Aktualisiert 19.08.2009 13:33

Bluttat«Er hat uns gehasst»

Ein Rentner schiesst in der ruhigen niederrheinischen Kleinstadt Schwalmtal um sich und tötet dabei drei Menschen. Dass das so kommen musste, hatten seine Angehörigen schon geahnt.

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Der 71-jährige Hans P. hat am Dienstag bei einer Schiesserei in der niederrheinischen Kleinstadt Schwalmtal im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen drei Menschen getötet. Erste Versionen behaupteten, beim Amokläufer handle es sich um einen Mann in einer Scheidungssituation. Nun kommen aber die Details ans Licht: Nicht P. habe sich in der Scheidungssituation befunden, sondern seine Tochter, Barbara K.

K. war am Nachmittag zu ihrem dritten Termin mit den Immobilienmaklern und Anwälten gekommen, weil das Haus, das sie mit ihrem neuerdings Ex-Mann teilte, zwangsversteigert werden sollte. Ks. Mann war dem Termin ferngeblieben, schreibt die deutsche Boulevard-Zeitung «Bild» - er habe sich vor seinem jähzornigen Schwiegervater gefürchtet.

Hass bis zum bitteren Ende

Doch auch P.s Enkel legt für seinen Grossvater kein gutes Wort ein: «Er hat uns gehasst, weil sich mein Vater von meiner Mutter trennte. Er wollte auf jeden Fall verhindern, dass das Haus versteigert wird. Ich glaube, der Anschlag galt mir und meinem Vater.» Der Jugendliche habe sich schon lange vor dem Rentner gefürchtet.

Die Bilanz ist tragisch: Rentner P. trifft bei der Schiesserei die beiden Anwälte und einen Gutachter mit einer Pistole tödlich, ein zweiter Gutachter wird durch zwei Kugeln schwer verletzt. Dann ergibt er sich.

Dass P. seine Familie gehasst haben muss, zeigt er sogar noch nach seiner Festnahme: Aus dem Polizeiauto streckt er seinen Enkel und seinem Schwiegersohn, die nach dem Amoklauf in das Haus geeilt waren, die Zunge raus.

Ermittlungen gegen Ehefrau und Tochter

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Ehefrau und die Tochter des geständigen Todesschützen. Beide seien als Beschuldigte vernommen worden, sagte der Mönchengladbacher Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff am Mittwoch in Düsseldorf. Zwar bestehe nicht der Verdacht, dass sie sich an der Tat selbst beteiligt hätten. Doch sei nicht auszuschliessen, dass sie gewusst hätten, dass etwas passieren würde.

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