Chefermittler Botha: Er hatte Pistorius schon früher im Auge
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Chefermittler BothaEr hatte Pistorius schon früher im Auge

Auf einmal steht Hilton Botha im Mittelpunkt des Pistorius-Prozesses: Dem Chefermittler wird versuchter Mord vorgeworfen. Ausserdem ermittelte er schon einmal gegen den «Blade Runner».

von
sut

Die Anhörung im Mordfall Pistorius in Pretoria nimmt eine kuriose Wendung: Gegen den leitenden Ermittler Hilton Botha wird wegen siebenfachen versuchten Mordes ermittelt. Ausserdem werfen die Verteidiger von Pistorius Botha Fehler bei der Ermittlung vor. Dennoch bleibt Botha vorerst an den Ermittlungen beteiligt – obwohl die Untersuchungen gegen ihn laut Polizei zu seiner Suspension führen könnten. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte in einem Radiointerview zu den Entwicklungen um Botha, es wäre wohl besser, den Polizeioffizier vom Pistorius-Fall abzuziehen. Der Sprecher der Polizei der Provinz Gauteng, Neville Malila, betonte, es sei noch nichts entschieden.

«Ich verstehe nicht, warum der Fall wieder aufgenommen wurde. Ich kann mir nur vorstellen, dass es etwas mit meiner Arbeit im Fall Oscar Pistorius zu tun hat», sagte Botha dem Fernsehsender eNCA.

Siebenfacher versuchter Mord

Der Vorfall ereignete sich 2009, als der Polizeioffizier auf ein Taxi mit sieben Insassen schoss, um es am Weiterfahren zu hindern. Es wird zudem behauptet, Botha sei zu jenem Zeitpunkt betrunken gewesen. «Mein Blut wurde nach der Schiesserei nie auf Alkohol getestet, ich war nicht betrunken», so Botha. Die Schiesserei habe im Zusammenhang mit Untersuchungen zum Mordfall an Denise Stratford gestanden, deren Leiche in einem Abfluss gefunden worden war. Er habe die Schüsse auf den Kleinbus abgegeben, nachdem dieser «uns von der Strasse abgedrängt hatte». «Ich schoss auf die Räder des Fahrzeugs – niemand wurde verletzt.»

War es gar kein Doping?

Botha wird jedoch nicht nur wegen der erneut aufgenommenen Untersuchungen im Zusammenhang mit der Schiesserei von 2009 kritisiert, sondern auch wegen ungenauer Ermittlungsarbeiten im Mordfall Pistorius: Offenbar gingen die Behörden voreilig bei zwei beschlagnahmten Kartons mit Ampullen und Spritzen vor. Sie wurden von der Staatsanwaltschaft als Testosteron-Steroide bezeichnet. Nach Angaben der Verteidigung handle es sich aber um «ein legales homöopathisches» Mittel, «das Pistorius nehmen durfte».

Die südafrikanische Staatsanwaltschaft ist sich nach eigenen Angaben nun nicht mehr sicher, ob es sich bei der gefundenen Substanz um verbotenes Testosteron handelt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Medupe Simaskiu, sagte am Mittwochabend: «Wir können nicht sagen, was es ist.» Erst die wissenschaftliche Analyse könne das klären.

Botha musste zugeben, dass die Untersuchung der Substanz noch nicht abgeschlossen ist und er dem Gericht einen unbestätigten Beleg als Tatsache präsentiert hatte. Berichte der englischen Zeitung «The Sun» über beschlagnahmte Steroide hatten schon am Montag den Eindruck nahegelegt, Pistorius sei gedopt gewesen und habe Steenkamp womöglich nach der Einnahme von Steroiden getötet. Sie bewirken erhöhte Aggressivität. «Es war auf keinen Fall Notwehr», sagte Botha nach Angaben von Prozessbeobachtern.

Nach Angaben des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) wurde der beinamputierte Läufer vor den Spielen in London im vergangenen Jahr zweimal einem Dopingtest unterzogen. Beide Male fiel das Ergebnis negativ aus. Testosteron steht auf der Liste der vom IPC verbotenen Substanzen.

Botha hat bereits zuvor gegen Pistorius ermittelt

Als wären Vorwürfe wegen versuchten Mordes sowie Schlamperei nicht genug, kommt nun zu Tage, dass Botha bereits zuvor in Ermittlungen gegen Pistorius involviert war. Damals ging es laut Welt Online um den Vorwurf der Körperverletzung an einer 19-Jährigen. Die Klage sei aber fallengelassen worden. Dennoch sähen Rechtsexperten nach Angaben der Nachrichtenseite einen Interessenkonflikt mit Bothas jetziger Rolle als Chefermittler.

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