Aktualisiert 29.09.2009 09:15

Gangkrieg in Chicago

«Er ist kein böser Junge»

Mit unglaublicher Brutalität haben Jugendliche in Chicago einen Jungen zu Tode geprügelt. Jetzt wurden die Mütter der Täter erstmals mit den schockierenden Videoaufnahmen konfrontiert.

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Die Vorführung ist ein Schock für die Mütter. Sie müssen mitansehen, wie ihre Söhne den 16-jährigen Derrion Albert mit Stöcken und Füssen traktierten. «Silvonus ist kein böser Junge», sagt eine der Mütter. «Das ist Gene, das ist mein Sohn», sagt Sherry Smith, eine andere Mutter, als sie sieht, wie ihr 18-jähriger Sohn Eugene Riley zusammen mit drei Jugendlichen den Schüler Derrion Albert zu Tode prügelt.

Albert war nach Angaben der Behörden am Donnerstag auf dem Weg zur Bushaltestelle zwischen die Fronten zweier gegeneinander kämpfenden Jugendgruppen geraten. «Ich drücke der Familie des Opfers mein Beileid aus, weil ihr Kind nicht hätte sterben müssen», bedauert Smith nun unter Tränen. Ihr Sohn Eugene Riley und ein weiterer Schüler der Fenger High School in Chicago, der 19-jährige Silvonus Shannon, wurden zusammen mit dem 16-jährigen Eric Carson und dem 18-jährige Eugene Bailey am Montag wegen des Angriffs gegen Albert offiziell angeklagt.

Video unzensiert im Netz

Der 16-jährige Carson, der laut Anklage vor dem Gesetz als Erwachsener behandelt wird, habe als Erster mit einer Holzplanke auf Alberts Kopf geschlagen, sagte Jodi Peterson von der Staatsanwaltschaft in Chicago gegenüber US-Medien. Albert sei kurz ohnmächtig geworden. Als er aufwachte, sei er erneut von einer Gruppe Jugendlicher aus der Nachbarschaft Altgeld angegriffen worden. Dabei habe vor allem Shannon mehrmals auf seinem Kopf gestampft. Die Staatsanwaltschaft könne diese klare Aussagen aufgrund eines Videos machen, das seit Montag unzensiert im Internet zu sehen ist.

Tamaray Shannon, die Mutter des Angeklagten, behauptet, es habe in den letzten Wochen «viel Anspannung» in der Schule gegeben. Ihr Sohn sei selber Opfer von Mitgliedern der rivalisierenden Gang aus der Nachbarschaft Ville gewesen. Smith, die Mutter von Eugene Riley, hatte ihren anderen 17-jährigen Sohn Vashion einen Tag vor dem Vorfall aus der Schule genommen, weil sie um seine Sicherheit fürchtete.

Weder Riley noch Shannon sollen kriminelle Vorgeschichten haben. Nur Carson sei im Jahr 2008 wegen Diebstahl verurteilt worden und sei auf Bewährung in Freiheit gewesen, bestätigte Peterson. Trotz der schockierenden Aufnahmen ist Silvonus Shannon für seine Mutter «kein böses Kind.» «Er hat sich nur verteidigt», behauptet sie. «Silvonus ist nicht, wie sie ihn jetzt darstellen wollen.»

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