Trump wettert gegen Bannon: «Er hat Job und Verstand verloren»

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Trump wettert gegen Bannon«Er hat Job und Verstand verloren»

Ein neues Buch soll den US-Präsidenten als unreif und das Weisse Haus als Chaosherberge beschreiben. Eine wichtige Rolle spielt darin Trumps Ex-Chefstratege.

von
roy
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Am 5. Januar erscheint «Fire and Fury: Inside the Trump White House».

Am 5. Januar erscheint «Fire and Fury: Inside the Trump White House».

AP/Evan Vucci
Es dokumentiert Trumps Wahlkampf und sein erstes Jahr als US-Präsident.

Es dokumentiert Trumps Wahlkampf und sein erstes Jahr als US-Präsident.

AFP/Mandel Ngan
Das Buch liefert eine Reihe spektakulärer Enthüllungen über die Präsidentschaft Trumps. So soll er in der Wahlnacht im November 2016 über seinen Sieg so erschrocken gewesen sein, «als hätte er einen Geist gesehen».

Das Buch liefert eine Reihe spektakulärer Enthüllungen über die Präsidentschaft Trumps. So soll er in der Wahlnacht im November 2016 über seinen Sieg so erschrocken gewesen sein, «als hätte er einen Geist gesehen».

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Ein Buch hat dem Weissen Haus schon vor der Veröffentlichung einen handfesten Streit beschert. US-Präsident Donald Trump, der in dem Werk des Autors Michael Wolff als unreif dargestellt wird, wetterte am Mittwoch gegen seinen früheren Chefstrategen Stephen Bannon.

«Als er gefeuert worden ist, hat er nicht nur seinen Job verloren, er hat seinen Verstand verloren», polterte Trump in einer Erklärung. Bannon habe nichts mit ihm oder mit der Präsidentschaft zu tun, sondern repräsentiere nur sich selbst.

Trump rechnete nie mit Wahlsieg

Das neue Buch von Wolff trägt den Originaltitel «Fire and Fury: Inside the Trump White House». Es kommt am 9. Januar in den Handel und soll eine Reihe spektakulärer Enthüllungen liefern. Darunter diejenige, dass Trump niemals damit gerechnet habe, die Präsidentschaftswahl 2016 zu gewinnen.

Bannon hatte Trump im Wahlkampf intensiv unterstützt und war bis August als Chefstratege im Weissen Haus tätig. Dieses kritisierte, viele Interviews des Autors Wolff für das Buch seien auf Anforderung Bannons geführt worden.

In «Fire and Fury» wird der Präsident als Staatenlenker dargestellt, der das Ausmass der Präsidentschaft nicht verstehe und seine Abende mit dem Essen von Cheeseburgern, Fernsehen und Telefonaten mit alten Freunden verbringe.

Melanias Tränen

In einem Auszug war am Mittwoch auf der Website des Magazins «New York» zu lesen, Trump habe geglaubt, seine Präsidentschaftsnominierung würde seiner Marke helfen und «unermessliche Möglichkeiten» ergeben. In dem Beitrag wird berichtet, dass Trumps Sohn Donald jr. einem Freund gesagt habe, sein Vater habe bei der Nachricht von seinem Wahlsieg dreingeschaut, als hätte er einen Geist gesehen. Seine Ehefrau Melania Trump habe Tränen in den Augen gehabt - «und zwar nicht aus Freude», hiess es.

Trump schien vor allem über Kommentare von Bannon zu einem Treffen zwischen Trump jr., seinen Wahlkampfberatern und einer russischen Anwältin im Trump Tower in New York verärgert zu sein. Bannon beschrieb dieses Treffen im Wahlkampf vor der Präsidentschaftswahl 2016 als «verräterisch» und «unpatriotisch», wie der britische «Guardian» berichtete. Bannon soll zudem prophezeit haben, dass Trump jr. über die Russland-Affäre stolpern werde. Dessen Schwester, Präsidentenberaterin Ivanka Trump, beschrieb er als stumpf. Sie sehe gut aus, verstehe aber nicht, wie die Welt funktioniere und was Politik sei.

Trauriger Schrei nach Aufmerskamkeit

Die Pressesprecherin des Weissen Hauses sagte, dass Bannon den Präsidentensohn auf so empörende und beispiellose Art angegangen sei, entspreche sicher nicht dem besten Weg, wie man Trumps Gunst gewinne. Die Enthüllungen seien voller «falscher und irreführender Darstellungen von Personen, die keinen Zugang oder Einfluss im Weissen Haus haben», so Sarah Huckabee Sanders. Die Angaben seien ein trauriger Schrei nach Aufmerksamkeit.

Sie beklagte zudem, dass Wolff sich niemals mit dem Präsidenten getroffen und lediglich einmal kurz am Telefon mit ihm gesprochen habe. Die Veröffentlichungen hätten Trump «wütend» gemacht und «angeekelt».

Ehefrau dementiert Tränen

Auch die Sprecherin der First Lady dementierte die Angaben von Wolff. Eindeutig sollte dessen Buch in der Abteilung für Fiktion angeboten werden, sagte Stephanie Grisham. «Frau Trump hat die Entscheidung ihres Ehemannes zur Bewerbung um die Präsidentschaft unterstützt und ihn dabei wahrhaftig ermutigt. Sie war überzeugt davon, dass er gewinnt, und war sehr froh, als er es geschafft hatte.»

Bannon war im August als Chefstratege von Trump aus dem Weissen Haus ausgeschieden. Eine Bannon-Sprecherin äusserte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Buch von Wolff. Es basiert auf mehr als 200 Interviews, darunter Gesprächen mit dem Präsidenten und hochrangigen Mitarbeitern. (roy/ap)

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