Studie zu Corona-Impfstoffen : Er lässt sich freiwillig mit dem Coronavirus infizieren
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Studie zu Corona-Impfstoffen Er lässt sich freiwillig mit dem Coronavirus infizieren

Für eine britische Studie werden Freiwillige gesucht, die sich mit dem Coronavirus infizieren lassen. Der 18-jährige Alastair Fraser-Urquhart hat sich bereits angemeldet – und will nicht einmal Geld dafür.

von
Karin Leuthold
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Alastair Fraser-Urquhart aus der englischen Stadt Stoke-on-Trent hat sich für eine wissenschaftliche Studie angemeldet, für die Probanden mit dem Coronavirus infiziert werden sollen.

Alastair Fraser-Urquhart aus der englischen Stadt Stoke-on-Trent hat sich für eine wissenschaftliche Studie angemeldet, für die Probanden mit dem Coronavirus infiziert werden sollen.

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Die britische Regierung fördert die Studie des Londoner Imperial College in Zusammenarbeit mit dem Londoner Royal Free Hospital mit 33,6 Millionen Pfund (42,2 Millionen Franken).

Die britische Regierung fördert die Studie des Londoner Imperial College in Zusammenarbeit mit dem Londoner Royal Free Hospital mit 33,6 Millionen Pfund (42,2 Millionen Franken).

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An der weltweit ersten Studie dieser Art dürfen bis zu 90 Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren teilnehmen.

An der weltweit ersten Studie dieser Art dürfen bis zu 90 Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren teilnehmen.

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Darum gehts

  • In Grossbritannien findet in den kommenden Wochen eine wissenschaftliche Studie statt, bei der Freiwillige mit dem Coronavirus infiziert werden.

  • Am Experiment dürfen bis zu 90 Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren teilnehmen.

  • Einer davon ist der 18-jährige Alastair Fraser-Urquhart, der von seinen Ängsten und seiner Motivation erzählt.

Grossbritannien startete am Mittwoch einen Aufruf, um Probanden absichtlich mit dem Coronavirus zu infizieren. Im Dienste der Wissenschaft, versteht sich. Als einer der ersten Freiwilligen meldete sich der 18-jährige Alastair Fraser-Urquhart aus der englischen Stadt Stoke-on-Trent südlich von Manchester an. Der junge Medizinstudent macht nicht aus Not, sondern aus voller Überzeugung bei der Studie mit. «Hätte man schon früher damit begonnen, hätten wir möglicherweise schon vor Weihnachten einen Impfstoff gehabt», sagt er gegenüber der britischen Zeitung The Guardian.

Beim Experiment handelt es sich um die weltweit erste «Human Challenge»-Studie zu Sars-CoV-2. Bis zu 90 Freiwillige zwischen 18 und 30 Jahren werden in einer «sicheren und kontrollierten Umgebung» dem Virus ausgesetzt. Gesucht werden gesunde, junge Menschen, die zuvor nicht geimpft wurden. Dafür werden sie mit 4500 Pfund (umgerechnet etwa 5650 Franken) belohnt.

Alastair Fraser-Urquhart macht aber nicht wegen des Geldes mit. Er werde es an die Organisation People's Vaccine Alliance spenden, die sich weltweit für einen gerechteren Zugang zu Impfstoffen einsetzt. «Ich halte die Entschädigungen für eine gute Sache, doch es gibt Leute, die glauben, dass Freiwillige nur wegen des Geldes bei Tests mitmachen. Darum ist es jetzt auch gut, wenn sie hören, dass es jemand gibt, der öffentlich sagt, dass er kein Geld annehmen wird.»

«Ich habe diese Risiken akzeptiert.»

Alastair Fraser-Urquhart

Für den Test wird der 18-Jährige im Royal Free Hospital in London mit dem Coronavirus durch ein Nasenspray infiziert. Dann bleibt er für 17 Tage in einem abgeschlossenen Abteil, um andere nicht anzustecken. «Natürlich mache ich mir etwas Sorgen um allfällige Folgen nach einer Covid-19-Erkrankung. Es gibt Risiken, die wir nicht kennen. Werde ich mit 50 Jahren ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben, weil ich das Coronavirus hatte?» Die Risiken seien ein Bestandteil der Studie, sagt er. «Ich habe diese Risiken akzeptiert.»

Seine Familie sei von seinen Plänen nicht begeistert, sagte Alastair Fraser-Urquhart, aber «sie verstehen, was ich tue und warum ich es tue, und sie unterstützen mich.»

Die Ergebnisse sollen bei der Entwicklung von Impfstoffen helfen

Das Projekt soll in den kommenden Wochen starten. Dabei wollen die Wissenschaftler unter anderem herausfinden, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert und wie Infizierte Viruspartikel in die Umgebung abgeben. Die Studie wird auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Impfstoffen spielen.

In Folgestudien könnten Probanden mit einem neuen Wirkstoff geimpft und dann dem Virus ausgesetzt werden, gab das Imperial College auf seiner Website bekannt. Dieses Vorgehen bei der Erprobung von Impfstoffen hat den Vorteil, dass die Wirksamkeit vergleichsweise effizient getestet werden kann. Das übliche Verfahren sieht hingegen vor, Zehntausende zu impfen und dann zu schauen, ob sich weniger Menschen auf natürliche Weise infizieren als in einer nicht geimpften Kontrollgruppe.

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