Aktualisiert 06.07.2012 17:29

Schiesserei in Oensingen

«Er schoss meinem Mann direkt ins Herz»

Beim Familiendrama in Oensingen verliert Zyrafete B. ihren Mann und ihren Sohn. Es ist der blutige Höhepunkt im Streit um die Schwiegertochter. Und ein Drama mit Ansage.

von
ann/dwi

Kreuze auf dem Vorplatz des Bauernhofs kennzeichnen die Stellen, wo Geschosse gefunden wurden. Es sind unzählige. «Es war wie im Krieg hier», sagt Zyrafete B. (49) verzweifelt. Sie hat gestern Abend ihren Mann, Hysen B. (50), und ihren Sohn, Perparim B. (26), verloren - mutmasslich erschossen von Perparims Schwager Bekim B. und dessen Vater. Alles begann am Donnerstagabend mit einem Telefonanruf.

Perparim geht in Oensingen zu seinen Eltern essen. Sie wohnen nur wenige Meter vom Wohnblock entfernt, wo er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebt. An diesem Abend ist auch ein Besucher aus Frankreich bei den Eltern zu Gast. Perparims Frau hingegen bleibt mit den Kindern zu Hause.

Während die Familie Kaffee trinkt, klingelt das Telefon. Am Apparat: Bekim B., der Bruder von Perparims Frau. «Du weisst, wer ich bin. Du wirst nicht mehr lange leben», sagt er. Perparim weiss, dass die Drohung ihm gilt und Bekim bereits auf dem Weg zu ihm ist.

«Ich lasse meine Tochter nicht hier»

Wenig später geht er aus dem Haus. Die Todesschützen sind mit dem Auto gekommen und haben Perparims Frau dabei. Zuerst hätten sie normal geredet, erzählt Zyrafete. Dann sei der Streit eskaliert. «Ich lasse meine Tochter nicht hier», habe der Vater geschrien. Hysen will schlichten und schickt seinen Sohn ins Haus. Offenbar glaubt er, die Sache unter Vätern regeln zu können.

Doch die aufgebrachten Verwandten fackeln nicht lange. «Einer schoss meinem Mann direkt ins Herz», sagt Zyrafete. Perparim stürzt aus dem Haus und will seinem Vater helfen. Ein Fehler: Auch er wird kaltblütig erschossen. Die Schüsse sind gezielt und tödlich.

Sein 13-jähriger Bruder muss alles mitansehen: Wie eine Verwandte erzählt, habe er ihm nach dem tödlichen Schuss noch lange die Hand gehalten und stets gesagt: «Bitte schliess deine Augen nicht!» Vergeblich - wie schon der Vater stirbt auch der Bruder auf offener Strasse.

Auch auf den Besuch wird geschossen

Als auch noch der Besuch der Familie B. intervenieren will, schiessen die Täter wieder. Sie treffen ihn an einem Arm und einem Bein. Die Todesschützen fahren davon, werden aber kurz nach der Tat von der Polizei festgenommen. Der verletzte Besucher wird mit Schusswunden ins Spital gebracht.

Zyrafete steht unter Schock. Offenbar wollte der Vater von Perparims Frau nicht, dass seine Tochter auf dem Hof in Oensingen bleibt. Kurz vor der Tat habe ihr Perparim noch gesagt: «Es gibt Probleme mit meiner Frau.» Doch das Paar ist bereits seit drei Jahren zusammen. Warum der Streit jetzt eskalierte, ist der verzweifelten Mutter schleierhaft.

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