Aktualisiert 20.07.2017 17:04

Streller über Oberlin«Er ist ein Spieler, der mehr Pflege braucht»

Das Ringen um den talentierten Torjäger Dimitri Oberlin hat ein Ende. Statt Besiktas Istanbul leiht ihn der FC Basel von Salzburg aus.

von
E. Tedesco, Basel

FCB-Sportchef Marco Streller spricht über den Transfer von Dimitri Oberlin zum FC Basel.

Der FC Basel hat sich im Angriff weiter verstärkt. Die Basler holen Dimitri Oberlin von Red Bull Salzburg zurück in die Schweiz. Der Schweizer U21-Internationale wechselt für eine Saison leihweise zum FCB. Der Schweizer Meister hat sich zudem eine Kaufoption gesichert. Über die Vertragsdetails wurde mit den Österreichern jedoch Stillschweigen vereinbart.

Sportchef Marco Streller freut sich über den Deal und ist stolz, dass der FCB ein Talent verpflichten konnte, «das Begehrlichkeiten geweckt hat und hinter dem viele Vereine in Europa her gewesen sind». Über die Qualitäten des 19-jährigen Angreifers sagt der ehemalige Nati-Stürmer: «Er ist ein junger, talentierter und beweglicher Spieler und passt perfekt in unser Konzept.»

Erste Kontakte im Mai

Man wollte einen jungen Spieler, aber einen, der dennoch nicht ganz unerfahren ist. Das ist Oberlin. Der Schweizer Nachwuchs-Internationale mit kamerunischen Wurzeln hatte in der abgelaufenen Saison in der österreichischen Bundesliga für den SC Rheindorf Altach in 20 Spielen 9 Tore erzielt. Im Winter holte ihn Salzburg zurück. Dort kam er, auch wegen einer Verletzung (Muskelbündelriss im Oberschenkel), nur noch zu 5 Einsätzen und schoss dabei ein Tor.

Trainer Raphael Wicky hebt die Dynamik Oberlins hervor und spricht davon, dass er ein Stürmer sei, der in die Tiefe geht und Zug aufs Tor hat. «Zudem passt er mit Jahrgang 1997 in unser Konzept und erfüllt alle Anforderungen, die wir uns vorgestellt haben.»

Dimitri Oberlin hat in Österreich einen Lauf

Dimitri Oberlin ist mit Altach der Mann der Stunde in der österreichischen Bundesliga. Der ehemalige FCZ-Junior erzählt warum er einen Lauf hat und warum Breel Embolo ein Vorbild ist. (23.8.2016)

Schlagzeilen neben dem Platz

Kein Thema für die Basler Führungscrew sind offenbar die privaten Probleme, die zuletzt in der österreichischen Presse Schlagzeilen gemacht haben. Der Stürmer soll nach Problemen mit seiner Freundin «mehrmals mit der Polizei zu tun gehabt haben, sogar eine Anzeige wegen leichter Körperverletzung steht im Raum», hat die «Kronen Zeitung» berichtet.

Für das Champions-League-Qualifikationsspiel der Salzburger gegen den maltesischen Meister Hibernians wurde der Stürmer aus dem Kader gestrichen. Im «Kurier» bezog Sportchef Christoph Freund damals Stellung: «Wir werden das intern regeln. Dass er sich nicht immer korrekt verhalten hat, steht allerdings ausser Frage.»

«Es ist viel geschrieben worden, aber wir kommentieren diese privaten Sachen nicht», sagt Bernhard Burgener dazu. Der FCB-Präsident gratulierte Streller zu seinem Coup und frohlockte, dass man die Verpflichtung vor den Medien verstecken konnte, ehe sie offiziell gemacht wurde.

Oberlin und die Ungeduld

Im Sommer 2015 verliess Oberlin, der seine Juniorenzeit bei Etoile-Broye und Lausanne verbracht hatte, den FCZ in Richtung Salzburg, weil er bei den Zürchern trotz Versprechungen nicht zum Einsatz kam. Er fühlte sich unverstanden und nicht ernst genommen. FCZ-Präsident Ancillo Canepa machte danach Andeutungen, Oberlin sei einfach zu ungeduldig gewesen und sein Umfeld habe stets Druck ausgeübt. Er habe sich zu oft mit Gleichaltrigen verglichen. Konkret mit Breel Embolo. Die beiden sind gute Freunde und telefonieren regelmässig miteinander.

«Ungeduld ist nicht unbedingt etwas Schlechtes», sagt Streller, der sich sicher ist, dass, wenn sich Oberlin in der Rückrunde nicht verletzt hätte, dessen Erfolgsgeschichte weitergegangen wäre. «Ich bin überzeugt, dass er sich durchsetzen wird, aber Gott sei Dank ist das das Problem des Trainers und nicht meins», sagt der FCB-Sportchef und lacht, fügt dann aber an: «Aber er ist sicher ein Spieler, der mehr Pflege braucht.»

Beim Startspiel am Samstag gegen YB wird der neue Stürmer noch nicht ins FCB-Trikot schlüpfen. Oberlin erhielt übers Wochenende frei, um seine Zelte in Salzburg abzubrechen und persönliche Angelegenheiten zu regeln. «Er wird ab Montag bei der Mannschaft sein.»

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