Londoner Grenfell-Tower-Brand: «Er sagte, wir müssten der Feuerwehr glauben»
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Londoner Grenfell-Tower-Brand«Er sagte, wir müssten der Feuerwehr glauben»

Angehörige der Opfer des Brandes im Grenfell-Tower in London erheben schwere Vorwürfe gegen die Feuerwehr. Sie habe die falschen Massnahmen getroffen.

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vro
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Nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zum Brand im Londoner Grenfell-Tower haben Angehörige der Todesopfer Vorwürfe gegen die Feuerwehr erhoben.

Nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zum Brand im Londoner Grenfell-Tower haben Angehörige der Todesopfer Vorwürfe gegen die Feuerwehr erhoben.

Getty Images/Peter Summers
Diese habe die falschen Massnahmen getroffen.

Diese habe die falschen Massnahmen getroffen.

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Die Angehörigen glauben, dass die Opfer noch leben könnten, hätte die Feuerwehr richtig reagiert. Besonders in der Kritik steht die Spitze der Londoner Feuerwehr.

Die Angehörigen glauben, dass die Opfer noch leben könnten, hätte die Feuerwehr richtig reagiert. Besonders in der Kritik steht die Spitze der Londoner Feuerwehr.

epa/Will Oliver

Die britische Feuerwehrgewerkschaft FBU hat Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte beim Grossbrand im Londoner Hochhaus Grenfell Tower mit Dutzenden Toten zurückgewiesen. Es gebe keine Beweise, dass eine frühere Evakuierung des Gebäudes mehr Leben gerettet hätte, teilte FBU-Chef Matt Wrack am Mittwoch mit.

Die Feuerwehrleute hätten mutig und selbstlos reagiert. «Die wahren Schuldigen sind diejenigen, die das Gebäude mit brennbarem Material ummantelt haben, den britischen Brandschutz ausgeweidet haben, Warnungen durch vorige Brände ignoriert haben und nicht die Bitten einer um ihre Sicherheit besorgten Gemeinschaft erhört haben.»

Feuerwehr interessiert sich nicht dafür

Am Dienstag waren Details eines Untersuchungsberichts bekannt geworden. Er wirft der Feuerwehr «schwerwiegende Mängel» und «systemische» Fehler vor. Kritisiert wird insbesondere die Anweisung der Feuerwehr an die Bewohner des Hochhauses, in den Wohnungen zu bleiben .Weniger Menschen wären bei dem Feuer gestorben, wenn die Londoner Feuerwehr früher bestimmte Massnahmen ergriffen hätte, hiess es im Bericht.

Angehörige der 72 Toten forderten die Entlassung der Londoner Feuerwehrchefin Dany Cotton. Die Spitze der Behörde sei verantwortlich für den Tod zahlreicher Menschen, aber interessiere sich nicht dafür, sagte eine Angehörige am Mittwoch. Die Londoner Feuerwehr sei in den Händen von Leuten, die für ihren Job untauglich seien.

«Ein kleines bisschen Trost»

Eine Frau, deren Mann im 23. Stock ums Leben kam, sagte, sie habe keinen Feuerwehrmann in ihrem Stockwerk gesehen, berichtet die «Daily Mail». Ein anderer Bewohner habe gesagt, die Feuerwehr habe erklärt, sie sei unterwegs und sie sollten bleiben, wo sie sind. «Als mein Mann das hörte, sagte er: ‹Wir müssen ihnen glauben.› Hätte er diese Nachricht nicht erhalten, wäre er heute wohl noch am Leben.» Cotton zeigte Verständnis für die Wut der Angehörigen, wies Rücktrittsforderungen aber zurück.

Das britische Parlament würdigte die Opfer mit einer Schweigeminute. Premierminister Boris Johnson sagte, der Untersuchungsbericht werde den Hinterbliebenen hoffentlich «ein kleines bisschen Trost» bringen. «Sie haben nach der Wahrheit gefragt, wir haben ihnen die Wahrheit versprochen, wir schulden ihnen die Wahrheit.»

Der Brand am 14. Juni 2017 war durch einen elektrischen Defekt ausgelöst worden. Die Flammen breiteten sich dann in rasendem Tempo in dem 24-stöckigen Sozialbau aus.

Der Labour-Abgeordnete David Lammy kritisierte, dass es in Grossbritannien noch immer zahlreiche ähnliche Gebäude gebe. (vro/sda)

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