Huma Abedin bricht ihr Schweigen – «Er hat mir das Herz rausgerissen und es immer wieder zertrampelt»
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Huma Abedin bricht ihr Schweigen «Er hat mir das Herz rausgerissen und es immer wieder zertrampelt»

Erstmals bricht die langjährige Assistentin von Hillary Clinton ihr Schweigen: Huma Abedin hat in ihrer Ehe mit Starpolitiker Anthony Weiner viel durchgemacht. Schliesslich kam er wegen seiner Straftaten ins Gefängnis. Wie sie das verkraftet hat, erzählt sie nun in ihrem Buch.

von
Karin Leuthold
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Huma Abedin und Anthony Weiner waren knapp sieben Jahre verheiratet. In dieser Zeit sorgte er mit seinen Sex-Eskapaden für mehrere Skandale. Anfang 2017 reichte sie schliesslich die Scheidung ein.

Huma Abedin und Anthony Weiner waren knapp sieben Jahre verheiratet. In dieser Zeit sorgte er mit seinen Sex-Eskapaden für mehrere Skandale. Anfang 2017 reichte sie schliesslich die Scheidung ein.

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Am 2. November 2021 erschien Abedins Buch «Both/And: A Life in Many Worlds». Darin erzählt die 45-Jährige, wie sie die schwierige Situation mit ihrem Mann aushielt.

Am 2. November 2021 erschien Abedins Buch «Both/And: A Life in Many Worlds». Darin erzählt die 45-Jährige, wie sie die schwierige Situation mit ihrem Mann aushielt.

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Abedin, die gläubige Muslimin, die bis zu ihrer Ehe mit 33 Jahren Jungfrau geblieben war, heiratete 2010 einen Juden, der später wegen Sexualstraftaten im Knast landen sollte. «Ich hatte mich in ihn verliebt», sagt sie heute.

Abedin, die gläubige Muslimin, die bis zu ihrer Ehe mit 33 Jahren Jungfrau geblieben war, heiratete 2010 einen Juden, der später wegen Sexualstraftaten im Knast landen sollte. «Ich hatte mich in ihn verliebt», sagt sie heute.

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Darum gehts

  • Huma Abedin, die langjährige und engste Vertraute von Hillary Clinton, legt ihre Memoiren vor.

  • Ihre Ehe mit dem demokratischen Politiker Anthony Weiner war wegen der Sex-Enthüllungen ihres Mannes von Skandalen belastet.

  • Dennoch stand sie jahrelang mit stoischer Diskretion zu ihm. Warum bloss?

Nach all dem, was Huma Abedin in den sieben Jahren Ehe mit Anthony Weiner durchgemacht hat, wurde sie unendliche Male gefragt: Warum? Warum ist sie bei ihrem Mann geblieben, obwohl er 2011 beim Online-Sexting mit Frauen versehentlich ein Bild seines erigierten Penis getwittert hatte - was schliesslich zu seinem Rücktritt als US-Kongressabgeordneter führte?

Warum hat sie 2013 den Wählern versichert, sie habe Weiner «verziehen», als er für das Amt des Bürgermeisters von New York City kandidierte? Warum bloss liess sich diese Frau von ihrem Mann so oft demütigen? Eine Antwort darauf versucht die langjährige Ex-Assistentin von Hillary Clinton in ihrem Buch «Both/And: A Life in Many Worlds» zu geben.

«Ich hatte mich in ihn verliebt»

In ihren Memoiren, die Anfang November erschienen sind, nimmt Abedin Distanz zu ihrer eigenen Geschichte. «Hätte ich dieses Buch damals, mitten in der Krise geschrieben, dann wäre es ein sehr bitteres Buch geworden», sagt die 45-Jährige zu «The Guardian». Man hätte vor allem die Untreue ihres Mannes und ihr eigenes Verhalten mit den Seitensprüngen von Bill Clinton und die Reaktionen seiner Frau Hillary darauf verglichen.

Doch Huma Abedin sieht es anders. Sie, die gläubige Muslimin, die bis zu ihrer Ehe mit 33 Jahren Jungfrau geblieben war, hatte einen Juden geheiratet, der später wegen Sexualstraftaten im Knast landen sollte. «Ich hatte mich in ihn verliebt», sagt sie heute. Weiner aber «hat mir nicht nur das Herz gebrochen, er hat es herausgerissen und ist immer wieder darauf herumgetrampelt», fügt sie hinzu.

Der erste Skandal schon zehn Monate nach der Hochzeit

Das erste Warnzeichen hatte sie allerdings ignoriert. Dem ist sich Huma Abedin jetzt erst bewusst. Als Anthony Weiner und sie anfingen zu daten, sei er ein herzlicher Mann gewesen. Er respektierte, dass sie Zeit brauchte. Den ersten Kuss gab er ihr erst nach einem Jahr. Doch kurze Zeit vor der Hochzeit entdeckte sie eine E-Mail auf seinem Blackberry. Es war eine «schmeichelnde, kokettierende und sehr vertraute» Nachricht einer Frau, erzählt Abedin. Weiner spielte den Vorfall runter. Es sei «nur ein Fan», sagte er zu seiner Verlobten. Dann fügte er hinzu: «Ich bin ein kaputter Mensch und du musst mir helfen Sie fragte ihn damals nicht, was er damit meinte.

