Aktualisiert 04.01.2013 09:21

Amoklauf im Wallis

«Er hat sich selbst ausgegrenzt»

In Daillon tötete der 33-jährige F. drei Frauen und verletzte zwei Männer schwer. Während der Schütze im Spital liegt, kommen immer mehr Details über seine Tat und ihn selber ans Tageslicht.

von
J. Espi

F.* ist am Mittwochabend durchgedreht und richtete mit einem Karabiner und einer Schrotflinte auf offener Strasse ein Blutbad an. Eine 32-Jährige, eine 54-Jährige und eine 79-Jährige hat der Schütze von Daillon dabei erschossen. Zudem wurde beim Amoklauf ein 63-Jähriger an der Schulter verletzt sowie der 33-jährige Partner der 32-Jährigen am Becken. Der Mann ist inzwischen aus dem Koma erwacht, liegt aber immer noch auf der Intensivstation. Die Frau hinterlässt zwei kleine Kinder. Dies ist die schreckliche Bilanz, die das Dörfchen in einen Schockzustand versetzt hat.

Nathalie Frizzi war an diesem Abend mit einem Freund und ihrem Hund unterwegs als sie es knallen hörte. «Ich dachte, das seien Feuerwerkskörper, Kinder, die damit spielen.» Weil der Lärm nicht aufhörte, gingen sie bei der Dorf-Kapelle nachschauen und erlebten das Drama aus nächster Nähe. «Sechs maskierte Polizisten mit Gewehren schrien», dann hätten sie eingegriffen. Eine ältere Frau, die in Daillon wohnt, hörte die Schüsse ebenfalls. «Jemand rief ‚‹Hilfe, ich blute›», sie habe gedacht, es seien spielende Kinder – wie letztes Jahr.

Was war das Motiv?

Wie es zur Tat kam und was das Motiv von F. war, ist immer noch unklar. Der Schütze, der mit zwei Waffen rund 20 Schüsse abfeuerte, liegt auf der Intensivstation und konnte noch nicht vernommen werden. «Le Matin» schreibt, dass das Drama laut mehreren Dorfbewohnern die Folge eines Streits zwischen F. und dem 63-Jährigen, der an der Schulter getroffen wurde, gewesen sein könnte. Die beiden seien schon länger verfeindet gewesen. Beim 63-Jährigen handelt es sich offenbar um den Onkel von F. Dieser habe versucht, F. zur Vernunft zu bringen.

Gemäss «Le Matin» trennten sich die Eltern von F. im Alter von 18 Jahren und liessen den jungen Erwachsenen im Familienhaus in Daillon zurück, wo er auch aufgewachsen war. Er wollte laut «Blick» nach der Rekrutenschule die Ausbildung zum Instruktor machen, wurde aber ausgemustert. Danach sei er mehrere Jahre arbeitslos gewesen, stand unter Vormundschaft und zog sich mehr und mehr zurück. Laut Nachbarn habe er die Tage mit Trinken und Kiffen verbracht. 2005 wurde er in die Psychiatrie eingeliefert. Die Begründung: Er sei zu impulsiv. «Er hat sich selbst ausgegrenzt», sagt ein Bewohner von Daillon zu «Le Matin».

Gemäss einer weiteren Quelle, deren Familie in Daillon wohnt, hat jeder im Dorf gewusst, dass F. psychische Probleme hat. Des Weiteren sei bekannt gewesen, dass der 33-Jährige Waffen im Haus lagere. Ein Dorfbewohner sei zudem vor fünf Jahren von F. angegriffen worden. «Als wir am Donnerstagmorgen in der Presse die Nachricht über die Schiesserei lasen, wussten wir sofort, um wen es sich beim Schützen handelt», so die Quelle.

*Name der Redaktion bekannt

Bewohner von Daillon erzählen, was sie in jener Nacht erlebt haben:

Weitere Filmaufnahmen aus Daillon:

Mitarbeit: Frédéric Nejad, feb, dwi

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