Christoph Waltz: «Er ist bisher immer ein wenig untergegangen»
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Christoph Waltz«Er ist bisher immer ein wenig untergegangen»

Seitdem Christoph Waltz den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen hat, ist er ein Superstar. Die Schweizerin Bea Petri hat den Österreicher schon vor mehr als zehn Jahren in Berlin kennen gelernt - und schwärmt heute noch von seiner bescheidenen Art.

von
Thom Nagy

20 Minuten Online: Was ging dir durch den Kopf, als du vom Oscar-Gewinn deines alten Freundes erfahren hast?

Bea Petri: Ich bin ein wenig sentimental geworden und hab eine kleine Freudenträne verdrückt. Gerade bei Christoph rührt mich das schon sehr: Er ist so ein guter Mensch. Er verdient diesen Preis umso mehr, als dass er trotz guter Leistungen noch nie in einem grossen Film zu sehen war. Ich würde fast sagen, er ist bisher immer ein wenig untergegangen.

Wie und wann ist dieses Bild entstanden?

Das war 1998, bei den Dreharbeiten zum Film «Einsteins Ende» in Berlin. Waltz spielte in dem Film die Hauptrolle neben Harald Juhnke. Der Film ging dann aber durch irgendwelche Umstände unter - ich habe gehört, es lag an den Finanzen, aber so genau weiss man das ja nicht. Er kam auf jeden Fall nie ins Kino und wurde auch nicht am Fernsehen ausgestrahlt.

Was hast du am Set gemacht?

Ich war lange Zeit die Maskenbildnerin von Harald Juhnke und habe Christoph über ihn kennen gelernt. Bei «Einsteins Ende» hab ich die beiden geschminkt.

Stach Waltz damals in irgendwelcher Weise heraus?

Ich habe ihn als unglaublich bescheidenen, intelligenten Schauspieler erlebt. Und lustig war er. Die Chemie zwischen Juhnke und ihm in der Maske war unglaublich. Die beiden wurden dicke Freunde, schliesslich arbeiteten sie acht Wochen Tag und Nacht intensiv an dem Film, das schweisst zusammen.

Wie war seine Arbeitshaltung?

Sehr, sehr diszipliniert. Er hat sich seinen Erfolg hart erarbeitet.

Hast du ihm gratuliert zu seinem Oscar?

Nein, wir haben seit Jahren keinen Kontakt mehr. Das verläuft sich oft in diesem Geschäft. Er wollte mich im Anschluss an «Einsteins Ende» zwar für einen Film engagieren, aber ich war da schon mit «Lüthy & Blanc» beschäftigt.

Hast du Inglourious Basterds gesehen?

(lacht) Nein, ich bin einfach nicht dazu gekommen. Aber das werde ich auf jeden Fall nachholen.

Womit beschäftigst du dich heute?

Ich arbeite nach wie vor bei zwei, drei Filmen pro Jahr als Maskenbildnerin mit, das ist nach wie vor meine Leidenschaft. Daneben betreibe ich zwei Schminkbars und engagiere mich vor allem auch mit dem Projekt «Nasmode» in Burkina Faso. Dabei handelt es sich um eine Ausbildungsstätte für Schneiderinnen, Kosmetikerinnen und Coiffeusen, die noch eine Zusatzbildung zur Maskenbildnerin machen können. Afrika hat eine grosse Filmindustrie und in Burkina Faso findet alle zwei Jahre das grösste afrikanische Filmfestival statt.

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