Ein Jahr Haft: «Er hat sein Auto als Tatwerkzeug missbraucht»

Publiziert

Ein Jahr Haft«Er hat sein Auto als Tatwerkzeug missbraucht»

Ein 65-jähriger Zürcher wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er wollte seinen Nachbarn über den Haufen fahren, da dieser zu laute Partys feierte.

von
Attila Szenogrady
Der Angeklagte wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt: Zürcher Bezirksgericht. (Archiv)

Der Angeklagte wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt: Zürcher Bezirksgericht. (Archiv)

«Sie haben in der Nacht andauernd die Türen zugeknallt», beschwerte sich der heute 65-jährige Beschuldigte am Freitag vor dem Obergericht. Dieses musste sich mit einem seltenen Tatmotiv befassen: Chronischer Lärm einer Studenten-WG.

Der Angeklagte Dolmetscher und Vater konnte in seiner Wohnung an der Sihlweidstrasse Monate lang nicht schlafen. Die Studenten-Wohnung über ihnen lebte vor allem in der Nacht – und schmiss wilde Partys. «Sie haben sogar Bowling gespielt», sagt der in Gambia geborene Schweizer vor Gericht. Trotz mehrerer Einsätze der Polizei wurde der Lärm nicht weniger.

«Sonst gibt es ein Blutbad»

Im Herbst 2011 kam es dann zum ersten grossen Eklat: Als die Studenten wieder ein lautstarkes Fest feierten, stürmte der Vater aufgebracht nach oben. Er habe die Nachbarn aufgefordert, sofort mit dem Lärm aufzuhören und ihnen gedroht: «Sonst gibt es ein Blutbad.» Danach zog er sich zurück, handelte sich aber durch sein Verhalten eine Strafanzeige ein.

Mit Auto auf Studenten zugefahren

Im April 2012 riss der Geduldsfaden endgültig: Der Angeklagte stieg ins Auto und fuhr frontal mit 30 Stundenkilometer auf einen der Studenten zu – absichtlich. Dieser konnte sich nur einen Meter vor dem Aufprall mit einem gewagten Sprung auf eine Laderampe in Sicherheit bringen.

Als zwei Monate später die Ehefrau des Beschuldigten den Studenten erzählte, dass ihr Mann sie umbringen wolle, hatten die Kommilitonen endgültig genug. Die Studenten zogen aus und verzeigten den Nachbarn bei der Polizei. Dieser musste daraufhin 22 Tage in den Untersuchungshaft.

Freiheitsstrafe leicht gesenkt

Im September 2014 stand der Vater vor dem Bezirksgericht Zürich. Er wurde wegen Gefährdung des Lebens sowie versuchter Nötigung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Sechs Monate davon sollte er im Gefängnis absitzen.

Der Beschuldigte legte Berufung ein und verlangte einen umfassenden Freispruch. Die Vorwürfe seien «erfunden und erlogen» – ohne Erfolg. Die Verteidigung erreichte allerdings Strafmilderung. Der Angriff mit dem Auto auf die Studenten wurde von den Oberrichtern als Störung des öffentlichen Verkehrs eingestuft – und nicht mehr als Gefährdung des Lebens. Bestätigt wurde dagegen der Schuldspruch wegen versuchter Nötigung. Neu bedeutet das eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr – mit einer Probezeit von vier Jahren. Die Oberrichter sprachen von einem erheblichen Verschulden. «Der Angeklagte hat seinen Personenwagen skrupellos als Tatwerkzeug eingesetzt», erklärte der Gerichtvorsitzende Daniel Bussmann.

Deine Meinung