Interview mit Ahmet Schaefer - Er ist Zürcher, besitzt 3 Fussballclubs und spielt nun in der höchsten Liga
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Interview mit Ahmet SchaeferEr ist Zürcher, besitzt 3 Fussballclubs und spielt nun in der höchsten Liga

Clermont Foot ist in die Ligue 1 aufgestiegen. Was aber kaum ein Fussball-Fan hierzulande weiss: Der Club gehört dem Schweizer Ahmet Schaefer. Wir haben mit ihm gesprochen.

von
Tobias Wedermann
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Der Schweizer Ahmet Schaefer hat schon vieles in seinem Leben erreicht. Er arbeitete eng mit Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter zusammen – und seiner Firma Core Sports Capital gehören drei Fussballclubs. 

Der Schweizer Ahmet Schaefer hat schon vieles in seinem Leben erreicht. Er arbeitete eng mit Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter zusammen – und seiner Firma Core Sports Capital gehören drei Fussballclubs.

Einer von ihnen ist Clermont Foot. Dieser ist soeben in die Ligue 1 aufgestiegen. 

Einer von ihnen ist Clermont Foot. Dieser ist soeben in die Ligue 1 aufgestiegen.

Stürmer Mohamed Bayo wurde mit 22 Goals Torschützenkönig. 

Stürmer Mohamed Bayo wurde mit 22 Goals Torschützenkönig.

imago images/PanoramiC

Darum gehts

  • Ahmet Schaefer ist Fussball-Unternehmer. Seiner Firma Core Sports Capital gehören drei Clubs in ganz Europa.

  • Mit Clermont Foot ist er zuletzt in die höchste französische Liga aufgestiegen.

  • Im Interview spricht er mit uns über seine Ziele, was er mit dem Club vorhat – und warum er keinen Club in der Schweiz besitzt.

Ahmet Schaefer, Sie sind Präsident und Besitzer von Clermont Foot, die nun in die höchste französische Fussballliga aufgestiegen sind. Wie verkatert sind Sie von den Partys?

Ahmet Schaefer: In Frankreich wurden kurz vor dem Ende der Saison die Massnahmen gelockert, weshalb wir mit ein paar Fans feiern konnten. Das war sehr schön. Zumal der Club auch noch 30-jähriges Jubiläum feiert. Nun wartet aber viel Arbeit auf uns.

Ihrer Firma Core Sports Capital gehört der Club seit März 2019. Haben Sie erwartet, dass der Aufstieg schon nach zwei Jahren klappt?

Wir hatten bei der Übernahme das Ziel, dass wir nach drei bis fünf Jahren regelmässig in den oberen Plätzen sind und um den Aufstieg spielen. Die ganz grosse Überraschung ist es aber nicht. Wir hätten vor einem Jahr schon um den Aufstieg gespielt, wenn es nicht zum Saisonabbruch gekommen wäre, und wir haben mit Pascal Gastien einen herausragenden Trainer.

Sie sind Unternehmer. Wollen Sie jetzt die grossen TV-Gelder in der höchsten Liga mitnehmen, um Gewinn zu machen, oder investieren Sie auch in die Mannschaft, um einen Klassenerhalt zu realisieren?

Wir haben leider in Frankreich eine sehr unsichere Situation bei den TV-Geldern. Ein neuer Player hatte sich die Rechte für rund 1,3 Milliarden Euro gesichert und ging schon nach wenigen Monaten in Konkurs. Es ist daher extrem schwierig, für die kommende Saison zu planen. Aber es kann auch Vorteile bringen.

Inwiefern?

Viele Mannschaften haben ihren Kader aufgrund der 1,3 Milliarden aufgebaut. Da wird sich sicher die eine oder andere Chance ergeben, um gute Spieler auszuleihen, weil die Clubs ihre Lohnbudgets reduzieren müssen. Wir würden uns gerne mit fünf bis sechs Spielern verstärken.

Und Ihre Stars? Ihr Stürmer Mohamed Bayo wurde mit 22 Goals Torschützenkönig. Da gibt es bestimmt viele Interessenten, um Transfererlöse zu erzielen.

Wir definieren uns über das Kollektiv, nicht über einzelne Spieler. Deshalb ist es wichtig, dieses Team grösstenteils zusammenzuhalten – natürlich inklusive Bayo. Einige Spieler gehen nun auch zusammen in die Ferien. Es macht grossen Spass, diesen Teamspirit zu sehen.

