16-Jähriger in Zürich attackiert - «Er rammte mir ein Messer ins Bein» – Streit unter Teenagern eskaliert
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16-Jähriger in Zürich attackiert«Er rammte mir ein Messer ins Bein» – Streit unter Teenagern eskaliert

Der 16-jährige R. wurde auf der Chinawiese angegriffen und mit einem Messer verletzt. Die Polizei ermittelt.

von
Lynn Sachs
Monira Djurdjevic
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Der 16-jährige R. wurde am Wochenende bei einer Auseinandersetzung auf der Chinawiese schwer verletzt. 

Der 16-jährige R. wurde am Wochenende bei einer Auseinandersetzung auf der Chinawiese schwer verletzt.

20min/Lynn Sachs
Die Stadtpolizei Zürich bestätigt einen Einsatz. Die Ermittlungen dazu laufen.

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt einen Einsatz. Die Ermittlungen dazu laufen.

20min/Lynn Sachs

Darum gehts

  • Auf der Chinawiese in Zürich eskalierte am Wochenende ein Streit unter Jugendlichen.

  • Ein 16-Jähriger erlitt dabei Stichverletzungen.

  • In der Vergangenheit kam es in Zürich immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Teenagern.

Schläge gegen den Hinterkopf und ein Messerstich im Bein: An der Zürcher Seepromenade eskalierte am Wochenende ein Streit unter Teeangern. «Ich sass am Freitag kurz vor Mitternacht mit zwei Kollegen auf der Chinawiese, als plötzlich ein Jugendlicher auf uns zu kam und meinte, dass das sein Platz sei und wir verschwinden sollen», erzählt der 16-jährige R.* «Da ich keinen Streit wollte, ging ich nicht darauf ein.»

Der Jugendliche habe sich daraufhin entfernt, sei aber etwas später in Begleitung von rund zehn Personen zurückgekommen. «Sie gingen auf mich los und schlugen mich», sagt R. Als einer ein Messer zückte, sei er weggerannt. «Einer der Teenager folgte mir und rammte mir das Messer in den Oberschenkel. Ich sackte zusammen.» Während die Gruppe flüchtete, seien ihm seine Freunde und weitere Personen zu Hilfe geeilt. «Ein Mann zog sogar sein T-Shirt aus und drückte es auf die Wunde. Ich bin ihm und allen Helfenden sehr dankbar.»

Laut R. trafen kurz darauf die Polizei und Sanität ein. «Ich wurde ins Spital gebracht. Dort wurde meine Wunde genäht. Ich hatte Glück, dass keine Arterie getroffen wurde.» Körperlich gehe es ihm den Umständen entsprechend gut, sagt R. «Ich bin aber stark traumatisiert. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es wird eine Weile dauern, bis ich das Ganze verarbeitet habe.» Die Stadtpolizei Zürich bestätigt einen Einsatz. Die Ermittlungen dazu laufen.

«Sie schlugen mir mit der Faust ins Gesicht»

In der Vergangenheit kam es in Zürich immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. So wurde im April der 18-jährige Matiss B.* bei einer Tramhaltestelle in Zürich-Altstetten angegriffen. Er erlitt ein geschwollenes Gesicht und mehrere wackelige Zähne. Laut seiner Mutter Sigita B.* (40) kam es zum Streit aus nichtigem Grund: «Mehrere Teenager sprachen ihn an und wollten seine Cola-Flasche. Weil er sich weigerte, ihnen die Flasche zu geben, liefen ihm sechs Jugendliche nach und attackierten ihn bei der Tramhaltestelle Lindenplatz.» Bei der Stadtpolizei Zürich bestätigte man einen Einsatz auf Anfrage.

Ein geschwollenes Gesicht und mehrere wackelige Zähne – der 18-jährige Matiss B. aus Zürich wurde am Ostermontag von einer Gruppe angegriffen.

«Mein Joch- und das Nasenbein waren gebrochen»

Im April eskalierte auf dem Gelände einer Dietikoner Schule ein Streit unter Jugendlichen. Der 15-jährige S.* wurde von einer Gruppe Teenager brutal attackiert und musste operiert werden. «Mein Joch- und das Nasenbein waren gebrochen. Ich musste operiert werden. Dabei wurden mir Metallplatten eingesetzt», sagte der 15-Jährige gegenüber 20 Minuten. Wie die Jugendanwaltschaft auf Anfrage mitteilte, hat sie zwei Strafuntersuchungen wegen Tätlichkeiten respektive Körperverletzung eröffnet.

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Herumgeschubst und mit Faustschlägen traktiert – der 15-jährige S. aus Dietikon ZH wurde im April spitalreif verprügelt.

Herumgeschubst und mit Faustschlägen traktiert – der 15-jährige S. aus Dietikon ZH wurde im April spitalreif verprügelt.

Privat
Der 15-Jährige musste nach der brutalen Attacke operiert werden.

Der 15-Jährige musste nach der brutalen Attacke operiert werden.

