Frau mit Maskendispens bedroht «Er sagte, die nächste Person ohne Maske knalle er mit der Pistole ab»
Angela Zimmermann leidet an Bronchitis und darf deshalb keine Schutzmaske tragen. Vor allem im öffentlichen Verkehr erntet sie dafür täglich böse Blicke. Nachdem sie nun beleidigt und sogar bedroht worden ist, hat sie die Nase voll.
- von
- Lea Lozano
Darum gehts
Angela Zimmermann darf aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen.
Oftmals treffen Betroffene im Alltag auf Unverständnis und Hass.
Die Leserin will nun darauf aufmerksam machen, dass es durchaus viele Menschen gibt, denen es unmöglich ist, eine Maske zu tragen, und bittet um Verständnis.
Die 58-jährige Angela Zimmermann leidet an einer schweren Bronchitis. Da die Schutzmaske bei ihr Atemnot auslöst, hat ihr Arzt sie von der allgemein geltenden Maskenpflicht befreit. Nun beschreibt die Baselbieterin im Gespräch mit 20 Minuten, wie sie deshalb in ihrem Alltag beleidigt wird.
Beim Einkaufen habe die Leserin so gut wie nie Probleme, im ÖV jedoch fast täglich. «Ich bin jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Da ich keine Maske trage, achte ich immer, so gut es geht, darauf, den nötigen Abstand zu anderen Personen einzuhalten. Trotzdem werde ich jedes Mal böse angeschaut, beleidigt und manchmal sogar bedroht», schildert Zimmermann.
Betroffene kommen sich diskriminiert vor
Als die 58-Jährige kürzlich mit dem Bus unterwegs war, sei eine Dame ihr beim Aussteigen gefolgt und habe sie schlimm beleidigt. «Sie hat mich als alte Schabracke bezeichnet und aufs Übelste beleidigt, nur weil ich keine Maske trug», so Zimmermann. «Mich freut es auch nicht, dass ich keine Maske tragen kann, aber es kann nicht sein, dass man deshalb ständig beleidigt wird», sagt sie.
Einer Freundin, die ebenfalls durch ihren Arzt von der Maskenpflicht befreit ist, ergehe es zum Teil noch schlimmer. «Sie hat mich heute Morgen weinend angerufen, weil sie mit ihren Nerven am Ende ist», so Zimmermann. Ein Mann habe der Freundin im Tram nämlich gesagt, dass er die nächste Person, die er ohne Maske antreffe, einfach mit seiner Pistole abknallen werde.
«Wir kommen uns diskriminiert vor», betont Zimmermann. Ein Grund dafür seien auch die Durchsagen im öffentlichen Verkehr. «Ständig werden die Durchsagen, die auf die Maskenpflicht hinweisen, gespielt. Ich würde mir wünschen, dass die Verkehrsbetriebe hier auch darauf aufmerksam machen, dass man Rücksicht auf Personen nehmen soll, die keine Maske tragen dürfen.»
Lange Durchsagen stören die Reisenden
Sonja Körkel, Mediensprecherin der Basler Verkehrsbetriebe, ist das Problem bekannt. «Es gehen immer wieder Beschwerden dieser Art bei uns ein. Jedoch können wir leider nicht für jedes Tram und jeden Bus eine Aufsichtsperson einstellen. Grundsätzlich gilt aber, dass sich Personen, wenn sie sich in unseren Fahrzeugen unsicher fühlen, immer an die Fahrdienstmitarbeitenden wenden können. Diese haben die Möglichkeit, via Leitstelle die Polizei aufzubieten», sagt sie auf Anfrage von 20 Minuten.
Durchsagen, wie Zimmermann sie sich wünscht, seien sogar bereits besprochen worden, sie seien jedoch ein kontroverses Thema. «Betreffend Durchsagen halten wir uns wie die anderen regionalen Verkehrsbetriebe an die einheitlich geregelten Vorgaben der Systemführerschaft SBB und Postauto», so Körkel.
Auf Anfrage erklärt Raffael Hirt, Mediensprecher der SBB: «Wir wissen aus anderen Kontexten, dass sich Reisende an zu langen Durchsagen, die oftmals auch in verschiedenen Sprachen erfolgen, stören. Deshalb wird in den Durchsagen nicht auf alle Ausnahmen der Maskenpflicht, die das BAG kommuniziert hat, hingewiesen.» Er empfiehlt jedoch, wenn man wie Frau Zimmermann wegen fehlender Maske beleidigt wird, auf das Arztzeugnis hinzuweisen.


