Aktualisiert 10.08.2017 13:33

Ex-Gemeindepräsident vor GerichtEr hatte Fantasien von Mädchen-Folter

Der ehemalige Bernecker Gemeindepräsident stand am Mittwoch wegen Herstellung von Pornografie und sadistischen Fantasien vor dem Kreisgericht Rheintal. Er bereut seine Taten.

von
jeb
Der ehemalige Gemeindepräsident stand am Mittwoch 9. August 2017 vor Gericht.

Der ehemalige Gemeindepräsident stand am Mittwoch 9. August 2017 vor Gericht.

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A. Z.* erschien am Mittwoch in Jeans und weissem Kurzarmhemd vor dem Rheintaler Kreisgericht im Altstätter Rathaus. Die Verhandlung, die im abgekürzten Verfahren durchgeführt wurde, dauerte 55 Minuten. Der Vorwurf lautete auf mehrfache Herstellung verbotener Pornografie und mehrfaches, teilweise versuchtes Zugänglichmachen von Pornografie.

Bei der Befragung gibt Z. alle Vorwürfe, die aus der 19-seitigen Anklageschrift teilweise vorgetragen werden, zu. Er antwortete jeweils knapp mit «das ist richtig», «Ja, leider» oder einem knappen «Ja». Der Richter zitierte auch aus einem Chat, in dem sich Z. als 33-jährige Lehrerin ausgab und sich mit einem Wiener über Quälen und Foltern von Mädchen austauschte. Z. sagte etwa, er lese Geschichten, in denen Mädchen gefoltert würden, und träume davon, es selber zu tun. Auch explizite Bilder wurden geteilt.

Sowohl die Staatsanwältin als auch der Einzelrichter sagten, dass die beschriebenen Bilder und ausgedrückten Fantasien nur schwer zu ertragen seien. Es ist die Rede von Qualen, die Mädchen angetan werden sollten, und pornografischen Bildern mit Gewaltdarstellung an Kindern und Erwachsenen.

Eine Frau im Publikum wischte sich Tränen aus den Augen, eine andere sagte nach der Verhandlung, es sei unerträglich zu hören, was Z. getan habe. «Einfach nur schrecklich.»

Z. bittet um Verzeihung

Dessen ist sich der 55-Jährige bewusst. Z. sagt unter Tränen und mit zittriger Stimme, er habe sich durch sein Handeln mehr als nur strafbar gemacht. «Ich habe alle enttäuscht. Meine Familie, meine Arbeitskollegen. Ich habe sie auf das Gröbste enttäuscht.» Was er getan habe, sei moralisch verwerflich. Es sei schwer gewesen, sich das alles vor Gericht anhören zu müssen.

«Ich habe anderen Unrecht getan. Leider kann ich nichts ungeschehen machen.» Er versichere aber, dass nie mehr etwas Derartiges geschehen werde. «Bei allen, die ich enttäuscht habe, möchte ich um Verzeihung bitten. Nicht um Entschuldigung, weil das, was ich getan habe, ist unentschuldbar.»

Kaum erträglich

Der Fall beinhalte kaum erträgliche Komponenten von Missbrauch und Gewalt, stellt die Staatsanwältin fest. Nicht nur die Bilder – auch die Texte in den Chat-Protokollen. «Diese waren bildhaft und detailliert.» Es seien zwar Fantasien gewesen, doch diese hatten einen direkten Bezug zur Realität. Die Tat wiege deshalb schwer.

Im sogenannten abgekürzten Verfahren hat sich die Staatsanwaltschaft mit der Verteidigung auf ein Strafmass von 12 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe geeinigt. Die Strafe wird aber zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben.

Damoklesschwert

Der Richter akzeptierte den Vorschlag der Parteien. Dass Z. die Strafe nicht absitzen muss, sei vertretbar, auch wenn das Gericht in diesem Fall sich mit schrecklichen Schilderungen auseinandersetzen musste. Die Aufschiebung der Haft sei ein Damoklesschwert, das nun über Z. schwebe.

Denn wird er rückfällig, muss er ins Gefängnis. «Es ist in Freiheit sicher schwerer, sich der Versuchung des Internets zu entziehen, als im Gefängnis, wo es keinen Internetzugang gibt und einschlägige Wiederholungstaten gar nicht möglich sind.» Damit müsse Z. jetzt lernen, umzugehen.

Das sei in Freiheit einfacher, wo er einer Arbeit nachgehen kann und im Rahmen seiner Familie lebt. Er muss regelmässig Therapiesitzungen besuchen und wird von der Bewährungshilfe begleitet.

Chance nutzen

Der Richter spricht Z. auch ins Gewissen: «Das Chat-Protokoll ist erschreckend. Es hat Krankheitswert, ist keine einfache Sache. Sie sind jetzt vorbestraft. Rufen Sie sich das in Erinnerung als Motivation, nie mehr so was zu tun. Das muss ihr Ziel sein.» Die Sache hätte auch anders ausgehen können. Z. habe nun eine Chance bekommen. «Packen Sie diese!»

Der 55-Jährige hat laut eigenen Angaben ab September wieder eine Arbeitsstelle und wohnt mit seiner Familie mit zwei Töchtern im Teenageralter weiterhin in Berneck. Er muss regelmässig in die angeordnete Therapie, deren Erfolg von der Bewährungshilfe überprüft wird.

Meldung der Kobik

Den Stein ins Rollen brachte eine Meldung der nationalen Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) vom Bund an den Kanton St. Gallen. Die Staatsanwaltschaft führte darauf im August 2014 eine Hausdurchsuchung durch. Aufgrund des gesichteten Materials fand am 1. Mai eine weitere Hausdurchsuchung statt und es wurde Haftantrag gestellt. Ab Mai 2015 sass Z. für gut zwei Monate in Untersuchungshaft. Das Amt als Gemeindepräsident gab er vorzeitig ab.

*Name der Redaktion bekannt.

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