Aktualisiert 26.09.2016 16:00

In Ferien ausgeraubt«Er hielt mir eine Knarre an den Kopf»

Ivo N. aus Winterthur wurde an einer Tankstelle mit einer Pistole bedroht und ausgeraubt. Kein Einzelfall auf Spaniens Autobahnen.

von
Camille Kündig
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Ivo N. aus Winterthur war auf der Autobahn AP-7 Richtung Barcelona unterwegs.

Ivo N. aus Winterthur war auf der Autobahn AP-7 Richtung Barcelona unterwegs.

epa/Amelia luz
In Benicarló, gut 220 Kilometer von Barcelona entfernt, wollte er sich in einem Tankstellenshop einen Kaffee holen.

In Benicarló, gut 220 Kilometer von Barcelona entfernt, wollte er sich in einem Tankstellenshop einen Kaffee holen.

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Als er dann an einer solchen BDMED-Tankstelle parkierte, wurde er brutal überfallen. Gemäss der spanischen Polizei passiere das an in der Umgebung dieser Tankstelle «10- bis 20-mal pro Tag», sagte Ivo. N.

Als er dann an einer solchen BDMED-Tankstelle parkierte, wurde er brutal überfallen. Gemäss der spanischen Polizei passiere das an in der Umgebung dieser Tankstelle «10- bis 20-mal pro Tag», sagte Ivo. N.

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Neun Prozent mehr bestohlene Schweizer zählte die Baloise in diesem Jahr in Spanien. Damit liegt das Land auf Platz 2, wie die Auswertung nach Ländern zeigt.

Eines der Opfer ist Ivo N.* aus Winterthur. Ein Mann hielt dem gebürtigen Portugiesen an einer Tankstelle an der Autobahn AP-7 eine Pistole an die Schläfe. Währenddessen schnappte sich ein Komplize seine Tasche mit 1600 Franken.

Der 32-Jährige erzählt: «Ich war auf dem Rückweg von Marokko. Dort hatten meine Freundin und ich mit unseren Familien unsere Verlobung gefeiert.» Am 17. September sei er in Spanien angekommen und habe in einem Tankstellenshop bei Benicarló, 220 Kilometer von Barcelona entfernt, einen Kaffee holen wollen. «Kaum hatte ich mein Auto – mit Schweizer Kennzeichen – parkiert, hielt mir schon ein Typ eine Knarre an den Kopf.»

«Ich war total geschockt»

Unterdessen habe ein Komplize die Beifahrertüre geöffnet. «Dort lag meine Tasche mit meinem Portemonnaie und meinem Pass. Zum Glück hatte ich mein Handy in der Hosentasche», sagt er.

«Ich war in einer Schockstarre, konnte nicht fassen, was gerade vor sich ging.» Der Überfall habe nicht länger als fünf Sekunden gedauert. Kaum seien die zwei Männer in ihr Auto geflüchtet, sei auch er ausgestiegen und habe ein Foto des Autokennzeichens gemacht.

Täglich Überfälle rund um die Tankstelle

Wieso er so viel Geld dabei hatte? «Ich nehme auf solch lange Reisen immer genug Bargeld mit. Ausserdem hatten uns unsere Familien rund 600 Euro zur Verlobung geschenkt.» Nun war er plötzlich mittellos: «Nach dem Überfall konnte ich nicht mal mehr einen Kaffee bezahlen.»

Glücklicherweise habe ein Mann, der den Überfall beobachtet hatte, die Polizei verständigt. «Die Polizisten protokollierten den Fall, nahmen meine Daten auf und händigten mir Verlustpapiere aus.» Doch: «Sie sagten, dass sie nichts tun könnten. Das Fahrzeug sei mit Sicherheit gestohlen. Ausserdem komme es in der Nähe dieser Tankstelle pro Tag zu 10 bis 20 Überfällen.»

Botschaft konnte nicht helfen

Als er seiner Familie vom Überfall erzählte, sei diese schockiert gewesen. «Ich traute mich erst gar nicht, meiner Verlobten zu sagen, dass ich mit einer Pistole bedroht wurde.» Er sei dann in ein Hotel gegangen und habe dem Direktor seine missliche Lage erklärt. «Später hat mein Chef in der Schweiz diesem Herrn dann Geld für die Übernachtung und meine Heimreise überwiesen.»

Kaum sei ein Problem geklärt gewesen, sei aber ein weiteres aufgekommen: «Ich hatte ja keinen Pass oder Ausweis mehr.» Die portugiesische Botschaft sei ihm in dieser Situation keine grosse Hilfe gewesen: «Am Telefon wurde mir gesagt, das sei alles kein Problem. Ich sollte einfach 150 Euro für den neuen Pass mitbringen», erzählt er mit ironischem Unterton. Also machte er sich ohne Papiere auf den Rückweg.

«Ich versuche, den Vorfall zu verdrängen»

Am Schweizer Zoll sei er dann angehalten worden. «Zuerst haben mir die Zollbeamten gesagt, so könne ich nicht durchfahren. Als ich ihnen aber die Situation erklärt und die Papiere der Polizei gezeigt hatte, liessen sie mich durch.» Seit Mittwoch ist N. nun wieder in der Schweiz. Unter Angstzuständen leide er nicht, aber: «Ich versuche wohl auch, das Ganze ein wenig zu verdrängen.»

Bereits vor einigen Jahren beunruhigte eine Serie solcher Überfälle zahlreiche Schweizer Touristen, die nach Spanien in die Ferien fahren wollten.

*Name der Redaktion bekannt.

Eine weitere Masche auf den Autobahnen: Während ein Dieb den Fahrer ablenkt, räumt der andere den Wagen aus.

Ein weiterer Fall:

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