Aktualisiert 23.05.2020 11:46

Tödlicher Polizeischuss in Adelboden

«Er hat sich sehr abgeschottet»

Bei einem Polizeieinsatz in Adelboden wurde am Donnerstagabend ein Mann getötet. Den Vorfall haben im Quartier noch nicht alle verdaut. Der Verstorbene hatte sich offenbar stark von seiner Umwelt abgekapselt.

1 / 9
In diesem Mehrfamilienhaus starb ein Mann nach der Schussabgabe eines Polizisten.

In diesem Mehrfamilienhaus starb ein Mann nach der Schussabgabe eines Polizisten.

sul
Das Haus befindet sich am Hörnliweg oberhalb des Dorfkerns.

Das Haus befindet sich am Hörnliweg oberhalb des Dorfkerns.

Google Streetview
Wie die Polizei mitteilt, war der Mann bewaffnet.

Wie die Polizei mitteilt, war der Mann bewaffnet.

Google Streetview

Darum gehts

  • In Adelboden wurde am Donnerstagabend ein Mann durch einen Polizeischuss getötet.
  • Der Vorfall beschäftigt die Quartierbewohner.
  • Der Verstorbene war erst kürzlich zugezogen und weitgehend unbekannt.

Am Adelbodener Hörnliweg spielte sich am Donnerstagabend ein tödlicher Vorfall ab: Die Polizei wurde zu einem Mehrfamilienhaus gerufen, in dem ein Bewohner drohte, sich etwas anzutun. Als die Einsatzkräfte das Zimmer betraten, in dem sich der Mann eingesperrt hatte, kam es laut polizeilichen Angaben zu einer «akuten Bedrohungssituation». Eine Dienstwaffe kam zum Einsatz, der Mann wurde getroffen und erlag noch vor Ort seiner Verletzung.

Zwei Tage später erinnert im ruhigen Quartier oberhalb des Dorfkerns äusserlich nichts mehr an den Polizeieinsatz. Bewohner werkeln im Garten oder in der Garage, nutzen das sonnige Wetter für einen Spaziergang oder plaudern vor ihren Häusern mit dem Nachbarn. Über den Vorfall wollen viele lieber nicht sprechen.

«Hier passiert sonst ja nie etwas»

Eine Frau, die mit dem Hund Gassi geht und ein paar Strassen weiter unten wohnt, erfuhr aus den Medien davon. «Ich war natürlich geschockt. Hier in Adelboden passiert ja sonst nie etwas, höchstens mal ein Unfall mit dem Trottinett», meint sie. Auch ein Mann, der eben von seiner Ferienwohnung zu einem Ausflug aufbricht, wundert sich, «dass so etwas im sicheren und ruhigen Adelboden passiert».

«Ich sah vom Balkon aus, wie die Polizei vorfuhr, und später eine Drohne, die am Himmel kreiste», erzählt ein Mann, der ein paar Häuser weiter lebt. Den Verstorbenen habe er nicht gekannt. Er sei allein gewesen und erst vor ein paar Wochen zugezogen.

44-jähriger IT-Spezialist

Das bestätigt auch eine ältere Frau, die in der Nähe des Tatorts wohnt. Sie will sich erst nicht zum Vorfall äussern, erzählt dann aber, dass sie den Schuss gehört hat. «So etwas setzt einem schon zu», sagt sie. Den Verstorbenen habe sie nur vom Sehen her gekannt. «Er war jemand, der sich sehr abschottete und keinen Kontakt zu den Leuten suchte.» Gemäss Recherchen von 20 Minuten handelt es sich bei dem Toten um einen 44-jährigen IT-Spezialisten.

Warum es zur Schussabgabe kam beziehungsweise wie genau die «akute Bedrohungssituation» aussah, wollte die Kantonspolizei am Samstag auf Anfrage nicht beantworten. Sie verwies auf weitere Abklärungen, mit denen ein ausserkantonales Polizeikorps beauftragt wurde. Die Ermittlungen werden durch die Kantonale Staatsanwaltschaft für besondere Aufgaben geleitet.

(sul)
Fehler gefunden?Jetzt melden.