Aktualisiert 12.01.2013 20:56

Sepp OdermattEr ist die Stimme von Adelboden

Ein Skirennen in Adelboden ohne Sepp Odermatt, ist kaum vorstellbar. Seit über 20 Jahren ist der Innerschweizer Speaker, Unterhalter und Animateur im Berner Oberland.

von
Reto Fehr

Sepp Odermatt, der legendäre Speaker der Weltcuprennen in Adelboden.

Angefangen hat alles per Zufall. Der Innerschweizer Sepp Odermatt war 1988 beim Skiclub Dallenwil aktiv. Bei einem FIS-Rennen 1988 war er als Speaker vor Ort und - völlig neu für die damalige Zeit - wurde der ganze Hang beschallt. Der Job brachte ihm ein nächstes Engagement bei der JO-Schweizermeisterschaft. Damals noch ohne Internet bereitete er sich mit unzähligen Telefonaten akribisch auf die Aufgabe vor und überzeugte erneut. Der Zufall wollte es, dass Adelboden gerade auf der Suche nach einem neuen Speaker für die Weltcuprennen war. «Mister Adelboden Fred Rubi betrat damals die Kommentatorenkabine, sah mich und sagte: Sepp, du bist mein Mann!»

So begann die Story von der Stimme von Adelboden. 1991 feierte er - damals noch auf der Tschentenalp - Premiere. Seither hat sich viel getan. Der Anlass ist zum Happening geworden und Odermatt trägt viel dazu bei. Noch immer bereitet er sich gewissenhaft vor und hat in einem dicken Ordner die Angaben zu jedem einzelnen Fahrer. Er gilt als wandelndes Lexikon, was die Rennen anbelangt. Den genauen Tagesablauf hat er stets vor sich.

Mit ganzem Herzen dabei

Am Samstagmorgen um 9.35 Uhr soll die FIS-Fanfare erklingen und dann geht es mit der Begrüssung los. Tatsächlich beginnt Odermatt viersprachig pünktlich und sagt dann das, was er wohl seit 1991 in ähnlicher Form ins Mikrofon sagt: «Meine Damen und Herren, Sepp Odermatt begrüsst Sie zum Herren-Riesenslalom in Adelboden.» Es ist der Startschuss zum Skitag im Berner Oberland, in welchem Odermatt oft ohne Punkt und Komma losschnattert und das Publikum bestens unterhält. In jedem Satz spürt man: Hier ist jemand mit ganzem Herzen mit dabei.

Odermatt gibt wichtige Informationen durch, liefert Fakten, unterhält, witzelt und tröstet via Lautsprecher. Das Wetter ist fantastisch. «Petrus hat sein schönes Winterkleid über Adelboden angezogen», wie es der Speaker selbst nennt. Ivica Kostelic entlockt ihm ein «heieiei», als dieser im letzten Abschnitt aufdreht und am Ende im Ziel auf Rang 6 landet. Bei Carlo Janka huscht ein «schade, schade, schade» über seine Lippen.

Elia Zurbriggen nach seinem Debüt

Als im zweiten Lauf der junge Schweizer Gino Caviezel von Simoncelli vom ersten Platz verdrängt wird, tröstet er: «Ja Gino, jetzt weisst du, wies in der Leaderbox ist. Hoffentlich gibts das in Zukunft noch oft.» Und als gegen Ende des Rennens der Norweger Aksel Lund Svindal am Start steht, feuert er das Publikum an: «Wir unterstützen Svindal, dafür lassen uns die Norweger an die Fussball-WM!»

Vorbereitungen in Adelboden

Tombas Lob als «Bellissimo Speaker»

Odermatt ist eine Koryphäe in Adelboden. Aus der engen Kommentatoren-Kabine leitet er den Event über die Lautsprecher. Sein Assistent hilft ihm. Ist es zu heiss, muss kurz die Türe geöffnet werden, klappt etwas nicht wie gewollt, rutscht auch mal ein kurzer Fluch raus - natürlich ohne, dass das Publikum dies mitbekommt. Odermatt hat alles im Griff, er fühlt sich wohl bei seinem Job und die Fans danken ihm. Fordert er zum «alle machen mit auf», johlen die Fans passend zur Musik mit: «Es ist so ein schöner Tag!» - wie recht sie doch haben.

Gino Caviezel nach Adelboden

Erlebt hat Odermatt vieles, Anekdoten könnte er ohne Ende erzählen. Geblieben sind dem Speaker vor allem auch Begegnungen mit grossen Sportlern. Alberto Tomba adelte ihn einst als «Bellissimo Speaker» oder Hermann Maier lobte noch eine Woche nach dem Rennen: «Danke für die faire Berichterstattung.» Es liegt Odermatt am Herzen, dass alle Fahrer gleich behandelt und unterstützt werden. Es ist ihm in den letzten Jahren gelungen, dies im Publikum zu verankern. Odermatt heizt ein, bis die grösste Zieltribüne im Weltcupzirkus wackelt. Auch nach 22 Jahren hat er nicht genug davon: «Ich bin ja noch jung. Solange sie mich wollen, mache ich weiter.» Wir dürfen uns also noch auf viele weitere Skifeste mit der Stimme von Adelboden freuen.

Ted Ligety vor den Adelboden-Rennen

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