Ausländische Investoren oder Mäzene sind bei den Fans nicht immer die beliebtesten Personen in einem Club. Was halten sie in Frankreich vom Zürcher Besitzer Ahmet Schaefer?

Der Vorbesitzer kommt aus Clermont und wollte den Verein in guten Händen haben. Wir haben über Monate viele Gespräche geführt, die Fangruppen kennengelernt, Sponsoren oder den Bürgermeister. Am Schluss konnten wir einfach alle Involvierten von unserem Konzept überzeugen.

Es wird von vier Millionen Euro berichtet, die Sie und Ihre Firma für Clermont Foot bezahlt haben. Wie viel ist der Club nach so einem Aufstieg nun wert? Jetzt könnten Sie ja Gewinn machen.

Es war klar weniger, aber kommentieren kann ich diese Zahlen natürlich nicht. Der Club ist aktuell sicher zwischen 40 und 50 Millionen Euro wert. Wir sind Fussball-Unternehmer, die gewinnorientiert arbeiten mit einem knallharten Businessmodell. Aber unser Konzept hat einen langfristigen Plan, und es würde keinen Sinn ergeben, dass wir mit Clermont unser Filetstück nun verkaufen.

Wie sieht dieses Konzept denn aus?

Wir haben eine Allianz aus drei Fussballclubs, die uns gehören. Clermont Foot in Frankreich, Vendyssel FF in Dänemark und Austria Lustenau in Österreich. Alles ursprüngliche Zweitliga-Clubs, in denen wir Synergien nutzen. Alle spielen das gleiche System, alle Clubs werden von sechs Leuten aus unserer Holding aus der Schweiz geführt, wie ein Start-up und nicht, wie in den meisten Clubs, traditionell über einen Präsidenten, einen CEO und einen Sportdirektor.

«Ich wäre viel mehr im medialen Fokus in der Schweiz als in einem Nachbarland oder in Nordeuropa.»

Ahmet Schaefer

Wie sehen die Synergien aus?

Wir können etwa ein gemeinsames Scouting betreiben oder Spieler unter den Clubs verleihen. Aktuell haben wir beispielsweise vier Clermont-Spieler, die in Lustenau spielen und dort Spielpraxis bekommen. Eine Win-Win-Situation. Wir wollen junge Talente in den Regionen früh entdecken, integrieren und innerhalb der Club-Allianz fördern.

Fehlt da nicht ein Schweizer Club in Ihrer Allianz?

Wir haben uns sowohl Clubs in der Challenge League wie auch in der Super League angeschaut. Aktuell sind wir mit drei Clubs komplett ausgelastet. Zudem kommen wirtschaftliche Punkte, die in der Schweiz nicht stimmen für uns als Unternehmer.

Zum Beispiel?

Geringe Einnahmen durch TV-Rechte, Arbeitsbedingungen für Nicht-EU-Spieler, Löhne sowie hohe Lebenshaltungskosten. Hinzu kommt ein persönlicher Aspekt: Ich wäre viel mehr im medialen Fokus in der Schweiz als in einem Nachbarland oder in Nordeuropa.

Mit Haris Tabakovic spielt ein Schweizer bei ihrem Verein Austria Lustenau. Könnte es sein, dass wir ihn nächste Saison bei Clermont sehen?

Ihre Frage ist berechtigt, aber ich denke, dass wir in Clermont mit Bayo im Sturm eine weitere Saison in Angriff nehmen werden.

Sie sind 39 Jahre alt, haben schon eng mit Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter gearbeitet und nun gehören Ihnen drei Clubs. Ein steiler Karriereweg.

Ich habe an der Uni Zürich Wirtschaft studiert und hatte Glück, dass Herr Blatter sein Büro neu organisieren wollte mit jungen Personen. Bei der Fifa konnte ich mir ein grossartiges Netzwerk aneignen. Nachher habe ich erst aus London und dann Dubai für MP & SILVA TV-Rechte im Nahen Osten und Asien vermarktet und nun dreht sich alles um Core Sports Capital. Und natürlich um meine Familie mit unseren drei Kindern.

Welche Pläne haben Sie für die nahe Zukunft?

Natürlich wollen wir den Klassenerhalt mit Clermont Foot schaffen. Mit Core Sports Capital werden wir zudem unser Datenanalysesystem, Football Impulse, auf den Markt bringen und vermarkten. Zudem bieten wir in der Holding auch Beratermandate an, die wir ebenfalls weiter ausbauen können. Der Erfolg mit Clermont gibt unserer Firma und unserem Know-How so auch mehr Glaubwürdigkeit.

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