Vater Guerdat : «Er mag die Medien ja eigentlich nicht»
Aktualisiert

Vater Guerdat «Er mag die Medien ja eigentlich nicht»

Hinter jedem Olympiasieger steht ein starkes Team. Für Steve Guerdat war Vater Philippe die wichtigste Person auf dem Weg zur Medaille. Er erlebte den triumphalen Moment aus nächster Nähe mit.

Als Philippe Guerdat vom Abreitplatz kommt, ist er immer noch leicht ausser Atem. Nicht wegen allzu grosser körperlicher Anstrengung, sondern weil er den stolzesten und nervenaufreibendsten Moment seines langen Reitsportlebens miterlebt hat. «Ich habe enorm mitgelitten, das war eine ganz schwierige Situation», beschreibt er sein persönliches «Goldfieber» im Gespräch mit der «Sportinformation». Der Vater des Olympiasiegers, selber an den Olympischen Spielen 1984 und 1988 in der Schweizer Springreiter-Equipe, hatte mit seinem Sohn mitgefiebert und dabei eine Anspannung erlebt wie nie zuvor in seiner Karriere: «Das lässt sich mit überhaupt nichts vergleichen.»

Dass Philippe Guerdat den Triumph in einem fremden Dress – er ist Equipenchef der Belgier – miterlebte, tat seiner Begeisterung keinen Abbruch. Und auch nicht der Wichtigkeit für seinen Sohn, wie der neue Champion in der Pressekonferenz erklärte: «An diesem Gold haben viele Leute Anteil, alle mit einer unterschiedlichen Rolle. Mein Vater war aber vom ersten Tag an dabei und hat als Einziger alles miterlebt. Er trainiert mich heute zwar nicht mehr, ist aber Tag und Nacht für mich da, wenn ich ihn brauche.»

Vom eigenen Sohn beeindruckt

Guerdat Senior, der während des Gesprächs immer wieder von Gratulanten unterbrochen wird, unter anderem von Rodrigo Pessoa, der ihm freundschaftlich auf den Rücken schlägt, hat auch die schwierigen Stunden miterlebt. Ob Höhepunkt oder Tiefschlag. Er war immer beeindruckt von der Zielstrebigkeit seines Sohnes: «Er hat es immer gewollt und ich habe dabei versucht, ihn so gut wie möglich zu unterstützen. Er hat sich den Erfolg aber wirklich selber verdient.»

Man merkt aus der Beschreibung des Vaters, die Arbeitseinstellung seines Sohnes ist die grosse Stärke. Philippe Guerdat beschreibt seinen Filius als «Perfektionisten, der enorm viele Opfer erbringt und praktisch kein Privatleben hat». Der ganze Medienzirkus, der gestern losging und in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten zweifelsfrei ungeahnte Ausmasse annehmen wird, entspricht gemäss seinem Vater nicht den Idealvorstellungen seines Sohnes, wie der Vater mit einem Lachen sagt: «Er mag die Medien ja eigentlich nicht. Ich habe nur eine Minute mit ihm gesprochen, habe ihm aber gesagt, dass sich vieles ändern wird.» Zumindest eine Qualität wird Guerdat junior in den nächsten Tagen zugute kommen: «Er ist zwar introvertiert, aber er amüsiert sich gerne.» (si)

Deine Meinung