Nach Amok in Serbien: «Er konnte nicht einmal auf eine Ameise treten»
Aktualisiert

Nach Amok in Serbien«Er konnte nicht einmal auf eine Ameise treten»

In Serbien herrscht nach dem Amoklauf eines Kriegsveteranen südlich von Belgrad Staatstrauer. Derweil rätselt das Land um die Motive. Die Frau des Täters ist erschüttert.

Einen Tag nach dem Amoklauf eines Kriegsveteranen südlich von Belgrad trägt Serbien am Mittwoch Trauer. Die Fahnen an öffentlichen Gebäuden standen auf halbmast. Das Rätselraten um das Motiv des 60-jährigen Täters ging weiter.

Die Frau des Amokläufers hat nach eigenen Angaben keine Erklärung für die Tat ihres Mannes, der am Dienstagmorgen 13 Menschen erschossen hatte. «Er war aufbrausend, aber so etwas hätte ich mir nie träumen lassen», sagte Javorka Bogdanovic laut einem Bericht der Tageszeitung «Vecernje Nowosti» der Polizei.

Nichts habe vorher auf seine furchtbare Tat hingewiesen. Welche Motive ihr Mann hatte, könne sie sich nicht vorstellen. Auch die Zwillingstöchter des Amokläufers zeigten sich Medienberichten zufolge fassungslos über die Tat ihres Vaters. «Er konnte nicht einmal auf eine Ameise treten», erklärten sie demnach.

Die Verwandten versicherten, noch bis zum Vorabend sei in der Familie alles normal und harmonisch abgelaufen. Die Belgrader Zeitung «Nase novine» will dagegen herausgefunden haben, dass es in der Familie des Amokläufers zahlreiche psychische Probleme gegeben hatte. Auch die Polizei rätselte am Mittwoch über den Beweggrund des 60-Jährigen.

Der Mann hatte am frühen Dienstagmorgen im Dorf Velika Ivanca südlich von Belgrad 13 Verwandte und Nachbarn, darunter sechs Frauen und ein zweijähriges Kind, erschossen. Auch auf seine Frau gab er Schüsse ab und verletzte sie schwer, bevor er sich selbst in den Kopf schoss.

Täter liegt im Koma

Der Mann lag am Mittwoch weiterhin im Koma, sein Zustand war laut einer Spitalsprecherin «kritisch». Seine Ehefrau dagegen sei ausser Lebensgefahr.

Die serbische Regierung ordnete für Mittwoch landesweite Trauer an. Die Fahnen flatterten auf halbmast. Alle Musikveranstaltungen wurden abgesagt. Die meisten Tageszeitungen brachten auf ihren Titelseiten Fotos von schockierten Hinterbliebenen der Opfer.

Die Tat stiess in Serbien auch eine Debatte über strengere Waffengesetze an. «Die Gesellschaft sollte mehr Aufmerksamkeit darauf verwenden, solche Verbrechen zu verhindern», sagte Ministerpräsident Ivica Dacic.

Polizeichef Milorad Veljovic sagte dem Fernsehsender RTS, ein Gesetz für strengere Vorschriften solle in den nächsten Tagen dem Parlament vorgelegt werden. Es schreibe vor, dass Inhaber von Waffenscheinen sich alle drei bis fünf Jahre einer medizinischen Untersuchung unterziehen müssten. (sda)

Deine Meinung