«Einen guten Tag» : Er ist der einzige Twitter-Freund von Nordkorea
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«Einen guten Tag» Er ist der einzige Twitter-Freund von Nordkorea

Der 25-jährige Jimmy Dushku lebt in den USA, ist ein riesiger Fan von Coldplay und erfolgreicher Unternehmer. Und: Der junge Amerikaner hat einen exotischen Follower auf Twitter: Nordkorea.

von
gux

Obwohl nicht gerade für seine technologische Aufgeschlossenheit bekannt, ist Nordkorea seit dem August 2010 auf dem sozialen Netzwerk Twitter präsent. Sehr zum Ärger Südkoreas, das den Zugang zu Nordkoreas Twitter-Konto nur wenige Tage nach seiner Aufschaltung sperrte, weil der Account «illegale Informationen» enthalte und Nordkorea darin glorifiziert werde. Nebst der nordkoreanischen Propaganda dürfte die Südkoreaner auch geärgert haben, dass Nordkorea innerhalb nur einer Woche 8500 Follower verbuchen konnte.

Nordkorea, das auf Twitter selbstbewusst unter «@uriminzok» («Unsere Nation») auftritt, liess sich von der südkoreanischen Blockade nicht beeindrucken, postete frischfröhlich Propaganda-Links und folgte seinerseits rund einem Dutzend Twitter-Nutzern. Ein erkennbares Muster der nordkoreanischen Vorlieben zeichnete sich indes nicht ab, wie «Mother Jones.com» schreibt: «Einige Amerikaner waren darunter, ein vietnamesisches Konto und, aus Prinzip, ein venezolanischer Radikaler.»

«Ich habe keine Ahnung»

Mittlerweile kann das nordkoreanische Twitterkonto über 11'400 Follower verbuchen. Nordkorea selbst aber hat seine Twitter-Begeisterung eingedämmt und folgt nur noch drei Nutzern: einem 20-jährigen Vietnamesen, der nordkoreanischen Parteiplattform - und Jimmy Dushku. Von den dreien ist der 25-jährige Amerikaner der einzige aktive Twitterer, denn @qwertyvn und @Pyongyang_DPRK haben seit Monaten nichts mehr von sich hören lassen.

«Ich habe keine Ahnung, wie ich zu dieser Ehre gekommen bin», sagt Dushku. Der Jungunternehmer, der in Texas und New York wohnt und ein grosser Coldplay- und Vin Diesel-Fan ist, hat nach eigenen Angaben keine persönlichen oder politischen Verbindungen nach Nordkorea. Und vom dicklichen Diktator Kim Jong-Un hält er erst recht nichts. «Aus Höflichkeit» aber habe er die Follower-Anfrage Nordkoreas angenommen. «Ich war überrascht, aber ich versuche immer, mich mit Leuten von überall her anzufreunden.»

«Hab einen guten Tag, mein Freund»

Das kam gut an: Als auch Dushku auf Twitter Nordkorea folgte, lautete der Tweet der kommunistischen Diktatur auf koreanisch: «Hab einen guten Tag, mein Freund.»

Doch die Twitter-Gemeinde hat ein scharfes Auge und bald schon wurde Dushku von anderen Usern mit virtuellen Beschimpfungen und Drohungen eingedeckt. Ob er etwa ein Sympathisant Nordkoreas oder gar ein Spion sein, wollten viele Südkoreaner von ihm wissen. Dushku versicherte, dass er «keine ungebildete oder böse Person» sei. An seiner exotischen Twitter-Freundschaft hält er fest. Immerhin, so sagt er, habe er von Nordkorea via Twitter eine Einladung erhalten, das Land doch einmal zu besuchen.

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