Michael Morton: Er sass 25 Jahre unschuldig im Knast
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Michael MortonEr sass 25 Jahre unschuldig im Knast

Der Texaner Michael Morton sass 25 Jahre im Gefängnis. Für einen Mord, den er nicht begangen hat. Jetzt wird die Geschichte des 57-jährigen Gemüsehändlers im TV gezeigt.

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Die Lebensgeschichte des Texaners Michael Morton könnte sehr wohl als Stoff für ein Hollywood-Drama dienen. Ein unschuldig verurteilter Familienvater sitzt 25 Jahre im Gefängnis – weil ein ehrgeiziger Staatsanwalt Beweise unterdrückt hatte.

Am 12. August 1986 war die kleine Welt der Familie von Michael Morton noch in Ordnung: Der Gemüsehändler feierte an jenem Abend seinen 32.Geburtstag mit Ehefrau Christine in einem Restaurant. Das Paar hatte noch einen weiteren Grund anzustossen: Ihr dreijähriger Sohn Eric hatte soeben eine schwierige Herzoperation überstanden. Doch schon am nächsten Morgen nahm die Tragödie ihren Lauf. Während Michael bei der Arbeit war, wurde Christine im Haus der Familie ermordet. Die Polizei nahm den Ehemann fest.

Staatsanwalt Anderson stellte Morton als Monster dar

Zu diesem Zeitpunkt meinte Michael Morton noch: «Unschuldige gehen davon aus, dass sie nichts zu befürchten haben, wenn sie die Wahrheit sagen. Ich hoffte, dass sich der Fall bald klären werde.» Doch es kam anders.

Morton wurde des Mordes an seiner Frau angeklagt. Sohn Eric wurde in eine Pflegefamilie platziert. Vor Gericht trug Staatsanwalt Ken Anderson den Geschworenen eine wirre Theorie vor – mit Tränen in den Augen. Der Angeklagte habe Christine ermordet, weil sie ihm in seiner Geburtstagsnacht den Sex verweigert habe.

Wichtige Beweismittel unterdrückt

Weil es bis zu diesem Zeitpunkt keinen weiteren Verdächtigen gab, wurde Morton für den Mord an seiner Frau schuldig erklärt. «Es gab keine wissenschaftliche Beweise, keine Augenzeugen, keine Mordwaffe, kein Motiv», erklärt Michael Morton in einem Dokumentarfilm, den der Nachrichtensender CNN jetzt ausstrahlte. «Ich verstand nicht, wie ein rational denkender Mensch meinen konnte, dass es genug Beweise für eine Verurteilung gebe.» Was Morton damals nicht wusste: Die Beweise gab es sehr wohl, doch Staatsanwalt Anderson hatte diese unterdrückt.

Im Gefängnis hatte es Michael Morton nicht einfach. Seinen Sohn sah er anfänglich zweimal pro Woche. Im Teenageralter wurde aber die Beziehung schwierig. Eric schämte sich, seinen Vater im Gefängnis besuchen zu müssen. Irgendwann besuchte er seinen Vater nicht mehr, liess sogar seinen Familiennamen auf den seiner Pflegeeltern umschreiben.

Aussage des Sohnes nicht berücksichtigt

Dann, vor wenigen Jahren, nahm sich ein Gruppe Pro-Bono-Anwälte den Fall Morton vor. Dabei stellte sich heraus, dass die Aussage von Sohn Eric nicht berücksichtigt worden war. Der Junge hatte der Polizei gesagt, sein Vater sei am Morgen des Mordes nicht zuhause gewesen. Er habe aber einen unbekannten Mann gesehen. Ausserdem wurde ein blutverschmiertes Bandana in der Nähe des Tatorts gefunden. Das Blut stammte vom Opfer. Das Tuch trug DNA-Spuren eines gewissen Mark Norwood.

Bei den Ermittlungen entdeckten die Anwälte, dass Norwood knapp zwei Jahre später eine andere Frau aus Austin, Debra Baker, auf einer ähnlichen Weise wie Christine ermordet hatte. Im Oktober 2011 wurde Norwood für den Mord an Christine Morton für schuldig erklärt.Michael Morton kam nach 25 Jahren frei.

Jetzt wird «An Unreal Dream: The Michael Morton Story» ausgestrahlt

Kürzlich hat die Justiz Richter Ken Anderson für das Unterdrücken wichtiger Beweismittel verurteilt. Anderson hatte vor Gericht angegeben, sich nicht an den Fall zu erinnern, aber nichts Falsches getan zu haben. Dennoch verlor er nun seine Anwaltslizenz und musst neben einer Geldstrafe 500 Stunden Sozialarbeit leisten. Er entschuldigte sich nie bei Morton.

Michael Morton nimmt sein Schicksal hin. Im Film «An Unreal Dream: The Michael Morton Story», der am Donnerstag in den USA ausgestrahlt wird, sagt er: «Normalerweise sind die Menschen nach einem solchen Erlebnis voller Hass. (...) Ich habe aber genug davon». Er habe den inneren Frieden gefunden, weil «Gott mich liebt».

Inzwischen hat er wieder zu Sohn Eric gefunden – und Bekanntschaft mit seiner Enkelin gemacht. Das Mädchen heisst Christine und ist «das perfekteste Wesen, das ich je gesehen habe», schwärmt Morton. «So hat sich der Kreis geschlossen.»

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