29.06.2020 18:53

Strafgericht BL

«Er schlug so lange auf ihn ein, bis er keinen Ton mehr von sich gab»

Bei einem Einbruchdiebstahl im März 2019 wurde der betagte Bewohner eines Einfamilienhauses in Münchenstein getötet. Die Beschuldigten zeigten zum Auftakt der Gerichtsverhandlung keine Spur von Reue.

von
Lukas Hausendorf
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Am Höhenweg  ereignete sich die Tat in der Nacht vom 18. auf den 19. März 2019. Der Hauptbeschuldigte E.S.* und zwei Mittäter brachen spätabends in das Einfamilienhaus ein, die Bewohner schliefen. Davon gingen die Einrbecher wenigstens aus.

Am Höhenweg ereignete sich die Tat in der Nacht vom 18. auf den 19. März 2019. Der Hauptbeschuldigte E.S.* und zwei Mittäter brachen spätabends in das Einfamilienhaus ein, die Bewohner schliefen. Davon gingen die Einrbecher wenigstens aus.

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Überraschend brannte im Arbeitszimmer aber Licht. Darin lag der pflegebdürftige, kranke Bewohner des Hauses. Haupttäter E.S.* fügte ihm tödliche Verletzungen zu, um zu verhindern, dass der 88-Jährige Alarm schlagen und den Raubzug der Einbrecher vereiteln würde.

Überraschend brannte im Arbeitszimmer aber Licht. Darin lag der pflegebdürftige, kranke Bewohner des Hauses. Haupttäter E.S.* fügte ihm tödliche Verletzungen zu, um zu verhindern, dass der 88-Jährige Alarm schlagen und den Raubzug der Einbrecher vereiteln würde.

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Am 29. Juni mussten sich der 19-jährige Rumäne und seine beiden Komplizen (23 & 32) vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten.

Am 29. Juni mussten sich der 19-jährige Rumäne und seine beiden Komplizen (23 & 32) vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten.

Tom Bisig

Darum gehts

  • Bei einem Raub in einem Einfamilienhaus wurde im März 2019 der 88-jährige Bewohner tödlich verletzt.
  • Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Hauptbeschuldigten, einen 19-jährigen Rumänen, Mordanklage erhoben.
  • Der Beschuldigte bestreitet den Tatvorwurf trotz erdrückender Beweise und einem eindeutigen Gutachten des Rechtsmediziners.

«Er ist kein guter Arzt, er muss nochmal in die Schule gehen», quittierte E.S.* die Ausführungen des Gerichtsmediziners Holger Wittig vom Basler Institut für Rechtsmedizin. Der Experte belastete mit seinem Gutachten den 19-jährigen Rumänen schwer. Dieser soll den betagten und schwer kranken Bewohner eines Einfamilienhauses in Münchenstein bei einem Raub mit mehreren Faustschlägen tödliche Verletzungen zugefügt haben.

Der jüngste des Einbrechertrios muss sich nun als Hauptbeschuldigter auch wegen Mordes vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten. Am 19. März soll er mit Landsmännern (23/32) spätabends in das Einfamilienhaus hoch oben am Münchensteiner Hügel eingestiegen sein. Wohlwissend, dass die Bewohner zuhause sind, so der Vorwurf der Anklage. S. war wohl überrascht, dass der Herr des Hauses nicht im Schlafzimmer nächtigte, sondern im Arbeitszimmer lag – angeschlossen an ein Sauerstoffgerät und wach.

Das Risiko einer Notoperation wäre zu hoch gewesen»

Rechtsmediziner Holger Wittig

Vielleicht wollte der 19-Jährige den gebrechlichen 88-Jährigen «nur» bewusstlos machen, damit er nicht Alarm schlagen konnte. In der Anklage hiess es: «Er schlug solange auf ihn ein, bis er keinen Ton mehr von sich gab.» Die Ehefrau, die im oberer Stockwerk des Hauses schlief, bekam davon nichts mit.

Mindestens drei Schläge verpasste der Rechtshänder ihm deshalb senkrecht auf die linke Gesichtshälfte. Diese Mindestschlagzahl ergab sich für den Rechtsmediziner aus dem Verletzungsbild. Die dadurch versursachten Blutungen führten drei Tage später zum Tod des Opfers. Weil das Opfer unter dem Einfluss von zwei blutgerinnungshemmenden Medikamenten stand, keine Überlebenschance. Eine Notoperation war ausgeschlossen. «Das Risiko wäre zu hoch gewesen», so Wittig.

Kann sein, dass ich die Hand zur Faust geballt hatte

Beschuldigter E.S.*

E.S. bestritt am Montag vor der Kammer des Baselbieter Strafgerichts den Gewaltvorwurf im Grundsatz gestand aber einen Schlag zu. Den will er rückwärts ausgeführt haben, als er hinter sich eine Regung wahrgenommen hatte. «Kann sein, dass ich meine Hand zur Faust geballt hatte», sagte er. Diesen Tathergang konnte der Rechtsmediziner aber ausschliessen.

Für Staatsanwalt Stefan Fraefel ist deshalb klar: Es war Mord und besonders qualifizierter Raub. S. der schon in Frankreich wegen Einbruchs aktenkundig ist, soll mindestens fünf Jahre ins Gefängnis. Und das alles für Diebesgut im Wert von knapp mehr als 6000 Franken. Von Reue war bei den Beschuldigten am Montag nichts zu merken.

Auch für die Mittäter, die wegen qualifizierten Raubs angeklagt sind, werden mehrjährige Haftstrafen beantragt werden. Staatsanwalt Stefan Fraefel wird seine Strafanträge voraussichtlich bis am Dienstag bekannt geben. Das Urteil wird am 3. Juli eröffnet.

*Name der Redaktion bekannt

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