20min/Lynn Sachs

«Sie stachen ihm mit dem Messer in den Rücken»

Im Mai wurde bei einem Streit unter Teenagern in Wädenswil der 16-jährige A.* schwer verletzt. Laut zwei jungen Männern hatte der Streit auf einem Basketballplatz begonnen. «Angeblich stritten sie sich wegen Zigaretten. Danach liefen ein paar aus der einen Gruppe weg und die anderen ihnen hinterher», sagt einer der beiden Zeugen. Bei der Migros sei der Streit schliesslich eskaliert. Wie die Kantonspolizei Zürich damals mitteilte, wurden vier Beteiligte leicht bis schwer verletzt. Nach der medizinischen Erstversorgung wurden sie mit einem Rettungswagen in mehrere Spitäler gebracht. Vier beteiligte Personen wurden festgenommen.

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Der 16-jährige A. aus Wädenswil ZH wurde im Mai bei einer Auseinandersetzung mit einem Messer schwer verletzt.

Der 16-jährige A. aus Wädenswil ZH wurde im Mai bei einer Auseinandersetzung mit einem Messer schwer verletzt.

20min/News-Scout
Zwischen zwei Gruppierungen von Teenagern war es zu einem Streit gekommen, teilte die Kantonspolizei Zürich damals mit.

Zwischen zwei Gruppierungen von Teenagern war es zu einem Streit gekommen, teilte die Kantonspolizei Zürich damals mit.

20min/News-Scout
Beteiligt waren Teenager im Alter zwischen 15 und 18 Jahren aus der Schweiz, Afghanistan und Deutschland. 

Beteiligt waren Teenager im Alter zwischen 15 und 18 Jahren aus der Schweiz, Afghanistan und Deutschland.

20min/News-Scout

Jugendgewalt in Zürich

Seit 2015 steigt im Kanton Zürich die Jugendgewalt an. Wie die Oberjugendanwaltschaft dieses Jahr mitteilte, will man dem kontinuierlichen Anstieg nun noch konsequenter begegnen. Gewaltdelikte werde man künftig mit erhöhter Priorität behandeln. Zudem werden verschiedene Massnahmen wie Kontakt- und Rayonverbote oder Electronic Monitoring verstärkt geprüft.

Laut der Opferberatung Zürich sollte in Notsituationen unbedingt die Polizei gerufen werden. Die Polizei sei dazu da, die betroffenen Personen in der akuten Situation zu schützen. Nach der konkreten Gewalterfahrung sei den Betroffenen dringend anzuraten, Hilfe anzunehmen und sich an eine Opferberatungsstelle zu wenden. Die Opferberatung Zürich bietet per anonymer Chat-Beratung ganz unkompliziert Unterstützung an. Von Montag bis Freitag zwischen 12 und 18 Uhr kann man mit ausgebildeten Fachleuten chatten. Zum Chat.

Krawalle am Stadelhofen

Im Februar gingen Szenen einer wüsten Auseinandersetzung zwischen Teenagern beim Bahnhof Stadelhofen auf Tiktok viral. Die Polizei bestätigte unter anderem einen Angriff auf zwei Jugendliche. Ein 16-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. Bei einem der Opfer handelte es sich um den LGBTQ-Tiktoker Vincenzo. Der 16-Jährige sagte, dass er wegen seiner offen gelebten Homosexualität angegriffen wurde. Auch Zeugen berichteten, dass es sich um einen gezielten Angriff auf Transpersonen und Homosexuelle handelte. Der damals festgenommene 16-Jährige bestritt das gegenüber 20 Minuten. Was der Auslöser für den Streit war, konnte sich der Teenager nicht erklären.

Der 16-jährige Vincenzo wurde im Februar beim Stadelhofen in Zürich angegriffen.

«Auch als er auf dem Boden lag, schlugen sie weiter auf ihn ein»

Ein blaues Auge, Schwellungen und Schrammen im Gesicht: Im Mai prügelten Unbekannte in einem Zürcher Tram auf den 20-jährigen Kunststudenten L.* ein. «Auch als er auf dem Boden lag, schlugen sie weiter auf ihn ein», sagte S.*, eine gute Freundin von L., gegenüber 20 Minuten. Laut der Stadtpolizei Zürich traktierten ihn Unbekannte mit Schlägen und Fusstritten gegen Kopf- und Oberkörper. Der 20-Jährige wurde ins Spital gebracht. Wie die Polizei damals mitteilte, laufen die Ermittlungen.

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Der 20-Jährige kann sich nicht mehr an viel erinnern. «Ich weiss nur noch, dass mich einer fragte, was ich so blöd schaue», sagte er im Mai gegenüber 20 Minuten. 

Der 20-Jährige kann sich nicht mehr an viel erinnern. «Ich weiss nur noch, dass mich einer fragte, was ich so blöd schaue», sagte er im Mai gegenüber 20 Minuten.

venuscyborg
Als queere Person erlebe er oft verbale Angriffe, erzählte L.

Als queere Person erlebe er oft verbale Angriffe, erzählte L.

venuscyborg
Dass es nun so eskalierte, habe ihn aber schockiert.

Dass es nun so eskalierte, habe ihn aber schockiert.

venuscyborg

*Name der Redaktion bekannt

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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