Der erste Skandal kam 2011 - nach zehn Monaten Ehe. Ein unanständiges Bild ihres Mannes war auf Social Media aufgetaucht. Huma Abedin erhielt an jenem Tag eine Textnachricht von Anthony Weiner: Er bat sie vor den Medien zu sagen, sein Twitter-Konto sei gehackt worden. Doch die Medien fanden heraus, dass das gelogen war. Sie fanden auch heraus, dass Abedin schwanger war - und veröffentlichten die Information noch bevor sie die zwölfte Schwangerschaftswoche erreicht hatte. Noch bevor sie ihre Arbeitgeberin Hillary Clinton selbst informiert hatte. Weiner hatte es selbst als Entschuldigung verwendet, um den Vorfall mit dem Foto des erigierten Penis aus den Medien zu schaffen. Huma Abedin vergab ihm, Anthony Weiner zog sich aus der Politik zurück und begab sich in Therapie.

Sie unterstützte Weiners Comeback zwei Jahre später

2013 gab ihr Mann ein politisches Comeback. Er kandidierte als Bürgermeister für die Stadt New York. Abedin war begeistert. Schliesslich war ihr Mann «ein so guter Politiker» und das, was zwei Jahre zuvor geschehen war, betrachtete sie mittlerweile als «einen Ausrutscher». Sie zeigte sich sogar willig, ihn öffentlich zu verteidigen. «Ich liebe ihn, ich habe ihm verziehen, ich glaube an ihn», sagte sie auf einer Pressekonferenz.

Kurz danach kam aber heraus, dass ihr Mann weiterhin mit Frauen obszöne Fotos ausgetauscht hatte - diesmal unter dem Pseudonym «Carlos Danger». Die News war sein politisches Aus: Die New Yorker wollten nicht von «Bürgermeister Gefahr» – so nannten ihn US-Medien - regiert werden und gaben Weiner lediglich 4,9 Prozent der Stimmen.

Trotz allem konnte sich Huma Abedin, die in einer Familie aufgewachsen war, in der sich niemand zuvor hatte scheiden lassen, nicht vorstellen, ihren Mann zu verlassen. 2014 sagte sie jedoch zu ihm, sie wolle sich trennen. Dennoch wohnte das Paar weiterhin im selben Haushalt.

Bilder an einer Minderjährigen brachten Weiner ins Gefängnis

2016 erhielt Huma Abedin einen Anruf ihres Mannes. Sie solle sich keine Sorgen machen, es sei ein Bild von ihm mit dem gemeinsam Sohn Jason an die Medien durchgesickert. Ein Paparazzi-Bild im Park, war Abedins erster Gedanke. Das war es aber nicht. Anthony Weiner hatte einmal mehr einer Frau ein Bild seines erigierten Penis gesendet - während sein Kind neben ihm schlief. (Bild 6 in der Bildstrecke)

Huma Abedin warf ihn aus dem Haus, reichte die Scheidung ein. Als ob die Ehekrise nicht genug sei, besuchten sie auch noch Mitarbeitende des Jugendamtes, die um die Sicherheit des Babys besorgt waren. Und als dann noch Wochen später bekannt wurde, dass Anthony Weiner intime Bilder von sich an eine 15-Jährige geschickt hatte, kollabierte Huma Abedins Welt. «Wie soll ich das überleben?», fragte sie sich damals. Sie zog sich komplett zurück, suchte eine Antwort in ihrem Glauben. Ihr Ex kam für die Bilder an eine Minderjährigen 21 Monate in den Knast.

Heute weiss sie die ganze Wahrheit

Heute ist ihr Sohn Jason neun Jahre alt. Eines Tages wird sie mit ihm über dieses Bild mit seinem Vater reden müssen, «wenn er in einem angemessenen Alter ist», sagt Abedin.

Vor einiger Zeit habe sie erstmals den Mut gehabt, das alte Handy ihres Ex-Mannes zu durchsuchen. Die intimen Bilder waren nur ein Teil seiner Untreue. Anthony Weiner traf auch Frauen zum Sex, oft fanden die Treffen im Ehebett statt. Das Paar hat inzwischen gemeinsam eine Therapie gemacht, denn Huma Abedin wollte die ganze Wahrheit hören. Nachdem sie eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieb, gestand er ihr alles. «Das half mir, die Wut, den Scham und den Groll abzuschütteln und weiterzumachen», sagt sie.

Heute arbeitet sie weiter für Hillary Clinton und deren Tochter Chelsea. Zum Daten ist sie noch nicht bereit. «Das ist irgendwie traurig, wenn ich so darüber nachdenke.» Wenn sie aber wieder mal daten sollte, dann wird es mit Sicherheit «jemand [sein], der nicht in der Politik arbeitet.»

Die Sex-Skandale zerstörten wohl auch Hillary Clintons Karriere

Nach dem Skandal von Anthony Weiners Fotoversand an ein 15-jähriges Mädchen leitete das FBI eine Untersuchung ein; sein Laptop wurde beschlagnahmt. Elf Tage vor der US-Präsidentschaftswahl 2016 kündigte FBI-Direktor James Comey in einem Brief an Kongressabgeordnete neue Ermittlungen wegen Hillary Clintons Nutzung eines privaten E-Mails-Servers in ihrer Zeit als Aussenministerin an, weil auf Weiners Laptop mehrere von Abedins weitergeleitete E-Mails von Clintons Konto gefunden worden waren. Die Ermittlungen spielten Donald Trump in die Hände.

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