen und sass seit dem 5. November in Untersuchungshaft.

Die Tat soll sich am Lohweg in Basel ereignet haben. Der damals 19-Jährige wurde wenige Tage darauf als Tatverdächtiger festgenommen und sass seit dem 5. November in Untersuchungshaft.

Privat
Der 20-Jährige wurde beschuldigt, Ende Oktober 2021 eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Ihm droht der Landesverweis.

Der 20-Jährige wurde beschuldigt, Ende Oktober 2021 eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Ihm droht der Landesverweis.

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In dieser Unterführung in der Basler Innenstadt soll es gegen vier Uhr morgens zur Tat gekommen sein.

In dieser Unterführung in der Basler Innenstadt soll es gegen vier Uhr morgens zur Tat gekommen sein.

20min/Lukas Hausendorf

Darum gehts

  • Ein heute 20-Jähriger musste sich diese Wochen wegen dem Vorwurf der Vergewaltigung vor dem Strafgericht Basel-Stadt verantworten.

  • Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass er eine massiv alkoholisierte junge Frau vergewaltigt hatte. Die Verteidigung argumentierte, es sei nie zu einer Penetration gekommen.

  • Am Freitag verkündete das Strafgericht Basel-Stadt sein Urteil. Es ist noch nicht rechtskräftig.

Der Beschuldigte wurde vom Strafgericht Basler-Stadt im Nebenanklagepunkt der sexuellen Belästigung für schuldig befunden und zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Im Hauptpunkt der Vergewaltigung gab es am Freitag einen Freispruch. Der Mann sei unverzüglich auf freien Fuss zu setzen und ihm sei eine Entschädigung von 36’400 Franken für über sechs Monate Untersuchungshaft auszurichten. Auch der obligatorische Landesverweis ist damit vom Tisch.

In der Urteilsbegründung unterstrich die Präsidentin des Dreiergerichts, dass der Freispruch nichts mit dem Verhalten der Privatklägerin im Club zu tun hatte. Sie hatte zwar nachweislich sexuelle Kontakte mit mehreren Männern, darunter mit dem Beschuldigten, das entschuldige aber in keiner Weise sexuelle Handlungen gegen ihren Willen. «Wie auch immer sich eine Frau im Ausgang verhält, mag nicht zu rechtfertigen, was nachher passiert», betonte die Richterin. Das Urteil basiere ausschliesslich auf der Würdigung der Beweise.

Auf Aussagen war nicht abzustellen

Das Gericht sah sich mit dem Problem konfrontiert, dass es weder auf die Aussagen der Beschuldigten noch auf die des mutmassliche Opfers abstellen konnte. Die Frau sei auf Videoaufnahmen von der Nacht in verstörtem Zustand zu sehen und habe vor Gericht ihre Gefühlslage glaubhaft wiedergegeben. Ihre Beschreibung der kritischen zwölf Minuten, in denen sich die angeklagte Vergewaltigung jenseits der Kameras abgespielt haben soll, seien aber nicht schlüssig und nicht nachvollziehbar.

Auch verliess sich das Gericht nicht auf die Schilderungen des Beschuldigten. Seine Versionen der Ereignisse seien ebenfalls widersprüchlich und ein Teil davon gar «relativ abstrus». Die gefundenen Spuren vermochte seine Darstellung genau so wenig zu erklären wie jene der Frau.

«Etwas ist passiert», hiess es, aber für eine Vergewaltigung fehlten die Beweise. Aber was genau? Es sei denkbar, dass sie von ihrem eigenen Verhalten, zu dem die Enthemmung durch massiven Alkoholkonsum sicher beitrug, schockiert war und in Panik geriet, so das Gericht. Schlussendlich könne nicht ausgeschlossen werden, dass die sexuellen Handlungen, als sie geschahen, noch einvernehmlich waren. Darum erfolgte ein Freispruch im Zweifel für den Beschuldigten.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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