Droht Xherdan Shaqiri nach Jacken-Vorfall eine Strafe?
Aktualisiert

«Wir sammeln Informationen»Jetzt nimmt die Fifa Shaqiris Jacken-Vorfall unter die Lupe

Ein Unbekannter missbrauchte Xherdan Shaqiri für politische Propaganda. An der Nati-Medienkonferenz sprachen SFV-Verantwortliche über den Vorfall. Und auch die Fifa äusserte sich gegenüber 20 Minuten.

von
Nils Hänggi

Hier ist die Szene zu sehen, in der ein Unbekannter Shaqiri die Jacke mit dem Logo der ehemaligen paramilitärischen Organisation «UÇK» überstreifte.

RSI

Darum gehts

  • Die Schweiz gewann in der WM-Quali 2:0 gegen Nordirland.

  • Nach dem Spiel streifte ein Unbekannter dem Nati-Star eine Jacke mit dem Logo der ehemaligen paramilitärischen Organisation «UÇK» über.

  • Nun äusserten sich SFV-Verantwortliche zur Causa. Und auch der Welt-Fussballverband.

Es war eine der ersten Fragen, die Nati-Coach Murat Yakin beantworten musste. Sie betraf den irritierenden Vorfall vom Samstagabend. Nach dem Nati-Sieg gegen Nordirland bekam Xherdan Shaqiri beim Interview mit dem Tessiner Sender RSI von einem Unbekannten eine Jacke übergezogen. Darauf war das Logo der ehemaligen paramilitärischen Organisation «UÇK» zu sehen. Der Lyon-Star reagierte vorbildlich, zog die Jacke schnell ab und wendete sich wieder dem Interview zu.

An der Nati-PK vor dem Spiel gegen Litauen meinte Nati-Coach Yakin: «Dazu kann ich nicht viel sagen. Wir konzentrieren uns auf das Spiel vom Dienstag.» Lieber sprach Yakin über den 30. Geburtstag von Shaqiri am Sonntag. «Den haben wir ausgiebig gefeiert – Shaq bekam insgesamt fünf Kuchen und musste fünf Reden halten – aber das macht er ja gerne.»

«Kein Interesse für politische Propaganda missbraucht zu werden»

Adrian Arnold, Kommunikationsleiter des Schweizerischen Fussballverbands ergänzte anschliessend noch zum Jacken-Vorfall: «Xherdan ist ein sehr erfahrener Spieler. Er weiss, wie er sich in solchen Situationen verhalten muss. Er oder auch alle anderen Spieler haben kein Interesse, dass der Sport für politische Propaganda missbraucht wird.»

Kurz: Arnold wiederholte die Fakten aus dem SFV-Communiqué vom Sonntag, in dem der Verband den Nati-Star bereits in Schutz nahm. In diesem hiess es zudem noch: «Die fehlbare Person wurde von der Polizei einvernommen und es wurde unmittelbar ein Stadionverbot gegen diese Person ausgesprochen.»

Serbischer Boulevard schäumt

Ob all das die serbischen Fans und Medien sowie Verantwortlichen beruhigt? Davon ist nicht auszugehen. Besonders am Sonntag schäumten etwa die serbischen Medien. Die Boulevardzeitung «Kurir» sprach von einem «Skandal» und stellte die Frage, wie lange die Fussballverbände «diesen Quatsch» noch tolerieren würden.

Im Artikel war die Kritik scharf, von einer Abscheulichkeit war die Rede. «Offensichtlich ist dies ein Missbrauch, eine dicke Einmischung der Politik in den Sport», kommentierte das Blatt. In einem anderen Artikel schrieb das Medium: «Obwohl er serbischen Ärzten alles verdankt, nutzt der undankbare Shaqiri jede Gelegenheit, um Serben zu provozieren.» Und: «Er hasst alles, was serbisch ist, und wenn unsere Ärzte nicht wären, würde Shaqiri nicht nur keinen Fussball spielen, sondern er hätte nicht einmal ein normales Leben.»

Fifa äussert sich zum Vorfall

Und auch der serbische Fussballverband war stocksauer. Laut Generalsekretär Jovan Surbatovic arbeite man an einem Protestbrief an die Fifa. «Wir fordern eine dringende Reaktion und strengste Sanktionen gegen Shaqiri wegen der Förderung der kriminellen Terrororganisation ‹UÇK› während Äusserungen vor den Medien», hiess es am Sonntag in einem Communiqué.

Von Seiten der Fifa heisst es auf Anfrage von 20 Minuten: «Wir sammeln noch weitere Informationen zum Vorfall.» Ob ein Verfahren eröffnet wird oder nicht, dazu will sich der Fussball-Weltverband nicht äussern. Aber auch wenn die Fifa dazu nix sagen möchte, es ist wohl unwahrscheinlich, dass der Nati-Star eine Strafe zu befürchten hat. Denn: Shaqiri liess sich nicht beirren, zog die Jacke schnell wieder aus, liess sich von dem Unbekannten nicht verunsichern. Kurz: Er verhielt sich vorbildlich.

Das ist die «UÇK»

Doch was ist die «Ushtria Çlirimtare e Kosovës» überhaupt? Die «UÇK» war in den 1990er-Jahren eine paramilitärische Organisation, die für die Unabhängigkeit des Kosovo kämpfte. Die Bürgerkriegsmiliz galt zeitweise in mehreren Ländern – so etwa in Serbien – als Terrororganisation, die sich nach Ende des Kosovo-Krieges auf Druck der Nato und der Uno auflöste.

«Es gibt scharfe Massnahmen»

Wie kam der Mann aber überhaupt aufs Spielfeld? Wie kam er so völlig unbedrängt an den Nati-Star heran? Auf Anfrage von 20 Minuten will sich Servette nicht zum Vorfall äussern. Da das Nati-Spiel in Genf stattfand, war der Genfer Club für die Sicherheit zuständig. Gegenüber dem «Blick» äusserte sich Jean-Marc Guinchard, Präsident der Fondation des Stade de Genève. Sicherheitsmassnahmen seien streng, meinte Guinchard, der selbst nicht im Stadion war. «Auch beim Einlass – sowohl bei den Ultras – als auch bei den herkömmlichen Fans gibt es scharfe Massnahmen.» Nicht einmal er habe Zugang zum Feld.

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