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Fall München«Er kapiert noch nicht, was er angestellt hat»

Die Tat mache dem 16-Jährigen schwer zu schaffen, sagt der Verteidiger eines Küsnachter Schlägers. Und: Der Jugendliche hatte keine Ahnung, welche Empörung seine Gewaltorgie ausgelöst hat.

von
Annette Hirschberg

Völlig abgeschlossen von der Öffentlichkeit sitzen die drei Schläger von Küsnacht in München in U-Haft. Die drei 16-jährigen Schüler haben am vergangenen Dienstag auf einer Klassenreise in München völlig grundlos zahlreiche Passanten attackiert und dabei einen 46-jährigen Versicherungskaufmann halb tot geschlagen. Welche Wellen ihre Gewaltorgie beim Sendlinger Tor in den Medien und der Öffentlichkeit geworfen hat, ahnen sie jedoch nicht.

«Die Aussicht auf Jahre im Gefängnis hat ihn geschockt»

«Er kapiert nicht so richtig, was er da angestellt hat», bestätigt Florian Schneider, Anwalt von Schüler Mike B. Er hat mit dem 16-Jährigen ein längeres Gespräch geführt und ihn über seine Lage aufgeklärt. Etwa, dass ihm mehrere Jahre Gefängnis blühen könnten. «Er war völlig geschockt, als ich es ihm erklärte», sagt Rechtsanwalt Schneider. Auch von der grossen Empörung, die seine Tat auslöste, hat Mike B. nichts mitbekommen. «In der U-Haft ist er völlig abgeschnitten von Pressemeldungen und Fernsehbeiträgen.» Laut Informationen von «Radio 1» sollen die Eltern von Mike ihren Sohn noch heute in der deutschen Justizvollzugsanstalt besuchen gehen.

Die Tat macht dem 16-Jährigen zu schaffen

Eines ist für Florian Schneider nach der ersten Begegnung mit seinem Mandanten aber klar. «Die Tat macht dem 16-Jährigen ganz schwer zu schaffen und tut ihm sehr leid.» Warum er sich der Polizei gegenüber offenbar reuelos zeigte, darüber kann Schneider nur mutmassen. «Vielleicht war es seine jugendliche Art sich cool zu geben, vielleicht spielte der Alkohol eine Rolle», sagt er. Was sich genau in jener Nacht und bei der Vernehmung abgespielt hat, weiss der Anwalt noch nicht. Akteneinsicht werde er wohl erst am Dienstag erhalten.

Eher kein Antrag auf Haftentlassung

Dann werde er auch prüfen, ob es Sinn mache, Antrag auf Haftentlassung zu stellen. «So wie sich die Faktenlage derzeit präsentiert, ist das aber eher unwahrscheilich.» Seinem Klienten habe er geraten, einen Entschuldigungsbrief an den schwer verletzten 46-Jährigen zu schreiben. Auch Schneider selbst möchte Kontakt zum Opfer suchen. «Falls dieser das nicht ablehnt.»

Schweizer Schüler prügeln in München

Drei Schüler aus dem Kanton Zürich sitzen seit Mittwoch in München in Untersuchungshaft. Sie werden des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung beschuldigt. Am Dienstagabend (30.6.09) tranken und kifften sie und gingen danach wahllos auf Passanten los. Einen verletzten sie lebensgefährlich. Die Jugendlichen befanden sich mit ihrer Klasse des 10. Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) in einer externen Kurswoche in München.

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