Opfer von Finanztrickser - «Er konnte mir auf alle Fragen eine Antwort liefern»

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Opfer von Finanztrickser«Er konnte mir auf alle Fragen eine Antwort liefern»

Wie wickelte er seine Anleger um den Finger? Geschädigte berichten, wie der Baselbieter Finanztrickser vorging und ihr Vertrauen gewonnen hatte.

von
Lukas Hausendorf
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Im Herbst 2018 hat der Baselbieter angefangen, in seinen Instagram-Storys mit grossen Trading-Gewinnen zu prahlen. Im Dezember soll er 15 Millionen Franken Profit erzielt haben.

Im Herbst 2018 hat der Baselbieter angefangen, in seinen Instagram-Storys mit grossen Trading-Gewinnen zu prahlen. Im Dezember soll er 15 Millionen Franken Profit erzielt haben.

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Die Erfolgsstorys dienten auch dazu, Coachings zu vermarkten.  Dies noch bevor seine Fitness-Einzelfirma im Handelsregister zum Financial-Consulting-Unternehmen umgeschrieben war. Einer seiner über 100’000 Follower, Arton G.*, zeigte Interesse an einem Coaching.

Die Erfolgsstorys dienten auch dazu, Coachings zu vermarkten. Dies noch bevor seine Fitness-Einzelfirma im Handelsregister zum Financial-Consulting-Unternehmen umgeschrieben war. Einer seiner über 100’000 Follower, Arton G.*, zeigte Interesse an einem Coaching.

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Arton war allerdings kein so begnadeter Trader wie er und fragte diesen in der Folge, ob er für ihn traden könne.

Arton war allerdings kein so begnadeter Trader wie er und fragte diesen in der Folge, ob er für ihn traden könne.

Privat

Darum gehts

  • Der Baselbieter machte als Trader angeblich Millionengewinne und buhlte damit um Anleger, die er auf Instagram mit Coachings anlockte.

  • Zwei Geschädigte, die bei ihm investierten, schildern, wie sie dem Finanztrickser auf den Leim gegangen sind.

  • Im persönlichen Kontakt sei er sehr überzeugend gewesen. Aber als sie misstrauisch wurden, sei der Kontakt abgebrochen.

Vom Fitness-Unternehmer zum Finanzgenie, auf Instagram legte er eine bemerkenswerte Karriere hin. Während völlig unklar ist, ob der 25-jährige Baselbieter je irgendeine Qualifikation in der Finanzbranche erlangt hat, vollzog er den Wandel hin zum CEO der eigenen Financial-Consulting-Einzelunternehmung im Handelsregister innerhalb eines Tages am 13. Dezember 2018.

Bereits im Oktober 2018 hatte der vormalige Fitness-Unternehmer angefangen, für seine Trading-Coachings zu werben. 115’000 Follower sind keine schlechte Grundlage für so ein Geschäft. Sein Lifestyle habe ihn beeindruckt, erzählt ein Geschädigter, der 8000 Franken bei ihm investierte. Der HSG-Student aus Basel wollte, wie alle Geschädigten, mit denen 20 Minuten gesprochen hat, anonym bleiben. Er habe sich dann bei Freunden, die mit ihm bekannt waren, über ihn erkundigt. «Von allen Seiten wurde mir bestätigt, dass er sein Geld selber verdient und durch Trading erwirtschaftet hat.»

Auf Instagram prahlte er mit fetten Profiten

Auch Arton G.* biss an. Der junge Mann aus Zürich arbeitet selbst in der Finanzbranche und verfolgte die Aktivitäten des jungen Fitness-Influencers schon länger und mit besonderem Interesse, seit dieser angefangen hatte, über fette Profite im Trading zu berichten. So soll er im Dezember 2018 innert zwei Wochen mit Trading-Geschäften 15 Millionen Franken verdient haben. «Über Monate hinweg hat er solche Gewinne in seinen Instagram-Storys gepostet», erzählt Arton.

Beide berichten auch von persönlichen Treffen, bei denen der Trader stets einen überzeugenden Eindruck gemacht habe. Für die Treffen wählte er noble Adressen aus wie das Basler Grand Café Huguenin oder das Baur au Lac in Zürich.

