Aktualisiert 20.10.2011 14:05

Tschagajew ein Betrüger?«Er hat in Grosny alle getäuscht»

Wie reich ist Xamax-Boss Bulat Tschagajew wirklich? Kann er seinen Verpflichtungen in Neuenburg nachkommen? Wer mit seinen alten tschetschenischen Freunden spricht, bekommt Zweifel.

von
pre

Als Bulat Tschagajew im Mai dieses Jahres die Aktienmehrheit bei Neuchâtel Xamax übernahm, sparte er nicht mit bombastischen Versprechungen. 30 Millionen Franken wollte der Tschetschene in den maroden Verein pumpen und den Klub in die Champions League führen. Auf Xamax wartete eine goldene Zukunft.

Doch es kam alles ganz anders. Sportlich klettern die Neuenburger nach einem miserablen Saisonstart zwar langsam nach oben, im Verein rumort es aber gewaltig. Nachdem die Spieler der 1. Mannschaft ihre Septemberlöhne auch gestern noch nicht erhalten hatten, boykottierten sie auf Rat der Spielergewerkschaft SAFP kurzfristig das Training. Erst nach der Zusicherung, dass das Geld heute Donnerstag überwiesen werden soll, begab sich die Mannschaft auf den Trainingsplatz. Neben den Spielern warten auch fast alle anderen Mitarbeiter des Vereins auf ihre Gehälter. «Das Geld für die Löhne ist vorhanden, aber wir können es nicht auf Schweizer Konten überweisen», sagt Generaldirektorin Barbara Perriard dazu. Ob die Angestellten die Löhne mittlerweile bekommen haben, ist unklar. Beim Super-League-Klub war heute niemand zu einer Stellungsnahme bereit.

Neben den ausstehenden Löhnen warten auf die Xamax-Führung noch weitere finanzielle Verpflichtungen. Die Zahlungsbefehle, Betreibungen sowie Lohn- und Schadensersatzklagen belaufen sich mittlerweile auf 3,2 Millionen Franken. Die Disziplinarkommission der Liga hat bereits ein Verfahren gegen Xamax eingeleitet, weil es die geforderten Informationen zur finanziellen Situation nicht geliefert hat.

Xamax trainiert wieder

Der Bruch mit seinem «Bruder»

Warum begleicht Tschagajew die ausstehenden Rechnungen nicht? Ist er gar nicht so millionenschwer, wie er vorgibt? Ist Xamax einem Betrüger auf den Leim gegangen? Ein Blick auf sein Engagement bei Terek Grosny lässt Schlimmes befürchten. Bis im August war der verschwiegene Tschetschene, der in Genf vier Firmen besitzt, Vize-Präsident des russischen Fussballklubs. Dann wurde Tschagajew von Tschetschiens Präsident Ramsan Kadyrow, der auch als Präsident von Terek Grosny amtet, vor die Tür gestellt.

Ausgerechnet von Kadyrow: Vor dem Bruch präsentierte sich Tschagajew stets als enger Vertrauter des Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien und bezeichnete ihn gar als «Bruder». Davon will Kadyrow aber nichts mehr wissen. «Er hat mein Geld gefressen», sagte der Präsident Mitte September im tschetschenischen Staatsfernsehen. Was Tschagajew genau getan hat, bleibt dabei allerdings unklar. Auch einen Monat später, als zwei Journalisten der westschweizer Wochenzeitung «L'Illustré» Khaidar Alkhanow, dem neuen Vertrauten von Kadyrow und Terek-Vize-Präsidenten, einen Besuch abstatten, kommt kein Licht ins Dunkel.

«Ihr habt wirklich kein Glück»

Warum genau Tschagajew bei Kadyrow in Ungnade gefallen ist, will Alkhanow nicht sagen. «Das ist eine Angelegenheit zwischen den beiden. Aber Tatsache ist, dass er sehr unehrenhaft gehandelt hat.» Der tschetschenische Sportminister lässt jedoch kein gutes Haar an Tschagajew: «Er ist ein Betrüger und eine Schande für unser Land. Er versprach uns die Champions, aber er hat auch hier alle getäuscht. Dass mit ihm Geld verschwunden ist, entspricht der Wahrheit. Nun muss ihn die Schweiz ertragen. Ihr habt wirklich kein Glück», sagt Alkhanow den Schweizer Reportern mit einem Lächeln auf den Lippen.

Taschagajew habe bei Terek Grosny zwar Geld investiert, aber nur wenig. Das neue Stadion, das am 11. Mai eröffnet wurde, habe der Xamax-Besitzer jedenfalls nicht mitfinanziert. Auf die Frage, ob Tschagajew die vorgebenenen Millionen wirklich besitzt, weiss auch Alkhanow keine Antwort. «Alles, was ich weiss, ist, dass er seine Versprechen für den Klub seiner Geburtsstadt Grosny nicht gehalten hat. Es würde mich erstaunen, wenn er das in der Schweiz tun würde.»

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