Insta-Post von Ex-Freundin - «Er schlug zu» – Gewalt-Vorwürfe gegen Ex-«Bachelorette»-Kandidat
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Insta-Post von Ex-Freundin«Er schlug zu» – Gewalt-Vorwürfe gegen Ex-«Bachelorette»-Kandidat

Die 25-jährige M. wirft ihrem Ex-Freund vor, sie mehrfach geschlagen zu haben. Mit einem Instagram-Post will sie sich gegen Gewalt an Frauen stark machen.

von
Monira Djurdjevic
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Auf Instagram hat die 25-jährige M.* diese Woche mehrere Bilder gepostet.

Auf Instagram hat die 25-jährige M.* diese Woche mehrere Bilder gepostet.

Pirvat
Sie beschuldigt ihren Ex-Freund, sie physisch und psychisch misshandelt zu haben.

Sie beschuldigt ihren Ex-Freund, sie physisch und psychisch misshandelt zu haben.

Privat

Darum gehts

  • Ein Ex-«Bachelorette»-Kandidat wird in den sozialen Medien beschuldigt, seine ehemalige Freundin misshandelt zu haben.

  • Die 25-jährige M. hat Bilder der mutmasslichen Misshandlungen auf Instagram gepostet.

Ein blaues Auge, Schrammen und Schwellungen im Gesicht: Auf Instagram hat die 25-jährige M.* am Mittwoch mehrere Bilder von ihren Verletzungen gepostet. Dazu schreibt sie: «Viele, die mich persönlich kennen, wissen, dass ich eine sehr positiv eingestellte Person bin, die immer ein Lachen im Gesicht hat.» Dieses Lachen sei ihr aber letztes Jahr von ihrem Ex-Freund genommen worden. Versehen ist der Post mit dem Hashtag #keinegewaltgegenfrauen.

Bei ihrem Ex-Freund handelt es sich laut M. um einen ehemaligen «Bachelorette»-Kandidaten. Wie die 25-Jährige sagt, nahm er vor einigen Jahren an der Kuppelshow vom TV-Sender 3+ teil. Sie selbst habe ihn bei der Arbeit kennengelernt. «Nach einer kurzen Zeit kamen wir zusammen.»

Anfänglich sei alles gut gewesen: «Er war sehr lieb und zuvorkommend. Wir hatten eine schöne Zeit.» Er habe aber auch eine andere Seite gehabt. «Wenn ihm etwas nicht passte oder er keine Argumente hatte, schlug er zu», erzählt die 25-Jährige. Während der rund einjährigen Beziehung sei das mehrfach vorgekommen. «Hinzu kam psychische Gewalt. Er manipulierte, betrog und erniedrigte mich.»

«Mein Leben drehte sich nur noch um ihn»

Das Prozedere danach sei häufig das Gleiche gewesen: «Er entschuldigte sich und ich verzieh ihm. Ich war naiv und er nutzte das zu seinen Gunsten aus. Liebe war das bestimmt nicht.» Ihr Umfeld habe ihr schliesslich geholfen, sich von ihm zu lösen. «Mein Leben drehte sich nur noch um ihn. Als meine Eltern mir sagten, dass sie mich nicht mehr erkennen und ich mich von allen abgewendet habe, zog ich einen Schlussstrich und trennte mich von ihm.»

Das Erlebte publik zu machen, habe sie viel Überwindung gekostet, so M. «Ich will kein Mitleid, sondern Frauen in ähnlichen Situationen Mut machen und sie motivieren, aufzustehen. Niemand soll sich so etwas gefallen lassen.» In den sozialen Medien erhält sie dafür viel Zuspruch. «Ich finde das so tapfer und stark von dir», schreibt eine Nutzerin auf Instagram. Eine andere Nutzerin wünscht ihr alles Gute und viel Kraft: «Ich hoffe, dass du das alles gut verarbeiten und irgendwann hinter dir lassen kannst.»

20 Minuten konnte den Ex-Freund von M. telefonisch erreichen. Er streitet alles ab, will sich öffentlich aber nicht zu den Vorwürfen äussern.

Bericht zum Thema häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen

Am 1. April hat die Schweiz das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die sogenannte Istanbul-Konvention, ratifiziert. Im Juni wurde dann der erste Bericht zum Thema häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen vorgelegt. Wie es in einer Mitteilung heisst, sind Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt in der Schweiz weit verbreitet und verursachen grosses Leid. Im Durchschnitt komme es alle zweieinhalb Wochen zu einem Femizid beziehungsweise sterbe eine Frau an den Folgen eines Übergriffs. Insgesamt 27’000 Kinder seien jedes Jahr von häuslicher Gewalt mitbetroffen. Mit einer Gesamtzahl von 20’123 bekannt gewordenen Straftaten wurde im Corona-Jahr 2020 ein neuer Höchststand im Bereich der häuslichen Gewalt erreicht.

Frauen erheben ihre Stimme in den sozialen Medien

Seit den Diskussion rund um den Hashtag #metoo erheben immer mehr Frauen ihre Stimme gegen körperliche und sexualisierte Gewalt. So machte Body-Positivity-Aktivistin Morena Diaz 2020 auf Instagram öffentlich, dass sie vergewaltigt worden sei. Später zeigte sie einen ehemaligen Freund an. Im April kam es vor dem Strafgericht Schwyz zum Prozess. Mit dem Fall hatte sie eine Debatte über das Sexualstrafrecht angestossen.

Im Juni haben die Vorwürfe der sexuellen Gewalt gegen den Berliner Rapper Samra eine Diskussion über Sexismus im Rap ausgelöst. Die Hamburger Influencerin Nika Irani postete in ihrer Instagram-Story ein Video, in dem sie dem 26-Jährigen vorwirft, sie letztes Jahr vergewaltigt zu haben. Seitdem kursiert der Hashtag #deutschrapmetoo in den sozialen Medien.

Bereits 2020 startete die Frauenrechtsorganisation «Terre Des Femmes» eine Kampagne mit dem Tag #unhatewomen. Das Ziel: «Gewalt gegen Frauen, die millionenfach gehört, geliked und gefeiert wird» sichtbar zu machen. «Poste den Hashtag unter frauenverachtende Texte, Songs oder Posts. Bring die Gewalt zur Sprache und sensibilisiere dafür, dass auch Worte Gewalt sein können», heisst es auf der Website der Frauenrechtsorganisation.

*Name der Redaktion bekannt

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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