Arton bezahlte zunächst 2500 Franken für ein Coaching. «Er konnte mir auf alle Fragen eine Antwort liefern», sagt Arton. Allerdings hatte er nicht so ein gutes Händchen beim Traden wie sein Coach. «Da habe ich ihn gefragt, ob er für mich traden könnte», erzählt Arton.

«Du darfst es weiterempfehlen, aber bitte diskret»

Alles kein Problem. Es laufe wie bei einem Fonds. Er verlange einfach 20 Prozent des erzielten Gewinns. Ausschüttungen seien monatlich oder quartalsweise möglich. Und die Erwartungen an den Profit waren hoch. Arton G. hoffte mit seinem Investment innert eines Jahres zum Millionär zu werden und sein «Coach» bremste seine Euphorie nicht. Rein mathematisch sei seine Berechnung korrekt. «Ich habe bis jetzt immer eine Performance von 20 bis 100 Prozent erzielt», behauptete er in einer Mail. Und fügte an: «Du darfst es gerne weiterempfehlen.» Er solle aber diskret damit umgehen, da das Minimum-Investment eigentlich bei fünf Millionen liege. Investments darunter nehme er momentan nur an, um Leuten «die Türen in diese Welt zu öffnen». Aber es wäre toll, könne er Leute dafür begeistern. Dafür würde er auch mit einer Provision entlohnt.

Arton investierte 35’000 Franken, die als «Extra-Coaching» deklariert waren, weil er der Bank nichts von der «Verwaltung» erzählen soll. Einen schriftlichen Vertrag gab es auch nicht. Aber Arton empfahl das vermeintliche Finanzgenie in seinem Umfeld weiter und rekrutierte so mehrere neue Anleger.

Grosse Rendite, aber nichts Schriftliches

Das Investment entwickelte sich scheinbar prächtig. 47 Prozent im März, 44 Prozent Plus im April. Die Erfolgsmeldungen kamen über Whatsapp, echte Reportings gab es nicht. Dann beantragte Arton eine Gewinnauszahlung. Zunächst hiess es, im Oktober sei es möglich, aber er müsse das mindestens zwei Wochen im Voraus ankündigen bei den Banken.

Arton wurde misstrauisch. «Hand aufs Herz», schrieb er. «Es gibt nichts Schriftliches und ich kann nicht mit gutem Gewissen schlafen, dass auf Empfehlung von mir, Leute in meinem Umfeld Geld bei dir angelegt haben und alles eine Lüge ist. Ich bitte um dein ehrliches Feedback.»

Dieser entgegnete, dass er immer «100 Prozent» ehrlich sei. Er stehe schliesslich mit seinem Namen hinter all dem und er müsse sich keine Sorgen machen. «Aber völlig verständlich, deine Frage.»

Und plötzlich wurde der Kontakt gekappt

Im Oktober berichtete der Jungtrader dann plötzlich von einem Verlust. Arton verlangte einen Nachweis. «Doch nichts kam», erzählt er. «Zwei Monate lange hatte ich vergeblich nachgehakt. Meinen Bekannten ging es genau gleich.» Und dann kappte der Baselbieter auch den Kontakt. Whatsapp, E-Mail, Anrufe, alle Versuche liefen spätestens ab dem 12. März 2020 ins Leere. Gleiches erzählt auch der HSG-Student. Als er im Januar 2020 nach Reportings fragte, sei er vertröstet worden und der Kontakt wurde brüchig. «Am 9. März fragte ich ihn, wie es mit dem Investment aussieht. Keine Antwort.»

Am 15. April 2020 wurde seine Firma infolge einer Geschäftsaufgabe aus dem Handelsregister gelöscht und er meldete sich nach Italien ab. Der 25-Jährige ist italienischer Staatsangehöriger. Die gesamten Mail- und Chatverläufe mit ihm hat Arton gesichert. Am 20. April ging er damit zur Kantonspolizei Zürich und stellte Strafanzeige. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

*Name der Redaktion bekannt

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