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Vermisster StudentEr leckte die Wände der Höhle ab, um zu überleben

Lukas Cavar (19) harrte 60 Stunden in der Sullivan-Höhle im US-Staat Indiana aus. Seine Kollegen hatten ihn dort versehentlich eingeschlossen.

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Lukas Cavar (19) wurde am 17. September 2017 in der Sullivan-Höhle im Süden Indianas nach einer Wanderung eingeschlossen.

Lukas Cavar (19) wurde am 17. September 2017 in der Sullivan-Höhle im Süden Indianas nach einer Wanderung eingeschlossen.

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Als Cavar den Eingang erreichte, hatten die Mitglieder des Höhlenwanderclubs den Eingang ahnungslos abgeschlossen und waren heimgegangen. 60 Stunden harrte er in der Höhle aus, bevor er von seinen Kollegen gerettet wurde.

Als Cavar den Eingang erreichte, hatten die Mitglieder des Höhlenwanderclubs den Eingang ahnungslos abgeschlossen und waren heimgegangen. 60 Stunden harrte er in der Höhle aus, bevor er von seinen Kollegen gerettet wurde.

Screenshot Indiana Karst Conservancy
Er habe kein Mobilfunknetz gehabt und erst einmal stundenlang um Hilfe geschrien, in der Hoffnung, dass ihn Autofahrer auf der nahen Strasse hören könnten. «Ich brauchte eine Weile, um meine Gefühle in den Griff zu bekommen und die Dinge analytisch anzugehen», sagte Cavar.

Er habe kein Mobilfunknetz gehabt und erst einmal stundenlang um Hilfe geschrien, in der Hoffnung, dass ihn Autofahrer auf der nahen Strasse hören könnten. «Ich brauchte eine Weile, um meine Gefühle in den Griff zu bekommen und die Dinge analytisch anzugehen», sagte Cavar.

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Er hatte sich dem Höhlenwanderclub angeschlossen, «um Menschen kennen zu lernen». Der Ausflug am Sonntag vor einer Woche zur Sullivan-Höhle im Süden des US-Staats Indiana war für den 19-jährigen Lukas Cavar das erste grosse Abenteuer. Doch das ging mächtig schief: Der Physik-Student blieb nach der Wanderung fast drei Tage in der Höhle eingeschlossen, weil ihn die anderen Teilnehmer vergessen hatten.

Der «Washington Post» erzählt Cavar von seiner Verzweiflung, als er merkte, dass er allein zurückgeblieben und das Eingangstor zur Höhle mit einem Schloss wieder verriegelt worden war: «Mein erster Gedanke war, ich werde in dieser Höhle sterben.»

Er habe kein Mobilfunknetz gehabt und erst einmal stundenlang um Hilfe geschrien, in der Hoffnung dass ihn Autofahrer auf der nahen Strasse hören könnten. «Ich brauchte eine Weile, um meine Gefühle in den Griff zu bekommen und die Dinge analytisch anzugehen», sagte Cavar.

Die Wahl zwischen Fledermäusen oder Kälte

Als es draussen eindunkelte, sei ihm allmählich klar geworden, dass er mit einen Überlebensplan fassen müsse. Er habe nur leichte Kleidung, Wanderstiefel und einen Helm gehabt. Ausserdem eine Plastiktüte, die Verpackung zweier Energieriegel, zwei leere Wasserflaschen, sein iPhone und sein Portemonnaie, erzählt Cavar.

Zunächst habe er versucht, das Schloss mit einer Büroklammer zu öffnen – erfolglos. Mit der Dunkelheit kamen auch die Fledermäuse. «Ich hatte Angst, dass ich gebissen und an Tollwut erkranken würde.» Der 19-Jährige entschied sich darum, etwas tiefer in die Höhle zu steigen. Wo es aber fürchterlich kalt war.

Spinnen und Molche

Irgendwann habe er Hunger und Durst bekommen. Mit den Wasserflaschen versuchte er Regenwasser aufzufangen. Auch die feuchten Höhlenwände habe er abgeleckt, um seinen Durst zu stillen. Vor lauter Hunger habe er überlegt, Grillen zu sammeln, es aber nicht über sich gebracht, eine zu essen.

In der zweiten Nacht habe er begonnen, auf seinem Handy Abschiedsbotschaften an seine Familie und seine Freunde zu tippen. «Hoffentlich ist der Temperatursturz nicht so drastisch. Schlangen und Fledermäuse kommen zum Vorschein. Es scheint, Halloween findet etwas früher statt», schrieb er. In einer anderen Notiz: «Zahlreiche Molche um mich herum. Mögliche Nahrungsquelle? Spinnen auch. Beunruhigend. Ich habe so viele wie möglich in meiner Nähe getötet. Ich denke an meine Familie.»

Spaghetti und ein angebissener Big Mac

Am Dienstagnachmittag hoffte Cavar, dass endlich jemand sein Fehlen bemerken würde – denn er hätte Vorlesungen gehabt. «3.45 Uhr nachmittags. Habe heute alle Vorlesungen verpasst. Sicherlich hat das schon jemand bemerkt.»

Tatsächlich: Zwei Clubmitglieder schöpften Verdacht, eilten am späten Dienstagabend zur Höhle zurück und fanden Cavar, der hinter dem Eingang eingeschlafen war. Auch die Eltern hatten ihren Sohn inzwischen als vermisst gemeldet. «Ich bin wirklich froh, am Leben zu sein. Es ist das Gefühl, eine zweite Chance bekommen zu haben», sagte der Gerettete.

Endlich konnte der Teenager auch seinen Hunger stillen. Ein Freund war mit einer Portion Spaghetti gekommen, der andere hatte einen, allerdings schon angebissenen, Big Mac dabei.

Gruppe vergass, Teilnehmer durchzuzählen

Der Studentenzeitung «Indiana Daily Student» erklärte Cavar dann auch, wie es überhaupt so weit kommen konnte: Er habe sich auf dem Weg aus der Höhle vor dem sogenannten Backbreaker-Korridor gefürchtet. An dieser Stelle ist die Decke so niedrig, dass die Wanderer sich bücken oder gar kriechen müssen. Er habe sich beeilt, um die erste Gruppe zu erreichen «und es so rasch wie möglich hinter mich zu bringen», sagt der Student. Dabei verlief er sich offenbar.

Der Präsident des Höhlenwanderclubs kritisierte, die Mitglieder hätten sich nicht an die strikten Regeln gehalten. Zu denen gehöre es, am Ende einer Expedition die Teilnehmer durchzuzählen.

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